Es ist bereits der dritte „Spaziergang“, den die AfD in der Düsseldorfer Innenstadt durchgeführt hat. Diesmal ging es nach Little Tokyo. Der Selbstdarstellung nach, um auf eine „Parallelgesellschaft“ hinzuweisen, „die tatsächlich gelungen, willkommen und kulturell bereichernd ist“. Gemeint ist Japanische Community, die so vereinnahmt werden soll. 25 AfD-Sympathisanten zogen mit einer großen japanischen und einer kleineren Deutschlandfahne durch das Viertel.

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Mehrere hundert Polizisten waren angereist, Beamtinnnen und Beamte aus ganz NRW mussten herangezogen werden. Etwa 300 Gegendemonstranten versammelten sich vor der Johanneskirche, entlang der abgesperrten Strecke und im Anschluss vor dem Bürgerhaus Bilk, wo die AfD eine Veranstaltung abhielt.

Düsseldorf: Breites Gegenbündnis mobilisiert Widerstand

Während der AfD-Tross sich unter Polizeiabschirmung bereit machte, gab es auf der anderen Seite der Johanneskirche Lieder, Kaffee und Kuchen. Auch OB Keller gab sich die Ehre. Er sagte, Düsseldorfs Stärke bestünde gerade darin, dass Menschen unterschiedlichster Kulturen hier zusammenkommen und arbeiten. Es sei inakzeptabel, Minderheiten gegeneinander auszuspielen: „Menschen nach ihrer Herkunft einzuteilen ist Rassismus – und wird von uns nicht toleriert.“

Bei früheren AfD-Märschen hatte der OB nicht gesprochen. Dass er es ausgerechnet jetzt tat, wo es um das touristisch interessante „Little Tokyo“ ging, wurde von vielen angemerkt. Einige Demonstranten gaben zu verstehen, dass sie ihn gern auch vor drei Wochen in Oberbilk gesehen hätten. Ex-Ratsherr Martin Volkenrath von der SPD meinte, der OB sei da „schon recht selektiv“.

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Grundsätzlich waren sich aber alle einig, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn der Rathauschef auftritt und dem rechten Rand eine klare Absage erteilt. Volkenrath sagte, es sei natürlich mühselig, immer wieder solche kleineren Aktionen zu organisieren, doch es sei wichtig. Die Kundgebung an der Johanneskirche hatte das Bündnis Düsseldorfer Appell organisiert. Die Initiative „Düsseldorf stellt sich quer“ (DSSQ) stellte die spätere Veranstaltung vor dem Bürgerhaus Bilk auf die Beine.

Der AfD-Zug verschwindet hinter den flankierenden Polizisten

Als sich die 25 Rechten schließlich in Bewegung setzen, wurde es laut. Auf der Gegenseite. Dabei waren die „Spaziergänger“ kaum zu erkennen. Sie gingen zwischen den weit zahlreicheren Polizisten fast unter. Der Tross wurde so gut wie möglich isoliert.

Der Protest war von kreativen Schildern geprägt („AfD-Wählen ist sooooo 1933“) und vielseitig. Düsseldorferinnen und Düsseldorfer aller Altersgruppen waren unterwegs. Aus den Reihen der AfD traten immer wieder Männer hervor, die Gegendemonstranten fotografierten.

Gegen Ende der Aktion kam es zu einer kurzen Konfrontation. Die anwesenden Polizisten mögen eine Eskalation verhindert haben. Gegenüber der NRZ zog die Polizei ein positives Fazit: keine nennenswerte Vorkommnisse. Es habe zwar Blockaden gegeben, die habe man aber „elegant umschifft“.

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Dass die Polizei sich eher zurückhaltend zeigte, war im Vorfeld nicht von allen erwartet worden. Beim letzten AfD-Aufmarsch in Oberbilk wurde auch unser Reporter vor Ort gewaltsam von der Polizei angegangen – und das trotz Legitimation als Journalist. In „Little Tokyo“ war die Polizei kooperativ.

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Und es waren dem Vernehmen nach auch nicht unbedingt alle davon begeistert, einen „Spaziergang“ schützen zu müssen, der in dem Wissen um Gegendemonstrationen organisiert wurde. Praktisch für die AfD: Sie sparen sich dadurch die Kosten für einen eigenen Sicherheitsdienst.

Und so gaben die „Spaziergänger“ zu verstehen, dass sie sich als Opfer sehen. So beklagt AfD-Ratsherr Marco Vogt per Megafon, dass ein so „großer Polizeieinsatz“ nötig sei, um einen „harmlosen Spaziergang“ zu schützen. Einige bedankten sich ostentativ bei den Einsatzkräften.

Düsseldorfer AfD in „Little Tokyo“: Streamerin sendet live

Unter den Afd-lern war auch die rechte Streamerin Sandra Gabriel. Gabriel hat einen Livestream hochgeladen. Der Titel: „AfD Rundgang & Antifa GEGENDEMO 💥 Düsseldorf Stadtbild Spaziergang - Eskaliert es? 😱“. Zwischen Gabriel und Gegendemonstranten kam es immer wieder zu Wortgefechten. Auch dabei: Dennis Busch aus der Bezirksvertretung Garath-Hellerhof. Außerdem der stellvertretende AfD-Ratsfraktionsvorstand Vogt. 

In Bilk fand sich die AfD zu einem Vortrag von Michael Klonovsky zusammen. Einem Publizisten, der meint, Polen habe den Angriff Nazideutschlands provoziert. Klonovsky ist nach eigener Aussage Redenschreiber mehrerer AfD-Bundestagsabgeordneter.

Ein völlig unverhältnismäßige Polizeiaufgebot für so eine kleine Veranstaltung.

Maxi Lykissas , Sprecher von „Düsseldorf stellt sich quer“

Als die AfD schließlich unter Polizeischutz in Bilk ankam, hatten sich auch dort bereits Gegendemonstranten versammelt. Für DSSQ-Sprecher Maxi Lykissas war die Gegendemo ein Erfolg: „Es war ein dynamischer und breiter Protest.“ Es sei auch gut, dass OB Keller gesprochen hat: „Das zeigt, dass viele Menschen in Düsseldorf die AfD und ihr rechtsextremes Gedankengut nicht akzeptieren.“

Seine Freude darüber, dass es den Gegendemonstranten sechsmal gelungen war, den Zug zu zu verzögern, verbarg er nicht. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt allerdings: „Das völlig unverhältnismäßige Polizeiaufgebot für so eine kleine Veranstaltung.“

In Düsseldorf viel mehr Gegendemonstranten als AfD-„Spaziergänger“

Die Zahlen sprechen für sich: die AfD konnte 25 Menschen mobilisieren, die andere Seite kam auf 300. Bei den Gegendemonstranten wurde getanzt, gesungen und ein paar Clowns gab es auch, die mit kreativem Protest den Polizisten ein bisschen auf der Nase herumtanzten.

„Gute Laune gegen Faschismus“, fasste Lykissas die Motivation zusammen. Doch die Lage sei ernst: „Die AfD versucht weiter, sich zu normalisieren. Aber darauf haben wir keinen Bock.“ Und allem Anschein nach gilt das für viele Menschen in Düsseldorf.