Ein tropisches Inselparadies ist die Rather Straße in Düsseldorf-Derendorf nun nicht. An der dichtbefahrenen Straße warten statt Palmen und Sandstrand graue Laternen und noch gräulicherer Asphalt. Und dennoch versteckt sich an diesem unscheinbaren Ort ein kleines Stück tropische Inselkultur. Konkret bei Mauritius Kitchen, dem Vernehmen nach Deutschlands einzigem mauritischen Restaurant.

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„Wir machen hier authentische mauritische Küche“, sagt Betreiber Arnaud Madelon. Das „Wir“ ist in diesem Fall jedoch eher ein „Ich“. Denn der 47-Jährige kocht, kellnert und kassiert – die meiste Zeit über – ganz alleine. Nur ab und zu würde seine Tochter ihm aushelfen, erzählt er.

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Seit sechs Monaten hat sein Restaurant geöffnet. Geboren ist er auf Mauritius, im Alter von drei Jahren zog es seine Familie jedoch von der kleinen Insel östlich von Madagaskar nach Düsseldorf. Er sehe sich deshalb selbst als ein „Kind Düsseldorfs“.

Mauritius Kitchen in Derendorf: Betreiber ist eigentlich Mobilfunkverkäufer

Sein Berufsleben startete Madelon als Mobilfunkverkäufer, daran verging ihm aber vor Kurzem die Lust: „Ich habe so lange für andere gearbeitet. Irgendwann dachte ich: Jetzt versuchst du etwas Eigenes.“ Kochen konnte er schon, und so kam ihm die Idee eines eigenen Restaurants. Mit der Zeit entwickelte sich daraus ein konkreter Plan. Ahnung davon, wie man ein Restaurant betreibt, hatte er nicht. Das nötige Wissen holt er sich bei Freunden und Bekannten.

Bei seinen Recherchen stellte er schnell fest, dass es in Deutschland kaum bis keine authentischen mauritischen Restaurants gibt: „Es gibt Restaurants mit ähnlichen Namen, aber nicht mit unserer Kultur und Küche. Ich glaube, ich bin aktuell der Einzige.“

Es gibt Restaurants mit ähnlichen Namen, aber nicht mit unserer Kultur und Küche. Ich glaube, ich bin aktuell der Einzige

Arnaud Madelon, Inhaber des „Mauritius Kitchen“ in Derendorf

Sein Lokal – welches früher einmal eine Pizzeria war – habe er eigenständig umgebaut. Die Wände zieren traditionelle mauritische Instrumente wie die Ravanne, ein wichtiges Instrument des Tanzmusikstils „Sega“. An der Decke hängt die rot-blau-grün-gelbe Flagge des Inselstaates. Und auch Dodo, das ausgestorbene Nationaltier der 1,2 Millionen Einwohner-Insel, ist an mehreren Stellen der Räumlichkeiten zu entdecken.

Mauritius Kitchen in Derendorf erlebt nach Besuch einer Düsseldorfer Influencerin großen Andrang

Diese betreten wir bei unserem Besuch an einem Dienstagmittag als einzige Gäste. Das sei mittlerweile jedoch die Ausnahme. Seit eine bekannte Düsseldorfer Food-Influencerin auf sein Restaurant aufmerksam gemacht hat, erfahre er zu den Stoßzeiten am Abend einen großen Andrang: „Vergangenen Samstag kamen über zwanzig Leute auf einmal und wollten alle gleichzeitig essen.“ Das bringe ihn selbst mit Unterstützung seiner Tochter an seine Grenzen. Deshalb wolle er bald Personal einstellen. 

Auch für die Küche. Bis dahin kocht Madelon jedoch noch alles alleine. So rührt er bei unserem Besuch nebenbei drei große Töpfe an. „Früher habe ich nur einen gebraucht, wegen des Andrangs mache ich jetzt immer drei.“ Lange wolle er das nicht mehr alleine machen, sagt er.

Chinesisch, Indisch, Europäisch: Madelon erklärt die Vielfalt der mauritischen Küche

Was da auf seinem Herd vor sich hinsimmert, seien authentische mauritische Gerichte. Authentisch heißt in diesem Fall ein bunter Mix an kulinarischen Einflüssen: „Mauritius ist sehr vielfältig – und genau das spiegelt sich im Essen wider.“ So fänden sich, parallel zur Bevölkerung der Insel, indische, chinesische und europäische Einflüsse.

Mauritius ist sehr vielfältig – und genau das spiegelt sich im Essen wider.

Arnaud Madelon, Inhaber des „Mauritius Kitchen“ in Derendorf

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Beispielsweise köchelt auf seinem Herd ein Curry. 1:1 identisch mit dem indischen Pendant sei es aber nicht: „Unsere Gewürzmischungen sind anders als bei Indern“, erklärt Madelon.

Auch das wohl bekannteste mauritische Gericht „Dhal Pouri“ entspringt ursprünglich der indischen Küche. Das Fladenbrot mit Spalterbsen würde man auf der Insel an jeder Straßenecke bekommen – ähnlich wie einen Döner in Deutschland. Das Schmorgericht „La Daube“ hingegen bringt französischem Einflüsse mit sich und wird mit Lamm, Rind, Hähnchen oder Fisch zubereitet.

Kein klassisches à la carte: So funktioniert das Mauritius Kitchen

Auch Madelon bietet Dhal Pouri und La Double an – allerdings nicht klassisch à la carte. Stattdessen gibt es jeden Tag wechselnde Grundlagen: „Mal mache ich Reis, mal Nudeln – und mal Dhal Pouri.“ Kombinieren lässt sich das mit einer Auswahl an Fleisch, Gemüse und seinen Saucen wie dem Curry, La Double oder „Rougaille“, einer mauretanischen Tomatensauce. Preislich bewegen sich die Hauptgerichte zwischen 14 bis 18 Euro. Rougaille mit Dahl Pouri und Hühnchen kostet beispielsweise 14,50 Euro.

Dhal Pouri, Rougaille und Co. machten das Restaurant schnell zu einem Treffpunkt seiner Landsleute: „Mauritianer kommen aus allen Ecken – ich war überrascht, wie viele hier leben, auch schon in zweiter Generation.“ Viele Gäste seien gezielt angereist, weil sie diese Küche sonst nirgends finden: „Im ersten Monat kamen schon Gruppen aus Essen, Duisburg und anderen Städten.“