Für die Veranstalter der Rheinkirmes, dem St. Sebastianus-Schützenverein, und auch für die Stadt Düsseldorf steht das am Freitag (14. Juli) startende Volksfest unter besonderen Vorzeichen. Immerhin findet die größte Kirmes am Rhein in diesem Jahr zum 125. Mal auf den Oberkasseler Rheinwiesen statt. Dies ist jedoch nicht das einzige Jubiläum, das auf dem Festgelände gefeiert wird. Denn das älteste Fahrgeschäft des Rummels ist in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden: die Raupenbahn.

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Etwas versteckt befindet sich die Attraktion im südlichen Bereich der Rheinkirmes, direkt neben dem Uerige-Zelt und in der Nähe des Riesenrades. Und wenn man genauer hinsieht, sieht man, dass sie schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, in der besten Art und Weise: Alte Motive erstrahlen am Saum der blauen Überdachung, die Schilder sind im alten Schriftstil geschrieben. Die mit rotem Stoff bezogenen Sitze machen den gepflegten Retro-Look perfekt. Und doch würde man ihr das genaue Alter nicht ansehen.

Rheinkirmes: Schausteller-Paar betreibt Raupenbahn seit rund 40 Jahren

„Ich mache das jetzt knapp 40 Jahre und in der dritten Generation mit meiner Frau Stefanie“, erzählte Schausteller und Raupenbahn-Betreiber Peter Buchholz während des jährlichen Presserundgangs am Donnerstag (16. Juli). Stefanies Großvater hat das Fahrgeschäft in den 1940er Jahren erstanden, Baujahr ist 1926. Peter steuert die Fahrten, sie selbst hat das erste Mal bereits mit 13 Jahren im Kassenhäuschen der Raupenbahn gesessen, damals noch mit ihrem Vater. Bis heute schmeißt einzig sie das Kassenhäuschen, wie sie der NRZ bereits vor einem Jahr berichtete.

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Wie Peter Buchholz erklärte, sind noch rund „60 Prozent“ der Originalbauteile erhalten geblieben. „Aber natürlich nagt auch hier etwas der Zahn der Zeit. Wir müssen immer auf den neuesten Stand sein, aber viele Bauteile konnten wir erhalten.“ Die Technik blieb über all die Zeit die gleiche. Die Raupe wird auch heute noch per Hand gesteuert, der Strom über ein Salzwasserbecken geleitet. So setzen sich auch in diesem Jahr die 24 Wagen der Raupe in Bewegung, um groß und klein eine wilde Sause zu bereiten.

Die Raupenbahn: Ältestes Fahrgeschäft auf der Rheinkirmes in Düsseldorf
Die Raupenbahn sorgt auf der Rheinkirmes in Düsseldorf für großen Nostalgie-Faktor.© NRZ | Helena Wagner

Mit neun Umdrehungen pro Minute ist die Raupenbahn eher gemütlich unterwegs. Genau das richtige also für alle, die es weder hoch noch schnell oder über Kopf mögen, wie Buchholz erklärt. Der Gästeansturm sei über die Jahre jedoch ein Auf und Ab gewesen: „Da waren Höhen und Tiefen - genau wie die Bahn fährt.“

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Rheinkirmes Düsseldorf: Gäste der Raupenbahn können sich für die Fahrt Musik wünschen

Das Prinzip bei einer Mitfahrt des ältesten Fahrgeschäft der Rheinkirmes ist simpel: Man zieht ein Ticket (für 4 Euro) und genießt anschließend die hügelige Fahrt im Kreis. Wer will, kann sich Musik wünschen. Die Auswahl der Interpreten und Lieder, die zur Auswahl stehen, ist etwas für Nostalgiker und vor allem für Fans von Rock ’n’ Roll. Passend für die Raupenbahn. „Es gibt nur alte Musik. Wir sind da sehr gut aufgestellt und machen noch Musik mit Platten. Da sind Platten aus den 30er- und 40er-Jahren dabei.“ Unter anderem gibt es Musik von Legenden wie Elvis Presley, Little Richard, Chuck Berry. „Das sind Sachen, die von unseren Gästen immer gerne gehört werden.“

Die Raupenbahn: Ältestes Fahrgeschäft auf der Rheinkirmes in Düsseldorf
Die Raupenbahn ist mit 100 Jahren das älteste Fahrgeschäft auf der Rheinkirmes in Düsseldorf. Betrieben wird sie von Peter und Stefanie Buchholz (Foto).© NRZ | Helena Wagner

So entsteht ein wilder Mix an musikalischer Untermalung während der Fahrt. Wenn sich niemand einen Song wünscht, „dann läuft das, was mir gefällt. Am liebsten Musik aus den Siebzigern“, so Stefanie Buchholz vor einem Jahr. Das Wünsch-Dir-Was gefällt allen Gästen gut, wie sie merkt: „Ich hatte letztes Jahr eine ältere Dame hier sitzen. Sie hatte noch so einen Spaß am Fahren, hat sich sogar ein Lied gewünscht. Ich konnte nicht anders als zu fragen, wie alt sie ist. Sie sagte, sie sei 94 Jahre alt.“ Mittlerweile bezeichnet sie die Dame als eine Freundin.

