In Voerde treten bei der Kommunalwahl am 14. September für den Chefposten im Rathaus zwei Bewerber und eine Bewerberin an: Zum dritten Mal wirft Amtsinhaber Dirk Haarmann (SPD) seinen Hut in den Ring. Der parteilose Martin Scholz wurde gemeinsam von CDU und FDP nominiert. Jule Schmidt tritt für Die Partei als Bürgermeisterkandidatin an. Die NRZ hat die drei Bewerber zu verschiedenen Themen befragt. Im dritten und letzten Teil geht es um Gewerbeansiedlungen und um die künftige Mobilität in Voerde.

In Voerde ist ein in seiner Größe dominierendes Gewerbe die Logistik (Verteilzentrum Rewe, Panattoni, Elsinghorst). Nun soll sich im Hafen Emmelsum ein weiteres solches Großprojekt ansiedeln. Ist das in Zeiten des Klimawandels eine gute Entwicklung?

Dirk Haarmann: Der Rat hat die Weichen dafür langfristig gestellt, indem er das Gebiet als „Sondergebietsfläche Hafen“ definiert hat. Der Vorteil an diesem Standort liegt in der Trimodalität, d.h. neben Straßen- auch Wasser- und Gleisanschluss, deren Nutzung für Ansiedlungen auch Voraussetzung ist. Das heißt aber nicht zwingend, dass dort ausschließlich Logistik möglich ist. Auch Produktionsbetriebe, die diese Anschlüsse nutzen, sind denkbar. Elsinghorst ist übrigens kein Logistikbetrieb und auch in Teilen der Panattoni-Hallen sind Nutzungen außerhalb von Logistik untergebracht.

Das Motto sollte sein: Voerde voerdern! Wir brauchen kleine Gewerbe, die in Voerde aktiv sind wie Gastro und Handwerk.


Bürgermeisterkandidatin der Partei Die Partei in Voerde für die Kommunalwahl 2025
 

Foto: Privat / PR

 
Jule Schmidt, Bürgermeisterkandidatin von „Die Partei“, zu der Frage, welches Gewerbe in Voerde angesiedelt werden soll.

Martin Scholz: Nein und das ist vor allem in Zeiten knapper Kassen und hoher Ansprüche ein großes Problem. Die Wärmeentwicklung nimmt weiter zu. Die Doppelmoral der Befürworter ist erschreckend. Die erwähnten Großprojekte bringen Voerde keinen einzigen Euro Gewerbesteuer, weil die Unternehmen ihren Hauptsitz nicht in Voerde haben.

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Jule Schmidt: Das ist keine gute Entwicklung, solche Riesenprojekte sind immer mit enorm großen versiegelten Flächen verbunden, die Unternehmen zahlen hier kaum Steuern in der Stadt, es werden im Verhältnis zur Größe kaum Arbeitsplätze geschaffen, da die Logistik immer weniger Menschen benötigt, weil sie auf Maschinen und Automation setzt. Voerde hat kaum große Grün-, Wald- und Naturflächen und die übrig gebliebenen sollten wir schützen.

Welches Gewerbe soll sich in den nächsten Jahren in Voerde ansiedeln?

Dirk Haarmann: Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände wird durch den Eigentümer RWE ein Wasserstoff-Kompetenzzentrum mit einem wasserstofffähigen Gaskraftwerk, Batteriespeichern und einer Wasserstoff-Produktionsanlage entstehen. Auf einem freien Teil im Nordosten der Fläche sollen in Abstimmung zwischen Stadt und RWE „wasserstoffaffine“ Betriebe angesiedelt werden. Daneben verfügt die Stadt nur noch über die kleine Erweiterungsfläche am Kleinen Kiwitt im Gewerbegebiet Grenzstraße, die demnächst in die Vermarktung geht.

Martin Scholz: Wir müssen den wirtschaftlichen Fokus wieder lokal in unsere Stadt lenken. Großprojekte wie die erwähnten sind hoch automatisiert und benötigen wenige Arbeitskräfte hier vor Ort. Wir müssen den Mittelstand hier stark fördern, der bringt qualifizierte Arbeitsplätze und Gewerbesteuern.

Für eine flächendeckende Mobilität bedeutet dies Individualisierung. Wir müssen intelligente Lösungen erarbeiten, die auch, wenn gewünscht, ohne Auto auskommen.

Der Bürgermeister Kandidat der CDU Voerde, Martin Scholz, parteilos, wird am Donnerstag, den 20.03.2025 in der NRZ Redaktion in Dinslaken vorgestellt.
Achtung, Speervermerk bis 20.03.2025, 16.30 Uhr.
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Martin Scholz (parteilos), von CDU und FDP als gemeinsamer Bürgermeisterkandidat nominiert, zu der Frage, wie eine optimale Mobilität in Voerde gestaltet werden kann.

