Früher abholen oder bis zum Nachmittag bleiben? Diese Frage beschäftigt viele Eltern von Grundschulkindern in Hünxe. Denn die Offene Ganztagsschule ist zwar ein schönes Angebot, hat allerdings starre Regeln, die eine Abholung erst nach 15 Uhr vorsehen. Das entspricht nicht immer den familiären Bedürfnissen. Dass es einen hohen Bedarf an Betreuung gibt, zeigt die Betreuungsquote von bis zu 70 Prozent an den Grundschulen, die deutlich höher liegt, als im Bundesdurchschnitt.

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Den Wunsch nach mehr Flexibilität vieler Eltern haben die beiden Bürgermeisterkandidaten Jan Scholte-Reh (SPD) und Michael Häsel (parteilos - unterstützt von CDU, Grünen, EBH und FDP) ebenfalls erkannt und präsentieren unterschiedliche Lösungsansätze.

Betreuung für Kinder von 8 bis 13 Uhr

Beide Kandidaten wollen parallel zur Offenen Ganztagsschule ein weiteres Betreuungsangebot schaffen, das von 8 bis 13 Uhr angeboten werden soll. Auch weil beide sehen, dass bei der OGS wahrscheinlich keine Flexibilisierung zu erwarten ist. „Eine Flexibilisierung der OGS ist durch den Landesgesetzgeber nicht vorgesehen“, erklärt Jan Scholte-Reh. „Wir können hier nur in Gesprächen mit Vertretern der Landesregierung auf die Probleme hinweisen und werden abwarten müssen“, ergänzt Michael Häsel.

Eine Flexibilisierung der OGS ist durch den Landesgesetzgeber nicht vorgesehen.

Jan Scholte-Reh, Der SPD-Bürgermeisterkandidat erklärt die Notwendigkeit eines parallelen Angebotes.

Einig sind sich beide darin, dass das zusätzliche Angebot eher eine Betreuung ist, als den Bildungsgedanken der OGS mit aufzugreifen. „Die OGS ist ein Bildungsangebot, während das parallele Angebot 8-13 eher eine verlässliche Betreuung darstellt“, sagt Jan Scholte-Reh. Damit wird es auch deutliche Unterschiede zum OGS-Angebot geben: „Die Kinder können in der Zeit spielen, können ihre Hausaufgaben selbstständig machen und werden in dieser Zeit beaufsichtigt“, stellt sich Michael Häsel dieses Angebot vor.

Jan Scholte-Reh hat hier noch weiterreichende Ideen: „Darüber hinaus kann ich mir auch ergänzende Bausteine vorstellen, wie eine gezielte Kooperation mit Vereinen, um Kindern am Nachmittag Angebote machen zu können“, erklärt er.

Kosten für Zusatzangebot müssten Eltern tragen

Beide Kandidaten sind der Ansicht, dass sich eine ergänzende Betreuung zur OGS über Elternbeiträge tragen müsste, im Gegensatz zur OGS, deren Kosten über Landesmittel teilweise mitfinanziert werden. Wie hoch genau diese Beiträge ausfallen könnten, kann keiner der Kandidaten voraussagen.

„In der flexiblen Betreuung gibt es kein zusätzliches Bildungsangebot wie in der OGS, die Kosten für Personal, Räume und Organisation fallen aber trotzdem an. Deshalb machen viele Kommunen keinen Beitragsunterschied zwischen OGS und flexibler Betreuung“, erklärt Jan Scholte-Reh. „Mir ist wichtig, dass Beiträge gerecht bleiben. Ich will an der einkommensabhängigen Staffelung festhalten. So zahlen Familien mit niedrigerem Einkommen weiterhin wenig oder gar nichts“, betont er. Ob es für das Angebot dann einen niedrigeren Beitragssatz geben soll, als für die OGS, würde er gerne mit Eltern, Schulen und dem OGS-Träger beraten. „Außerdem möchte ich prüfen, ob Förderprogramme des Landes oder Bundes – etwa im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets – ergänzend genutzt werden können.“

Michael Häsel geht ebenfalls davon aus, dass ein ergänzendes Angebot „als eigenes Betreuungsmodell abgerechnet werden muss durch Elternbeiträge.“ Zu konkreten Beitragsmodellen verweist Häsel auf bestehende Lösungen in anderen Kommunen. „Beide Betreuungsangebote werden separat abgerechnet. Hier kann man sich die bestehenden Formate in den Kommunen angucken und gegebenenfalls übernehmen“, sagt er. In den von ihm beispielhaft genannten Kommunen Rhede und Rees zahlen alle Eltern gleich viel für die Übermittagsbetreuung. Hier liegen die Kosten allerdings teils deutlich unter denen für die OGS (bei 25 bzw. 54 Euro im Monat).

