Die Eltern zünden sich erst einmal eine Zigarette an, Entspannung zieht ein in den Raucherbereich vor dem Düsseldorfer Terminal. Familie Weijers (Vater, Mutter, zwei Teenager-Kinder) aus den Niederlanden ist schon wieder zurück aus dem Urlaub. Das Quartett macht ein Päuschen, bevor es weiter zum Auto und dann ins heimische Nimwegen geht. „Wir waren in der Türkei und haben 3000 Euro bezahlt“, sagt Frau Weijers, mehr persönliche Details will sie hier lieber nicht lesen.

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Der Preis ist von einem Schnäppchen etwa soweit entfernt wie Antalya von Düsseldorf. Zwar hatte die Familie ein tolles Hotel mit Vollverpflegung, ist aber nur sieben Nächte geblieben. „Das ist zu teuer für eine Woche“, findet Mutter Weijers, den Rollkoffer in Richtung Parkhaus schiebend. 6000 Euro für zwei Wochen Türkei, das ist aktuell ein üblicher Preis, wie später im Reisemarkt des Flughafens zu erfahren sein wird.

Urlaub wird immer teurer

Reisende müssen für ihren Urlaub deutlich mehr Geld einplanen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verteuerten sich Flüge ins Ausland in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 8,5 Prozent. Besonders tief müssen Passagiere für Verbindungen innerhalb Europas in die Tasche greifen, wo die Preise sogar um 11,5 Prozent nach oben kletterten.

Flughafen in Düsseldorf
Mirko Plumanns aus Eupen reist mit Ehefrau und Sohn Tiago nach Ägypten. Den Preis von 2900 Euro für neun Tage finden sie „okay“. © FUNKE Foto Services | Gerd Wallhorn

Auch bei organisierten Reisen setzt sich der Aufwärtstrend fort. Für Pauschalreisen ins Ausland bezahlten Verbraucher im ersten Halbjahr durchschnittlich drei Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders betroffen waren beliebte Sonnenziele wie Ägypten mit einem Plus von 5,2 Prozent sowie die Kanarischen Inseln mit 4,6 Prozent. Auf den Balearen mussten Urlauber für entsprechende Angebote 3,6 Prozent mehr bezahlen.

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Hunderttausende fliegen ab Düsseldorf in die Ferien

Am Düsseldorfer Terminal herrscht das für den Freitag vor den Sommerferien übliche Gewusel, es geht aber noch recht entspannt zu. Den größten Andrang rund um den Ferienstart erwartet der Airport erst am Sonntag (19. Juli). Insgesamt heben an diesem Wochenende 220.000 Menschen in Düsseldorf ab. In der Schlange vor dem Einchecken steht Familie Schmitz aus Mönchengladbach. Sie, das heißt Vater Salah, Mutter Tatjana und Sohn Milan (9), freuen sich schon sehr auf den Urlaub in Ägypten.

Und, wie teuer ist die Tour? „.2500 Euro für zehn Tage“, sagt Salah und schiebt nach, dass er das für ziemlich teuer hält. Vor einem Jahr seien sie sogar zu Viert gewesen und hätten für zehn Tage Teneriffa 2000 Euro bezahlt. Vermiesen lässt sich das Trio seine Urlaubsfreude aber keinesfalls. Es seien Ferien, man habe etwas dafür zurückgelegt, gespart wird an und in den schönsten Wochen des Jahres keinesfalls.

Flughafen in Düsseldorf
Teurer Urlaub: Reiseprofi Reda Abdel Hamid rechnet mit 100 Euro pro Person und Urlaubstag.© FUNKE Foto Services | Gerd Wallhorn

„Wer soll das noch bezahlen?“, fragt auch der Mitarbeiter in Reisemarkt

Das Gegenteil von Gewusel findet sich ein Stockwerk höher auf dem Reisemarkt des Flughafens. Ein gutes halbes Dutzend Reisebüros breitet ein gewaltiges Angebot aus. Potentielle Kunden: Fehlanzeige. Es ist wirklich niemand da, der eine Reise buchen möchte. Am Schalter der Dertour-Filiale „airport 1“ sitzt Reda Abdel Hamid (58), 30 Jahre Erfahrung als Reiseverkehrskaufmann. Wie teuer ist sie im Schnitt, die Familien-Flugreise auf der Mittelstrecke für zwei Erwachsene, zwei Kinder mit Flug, Transfer und Hotel mit Halbpension? „6000 Euro“, sagt Hamid ohne jedes Zögern. „Die Preissteigerung ist enorm, ich weiß nicht, wer das noch bezahlen kann.“