Jule Schmidt: Das Motto sollte sein: Voerde voerdern! Wir brauchen kleine Gewerbe, die in Voerde aktiv sind wie Gastro und Handwerk. Aber auch größere Unternehmen, am besten aber Unternehmen, die in Voerde ihren Sitz haben, hier innovativ sein können und wachsen können. Und wir brauchen vor allem eine Politik, die das unterstützt. Und nicht die Ansiedlung von Multi-Millionen-Konzernen, denen Voerde am Arsch vorbeigeht.

In Voerde konzentriert sich die Fortbewegung vor allem auf das Auto. Die Stadt möchte hier nachhaltiger unterwegs sein und Mobilität für alle optimal gestalten. Wie kann dies gelingen?

Dirk Haarmann: Viele Radwege in der Stadt müssen dringend ertüchtigt bzw. ausgebaut werden. Die Grundlage ist mit dem Radverkehrskonzept geschaffen. Jetzt muss das auch umgesetzt werden. Erste wichtige Maßnahmen sind umgesetzt bzw. in Vorbereitung (z.B. Radweg Mehrstraße, Ampel Breiter Deich, Bahnhofstraße, Alte Hünxer Straße). Im Zuge des Betuwe-Projekts gilt es, an den Haltepunkten Voerde und Friedrichsfeld attraktive Mobilstationen aufzustellen, um den kombinierten Verkehr Rad/Schiene zu unterstützen. Ebenso planen wir eine solche Station im Umfeld der Busstation in der Stadtmitte.

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Martin Scholz: Voerde ist eine sogenannte „Flächenstadt“. Das bedeutet, viel Stadtfläche, elf Ortschaften und Siedlungen mit relativ wenigen Menschen. Für eine flächendeckende Mobilität bedeutet dies Individualisierung. Wir müssen intelligente Lösungen erarbeiten, die auch, wenn gewünscht, ohne Auto auskommen. Die Infrastruktur dafür ist leider schlecht und muss modernisiert werden.

Ja, unbedingt.

Der Voerder Bürgermeister Dirk Haarnann berichtet am Donnerstag, den 17.04.2025 über seine Podcast-Beiträge die er im Wahlkampf erstellt.
Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services
Dirk Haarmann (SPD), Bürgermeisterkandidat und Amtsinhaber, zu der Frage, ober sich dafür einsetzen werde, dass Voerde ein On-Demand-Verkehr bekommt.

Jule Schmitz: Indem man auch mal was umsetzt, sich was traut und nicht immer nur prüft und teure Machbarkeitsstudien in Auftrag gibt, deren Ergebnisse jedem selbst offensichtlich sein könnten. Aber dazu fehlt vor allem der Politik der Mut.

Insbesondere die Rheindörfer sind beim ÖPNV abgehängt. Ohne Auto geht da wenig. Wie wollen Sie hier beim Kreis Wesel und der Niag mehr erreichen?

Dirk Haarmann: Der Kreis Wesel erstellt als zuständiger Aufgabenträger aktuell einen neuen Nahverkehrsplan, wo die bessere Anbindung der Rheindörfer und die Optimierung der Routen und Taktungen Thema sind.

Martin Scholz: Auch der ÖPNV muss auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger organisiert werden. Ich sehe den ÖPNV als eine Dienstleistung an und nicht als „Erziehungsinstrument“.

Jule Schmidt: Eine Bimmelbahn für Voerde. Das haben wir vor fünf Jahren schon gefordert. Ideal wäre es auch, nicht auf die Niag angewiesen zu sein, da stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis leider nicht. Und mit sich reden lassen die Leute der Niag auch nicht bzw. fehlen die Einsicht und scheinbar der Wille, etwas zu ändern.

Werden Sie sich als Bürgermeister/-in dafür einsetzen, dass Voerde einen On-Demand-Verkehr bekommt? Und wenn ja, warum?

Dirk Haarmann: Ja, unbedingt. Der On-Demand-Verkehr schafft flexible Möglichkeiten der individuellen Nutzung des ÖPNV und bietet dem Betreiber Einsparpotenziale, die an anderer Stelle zur Optimierung verwendet werden können, denn es werden Leerfahrten reduziert.

Martin Scholz: Ja. Bei nahezu allen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern war dies das Thema. Besonders bei der jüngeren Generation, die grad nach Voerde zurückkehrt. On-Demand-Verkehre werden ja in vielen Städten bereits erfolgreich eingesetzt. Wir müssen, wie gesagt, offen sein für alle Mobilitätskonzepte.

Jule Schmidt: Ein On-Demand-Verkehr wäre bei unserem Stadtbild gar keine so schlechte Idee. Dadurch, dass wir verschiedene Ortszentren haben, ist eine gute und bezahlbare ÖPNV-Anbindung schwierig, da haben es Städte mit einem einzelnen Zentrum natürlich leichter.