Grundsätzlich an den Hünxer Grundschulen machbar

Michael Häsel geht davon aus, dass seine Idee der „Schule von 8 bis 13 Uhr“ an allen Schulstandorten umsetzbar wäre: „Die Anforderungen an die Räumlichkeiten sind gering und können in Absprache mit den Schulleitungen an allen Standorten umgesetzt werden“, erklärt er. „Auch ist hier der Bedarf an Fachpersonal geringer, da hier keine Hausaufgabenbetreuung usw. sichergestellt werden muss.“

Die Anforderungen an die Räumlichkeiten sind gering und können in Absprache mit den Schulleitungen an allen Standorten umgesetzt werden.

Michael Häsel, Der parteilose Bürgermeisterkandidat, der von CDU, Grünen, EBH und FDP unterstützt wird, schätzt, dass ein Zusatzangebot gut umgesetzt werden könnte.

Jan Scholte-Reh sieht das Thema generell im Zusammenhang mit der Schulentwicklung. „Wir investieren gerade in die Ausstattung der Grundschulen. In Bruckhausen steht eine grundlegende Sanierung an, und in Drevenack gibt es bereits Mehrzweckräume, die für flexible Modelle genutzt werden könnten“, sagt er.

Grundsetzlich sehen aber beide Kandidaten den Bedarf, die räumlichen Gegebenheiten an den Grundschulen anzupassen, um dem Bedarf an Nachmittagsbetreuung gerecht zu werden. „Wir brauchen nicht unbedingt neue Gebäude, sondern mit einem klugen Raumkonzept und der Mehrfachnutzung von Räumen, lässt sich Vieles schon auffangen“, merkt Jan Scholte-Reh dazu an.

Eltern und Träger sollen mitgenommen werden

Eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung eines neuen Konzeptes sehen beide Kandidaten bei den Eltern. „Ich möchte dieses Angebot mit den Schulleitungen und dem Träger der OGS besprechen. Im Anschluss können wir eine Bedarfsabfrage bei den Eltern durchführen“, erklärt Michael Häsel. „Natürlich muss der Rechtsanspruch OGS sichergestellt werden und wird weiterhin den größten Teil ausmachen.“

„Mir ist wichtig, dass die Elternbedürfnisse die Grundlage unserer Entscheidungen sind“, betont Jan Scholte-Reh und weist daraufhin, dass die angekündigte Elternbefragung zu dem Thema auf einer Initiative der SPD Hünxe zurückgeht. „Für mich darf es aber nicht bei dieser einen Befragung bleiben. Ich möchte, dass wir regelmäßig den Bedarf abfragen und die Ergebnisse evaluieren. Nur so können wir sicherstellen, dass die Betreuung in Hünxe wirklich zu den Lebensrealitäten der Familien passt.“

Beide Kandidaten betonen, dass an dieser Stelle auch ein Austausch mit der Diakonie als OGS-Trägerin wichtig ist. „Es soll eine Erweiterung der Zusammenarbeit geben und auch die Erweiterung des Betreuungsangebotes durch die Diakonie durchgeführt werden, damit Synergien gehoben werden können“, betont Michael Häsel. Jan Scholte-Reh lobt die Arbeit der Diakonie im Bereich der OGS. „Das Fachpersonal denkt nicht nur finanziell oder organisatorisch, sondern vor allem pädagogisch – dieser Praxisblick ist für mich zentral, wenn wir über Flexibilisierung oder neue Modelle sprechen“, erklärt er.

Mehr Flexibilität für Eltern

Generell ist also zu erwarten, dass es in nicht allzu ferner Zukunft ein Zusatzangebot zur bisherigen Betreuung in der OGS geben wird, ganz gleich, wer die Bürgermeisterwahl gewinnt. Zumindest, wenn das von der Hünxer Elternschaft so gewollt wird. Bis dahin müssen allerdings noch alle Beteiligten einige Gespräche führen und Entscheidungen treffen: Eltern, Schulen, Träger und natürlich auch die Kinder.