Und dennoch: Die aktuelle Leere in der Reisebüro-Etage täusche, das Geschäft laufe gut, rund um die Ferien kämen viele Familien zum Buchen direkt an den Flughafen. Ein bis zwei Wochen Vorlaufzeit gebe es in der Regel. Dass jemand mit Koffer kommt und gleich los will, passiert eher selten. „Das würde sogar klappen, wenn man denn morgens kommt und womöglich auch ab Köln abheben könnte.“

Abstriche, um unter 6000 Euro für den Familienurlaub zu bleiben, beobachtet Hamid bei so manchem seiner Kunden. „Sie fahren dann nur neun statt 14 Tage, nehmen nicht das Hotel am Strand, sondern eines weiter hinten oder fliegen von einem anderen Flughafen, etwa Münster/Osnabrück oder Frankfurt aus.“

Statistik: Vier Millionen konnten sich keinen Urlaub leisten

Mehr als vier Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen haben sich laut amtlicher Statistik im vergangenen Jahr keine einzige Woche Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände leisten können. Das hat das Landesamt für Statistik mitgeteilt. Das entspreche 23,1 Prozent der Bevölkerung und liege damit über dem Bundesdurchschnitt von 20,9 Prozent. Besonders betroffen waren den Angaben zufolge Alleinerziehende: Fast die Hälfte von ihnen und ihren Kindern (46,8 Prozent) lebte in Haushalten, die sich eine Woche Urlaub nicht leisten konnten. 

Bei Menschen mit geringer Qualifikation lebten 39,9 Prozent in Haushalten ohne finanziellen Spielraum für eine einwöchige Urlaubsreise. Bei Hochqualifizierten lag der Anteil bei 10,5 Prozent, bei Personen mit mittlerem Bildungsniveau bei 21,3 Prozent. Die Angaben beruhen auf der europäischen Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen durch eine amtliche Befragung, den sogenannten Mikrozensus. Als Urlaubsreise zählt dabei auch ein Aufenthalt bei Freunden oder Verwandten oder in einer eigenen Ferienunterkunft. dpa

Eine Etage weiter unten steht derweil die dreiköpfige Familie Plumanns in der Schlange am Schalter. Auch sie zieht es nach Ägypten, Preis: 2900 Euro für neun Tage im fünf-Sterne-Hotel mit Vollverpflegung. „Der Preis ist okay, verglichen mit der Fernreise nach Mexiko, die wir vergangenes Jahr gemacht haben“, sagt Mirko Plumanns. Die drei aus dem belgischen Eupen freuen sich schon auf Meer und Pool, das Hotel kennen sie bereits von einer vorherigen Reise. Und auch sie wollen im Urlaub nicht sparen. „Dafür arbeitet man ja, man lebt nur einmal.“

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Preissteigerungen haben sie alle erlebt - und auch bezahlt

Preissteigerungen haben alle befragten Familien erlebt und auch anstandslos bezahlt. So hat eine vierköpfige Familie aus Essen für eine identische Reise nach Ägypten im Vorjahr 4000 Euro bezahlt, dieses Jahr waren 4500 Euro fällig. Warum hat sie das mitgemacht? „Es ist einfach schön da.“

Reda Abdel Hamid ist aus seiner Mittagspause zurück am Reisemarkt-Schreibtisch und schaut nach Angeboten für die Sommerferien. Was können Sie anbieten? Nach längerem Klicken durch ausgebuchte Angebote ein erster Treffer. Zwei Wochen Mallorca, drei Sterne, Playa de Palma, 3964 Euro. „Das Hotel kann ich nicht empfehlen.“ Weiter geht‘s auf die Familieninsel Menorca. Hier gibt es was für 5000 Euro, allerdings nur mit Frühstück und ohne Flughafentransfer. Sein Tipp: Das beste Preis-Leistungsverhältnis biete aktuell die Türkei.

Sein Resümee zum Familienurlaub: „Auch wenn ich an der Quelle sitze, ich könnte es mir nicht leisten...“