Die Raupenbahn: Ältestes Fahrgeschäft auf der Rheinkirmes in Düsseldorf
Jede Krone ist ein Unikat: Das Ehepaar Buchholz hat extra einen Maler engagiert, der die Motive noch mit Pinsel malt. © NRZ | Helena Wagner

Auch geheiratet wurde auf der Raupe schon. „Einmal befand sich direkt neben dem Markt ein Standesamt. Das Brautpaar hat nach der Trauung eine Runde im Brautkleid und Anzug gedreht, Fotos wurden auch geschossen“, erinnert sie sich. „Mein Mann hat dann das Lied ‚Ich möcht‘ auf deiner Hochzeit tanzen‘ gespielt.“ Sie und ihr Mann haben die eigene Hochzeit aber nicht auf dem Fahrgeschäft gefeiert.

Familiengeschäft auf Rheinkirmes: „Guck Papa, ist das nicht schön?“

Sie kennt ihren Mann schon, seitdem sie 15 Jahre alt ist. Die Liebe kam etwas später. Auf die Frage, wie lange sie schon ein Paar sind, antwortet sie: „Schon mein ganzes Leben lang.“ Als Stefanie Buchholz 18 war, im Jahr 1983, starb ihr Vater. Das berührt sie bis heute sichtlich. Im Kassenhäuschen hängt ein Foto von ihm. „Manchmal bekomme ich abends einen Kloß im Hals. Dann braucht es nur ein Lied und ich sitze hinter der Kasse und weine.“ Jeden Tag müsse sie an ihren Vater denken. „Er ist immer hier. So, wie er das Geschäft damals machte, bekomme ich es einfach nicht hin“, gibt sie zu.

Schon als Kind habe sie an der Raupenbahn viel Zeit mit ihrem Vater verbracht. Und er wäre stolz, wenn er das Geschäft heute sehen könnte: „Als wir in München standen, ging ein kleiner Traum in Erfüllung. Er hat immer gesagt, dass wir es irgendwann bis nach München schaffen. Dann denke ich: Guck Papa, ist das nicht schön?“, sagt sie sichtlich berührt.

Raupenbahn durchlebte schwierige Zeiten

Die Achtziger Jahre waren folgend nicht nur eine schwere Zeit für die Familie, sondern auch für die Raupe. Der Breakdance kam, und mit dem neuen Fahrgeschäft eine der größten Konkurrenten der alten Raupenbahn. „Du musst mithalten, es geht nicht nur mit alt“, merkt Stefanie an. Deshalb wurde gestrichen, neue Illustrationen gezeichnet, doch der Charme der Raupe blieb immer erhalten. Ein Bild zeigt die Kinder des Ehepaars, beide im Alter von drei Jahren. Das Mädchen hat ihren Finger in ihre Nase, der Junge neben ihr schaut verträumt. So sind auch die Kinder des Ehepaars Buchholz immer mit dabei.

Die Raupenbahn: Ältestes Fahrgeschäft auf der Rheinkirmes in Düsseldorf
Peter und Stefanie Buchholz haben ihre Kinder auf der Raupenbahn verewigt: Das Bild zeigt ihren Sohn und ihre Tochter im Alter von drei Jahren. © NRZ | Helena Wagner

Was passiert, wenn sie und ihr Mann das Geschäft einmal nicht mehr führen können, will sich die 61-Jährige nicht ausmalen: „Da mag ich noch gar nicht dran denken. Wir haben immer gesagt, wenn es mal lächerlich wird, hören wir auf.“ Was dann mit der Raupenbahn passiert, steht noch in den Sternen, denn ihre zwei Kinder werden die Bahn wahrscheinlich nicht weiter unterhalten: „Am liebsten wäre es mir, sie könnte einfach in ihrem Winterquartier, schön zusammengepackt im Anhänger, stehen bleiben. Ich könnte es nicht aushalten, den Laden bei jemand anderem zu sehen.“

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Dass die Raupenbahn in diesem Jahr ihr 100. Jubiläum feiert, sei für Peter Buchholz und seine Frau jedenfalls etwas besonderes: „Es erfüllt mich mit sehr viel Stolz, dass wir dieses Fahrgeschäft schon so lange betreiben können.“ Vor allem weil die Schaustellerei „ein wildes Geschäft“ sei. „Da braucht man Herzblut für“, stellt der Betreiber des ältesten Fahrgeschäftes der Rheinkirmes klar. (mit dpa)