„Du hast keine Ahnung, von dem, was die gerade erzählen“ – mit diesen Worten beschreibt Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) ihre ersten Tage im Amt. Bei einem Besuch auf dem Gelände der Firma Soepenberg auf Einladung der CDU Hünxe erklärte sie, wie sie sich das Vertrauen der Landwirte erarbeitet hat.

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Ihr Weg zur Einarbeitung in die landwirschaftlichen Themen: Raus aus dem Ministerium und ab auf die Höfe, Gespräche führen mit den Landwirten, sich alles zeigen lassen, Fragen stellen und sich ihre Probleme und Anmerkungen anhören. „Egal in welches Gespräch ich gehe: Ich habe immer Hinweise von Landwirten zu den Themen mit dabei“, sagt Silke Gorißen.

Landwirte zurückhaltend bei Investitionen

Mit den Landwirten den direkten Austausch suchen, dazu sollte auch beim Besuch in Hünxe Zeit sein. Zunächst stellte die Ministerin jedoch in einem kleinen Überblick die Themen vor, die ihrer Ansicht nach gerade viele Landwirte beschäftigen. Zum einen sei dies eine fehlende Planungssicherheit gewesen. Landwirte hätten sich in den vergangenen Jahren gezögert, größere Summen in ihre Betriebe zu investieren. „Das ist vor allem noch da passiert, wo ein Hofnachfolger da war“, schildert Silke Gorißen.

Oft hätten die Landwirte in der Vergangenheit damit zu kämpfen gehabt, dass sich Regularien schnell veränderten. „Da hatte man gerade einen Stall umgebaut und konnte schon wieder neu planen“, fasst die Ministerin das Problem zusammen. Dabei entstehen schnell Kosten in Millionenhöhe. „Da kann ich nachvollziehen, wenn viele Landwirte da auf der Bremse stehen“, sagt sie. Mit der neuen Bundesregierung soll es jetzt einen Bestandsschutz von 20 Jahren für Tierwohlställe geben.

Pflanzenschutz ohne Ideologie betrachten

Das zweite große Thema sieht Silke Gorißen beim Pflanzenschutz. Hier habe es seit 2019 eine „ideologische Politik“ gegeben, die Zulassung neuer Pflanzenschutzmittel verhindert hätte und eine „Misstrauenskultur“ gegenüber Pflanzenschutzmitteln sei gewachsen, erklärt die Ministerin.

Diese würden aber gebraucht, da immer neue Schädlinge auftreten, die gegen bestehende Mittel resistent sind. „Ohne Pflanzenschutz können wir auch keine Erträge erzielen“, erklärte die Ministerin. Hierzu sei sie schon mit der EU im Austausch, die an dieser Stelle für die Vorgaben zuständig ist.

Bürokratie als Problem bei der Hofnachfolge

Als drittes wichtiges Thema sieht Silke Gorißen allerdings beim Thema Bürokratie. „Das ist bei vielen Betrieben die größte Sorge und das größte Thema“, erklärt die Ministerin. Gerade junge Landwirte würden sich oft wünschen, mehr bei Tieren und auf dem Acker zu sein, als Daten einzuspeisen. „Das ist oft ein Sargnagel bei den Betrieben“, erklärt Gorißen.

Das ist oft ein Sargnagel bei den Betrieben.

Silke Gorißen, Die NRW-Landwirtschaftsministerin sieht im bürokratischen Aufwand einen Grund für viele Schließungen von landwirtschaftlichen Betrieben.

Eine Liste mit fast 200 Vorschlägen für den Bürokratieabbau sei in Kooperation mit anderen Landwirtschaftsministerien auf Länderebene entwickelt worden. „Es werden Daten erhoben, die sich niemand mehr anschaut“, erklärt Silke Gorißen. Teilweise würden auch Daten doppelt erfasst oder solche angefordert, die nach EU-Gesetzgebung nicht verlangt werden. 40 Abbauvorschläge seien derzeit schon in der Umsetzung. „Das ist ein dickes Brett. Da ist noch viel zu tun“, sagt sie.

Fragen der Landwirte an die Ministerin

Die Fragen der Landwirte vor Ort sind sehr konkret: Ob es nicht einen Zuschuss vom Land für eine Dürreversicherung geben könnte möchte einer wissen? Warum man Grünland nach fünf Jahren umarbeiten muss lautet eine Frage und ob man beim Thema Landwirtschaft nicht auch in der Republik mal gleich Verhältnisse schaffen müsste. Das mit dem Grünland „können wir auch nicht nachvollziehen“, erklärt die Ministerin dazu. Vor allem, weil hier ein negativer Effekt auf die Umwelt eintreten würde. Das sei eine Vorgabe der EU.

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Die Dürreversicherung hätte man schon mit einer Förderung angeschoben. Trotzdem seien hier einige Betrieb das Risiko eingegangen, diese nicht abzuschließen und damit Geld zu sparen. Ein Allheilmittel sei aber auch diese nicht. „Wir werden auch in der Pflanzenzucht viel Innovation brauchen“, sagt sie: Es bräuchte Pflanzen die resistenter gegen Schädlinge, Wärme und Sonneneinstrahlung sein müssen. „Der Klimawandel war schneller da, als wir es gedacht haben“, erklärte die Ministerin

Landwirte sollen Probleme kommunizieren

Schließlich rief die Ministerin die Landwirte dazu auf, Probleme über Institutionen oder auch direkt in Richtung Ministerium zu spielen. Auch das Büro des Landrates sei für Probleme auf lokaler Ebene oft ein guter Anlaufpunkt, merkte die Ministerin an, die vor ihrer Berufung ins Ministeramt als Landrätin im Kreis Kleve aktiv war. Am Ende blieb positive Stimmung vom Besuch der Ministerin zurück.