Samstagabend auf der Rheinkirmes. Auch am vorletzten Tag des großen Düsseldorfer Volksfestes zieht es wieder zehntausende Menschen auf die Rheinwiesen. Es ist voll, laut, die Stimmung ist vielerorts ausgelassen – auch wenn der Andrang nicht an den von Freitagabend herankommt, als die zweite Drohnenshow und das Feuerwerk Hunderttausende anlockten. Während Achterbahnen fahren, Karusselle sich drehen und Fahrmaschinen die Kirmesbesuchenden durchschütteln, herrscht unter der Oberkasseler Brücke in einem kleinen, gekühlten Raum entspannte Professionalität.

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Hier, umringt von rund einem halben Dutzend Monitoren, zwischen Übersichtskarten des Kirmesgeländes, sitzen eine Handvoll Ehrenamtliche im Einsatzleitwagen der Leitstelle des Deutschen Roten Kreuzes. Sie organisieren die rund 30 Sanitäterinnen und Sanitäter, die an diesem Samstag an drei medizinischen Anlaufstellen der Kirmes stationiert sind – insgesamt sind es rund 320 über die zehn Kirmestage. Alle Informationen laufen hier zusammen und von hier aus zu den Ersthelfenden, die zum Teil aus ganz Deutschland an den Rhein gereist sind, um eine sichere Rheinkirmes zu ermöglichen – und das fast alle als unentgeltliches Ehrenamt.

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„Die Letzten, die abends vom Platz gehen“: So arbeitet das DRK auf der Rheinkirmes

Einer von ihnen ist Miles Knorr. Der 33-Jährige übt seit 15 Jahren sein Ehrenamt beim DRK aus. Es ist seine zweite Rheinkirmes, daneben ist er auch für die Bergwacht unterwegs und für das Rote Kreuz der Landeshauptstadt. „Neben Überzeugung und Idealismus ist es auch das Gemeinschaftsgefühl, das uns Ehrenamtliche hier zusammenbringt“, spekuliert er. „Für uns ist das auch irgendwo ein Event“, erklärt seine Kollegin Cornelia Becker. Und für viele angereiste Ehrenamtliche ist es eine Möglichkeit, auf einer so großen Veranstaltung auch etwas zu lernen.

„Neuer Einsatz angelegt“, verkündet in diesem Moment eine digitale Stimme. Das sei das Zeichen, dass entweder vonseiten der Feuerwehr oder durch seine Kolleginnen und Kollegen ein Vorfall an die mobile Leitstelle herangetragen wurde. Der nächste Schritt sei es dann, einen EVT auszusenden. Die Abkürzung steht für „Erstversorgertrupp“. „Manchmal haben wir Stunden, da haben wir 20 Einsätze, manchmal ist es ein Einsatz in acht Stunden“, beschreibt Knorr die kaum vorhersehbaren Arbeitstage. Deswegen sei eine gute Vorbereitung wichtig, genauso wie die Personalplanung. Diese allein startet zwei bis drei Monate vor Kirmesbeginn, so Becker. Sicher sei dabei immer nur eines, so Knorr: „Wir sind die Letzten, die abends vom Platz gehen.“

Becker führt uns durch das „Hauptquartier“ des DRK unter der Oberkasseler Brücke. Neben der mobilen Leitstelle befindet sich hier ein aus Containern bestehender Ruhe- und Behandlungsraum. Sechs Betten stehen hier. Die beiden Außenstellen – eine nahe der Anlegestelle zur Kirmesfähre, die andere am Südende des Geländes nahe der Rheinkniebrücke – verfügen jeweils über ein Bett. Während unseres Rundganges sind die Betten tatsächlich alle unbesetzt. Noch verlaufe der Abend ruhig, so Becker. Doch natürlich füllt sich das Kirmesgelände weiter. Auf Nachfrage erinnert sich eine hier stationierte Sanitäterin an einen kurzen Zeitraum, in dem alle Betten hier gleichzeitig belegt waren. „Aber das hat sich schnell wieder entspannt“, so die Ehrenamtlerin.

Es gibt ja noch bekloppte Menschen, die was Gutes tun

Aussage einer Rheinkirmes-Besucherin gegenüber den Ehrenamtlichen

Rheinkirmes in Düsseldorf: Sanitäter müssen eine Person reanimieren

Am häufigsten haben die DRK-Sanitäter mit Fällen von übermäßigem Alkoholkonsum, gestürzten Kirmesbesuchenden und in diesem Jahr den Auswirkungen der Sommerhitze zu tun. „Das ändert sich von Jahr zu Jahr nicht übermäßig“, so Becker. Jedoch gebe es immer wieder Besonderheiten, wie vor einigen Jahren, als es besonders viele Insektenstiche zu behandeln gab. Und natürlich das vergangene Jahr. Der Feuerwerksunfall mit zahlreichen Verletzten bleibt für die Ehrenamtlichen des DRK ein absoluter Ausnahmefall. „Wir konnten damals schnell reagieren und als Ersthelfer vor Ort sein“, erinnert sie sich. Der Status als Ehrenamtliche sollte nie darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei den DRK-Kräften um eine gut ausgebildete Truppe handelt. „Wir bilden hier vor Ort ja auch den Katastrophenschutz“, ergänzt Becker.

Daneben sticht auch die „jährliche Reanimation“ heraus, wie es eine Sanitäterin ausdrückt. Für derartige Notfälle darf dann auch ein Notdienstwagen auf das Kirmesgelände einfahren. Sonst ist das aus Sicherheitsgründen verboten. Im Normalfall transportieren die EVTs Personen, die nicht alleine laufen können, mit geländegängigen Tragen zu den Versorgungspunkten.

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Sanitäter auf der Düsseldorfer Rheinkirmes: Einsatzkräfte aus ganz Deutschland im Einsatz

Am Südende der Kirmes befindet sich der DRK-Versorgungspunkt „Verwaltung“ – so genannt wegen der Nähe zum Standort der Kirmesleitung. Hier begehen gerade Jan Lethen und Niklas Lucks ihre zweite Schicht auf der diesjährigen Rheinkirmes. Die beiden gehören zum DRK in Kempen und zu den Ehrenamtlichen, die in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Rheinkirmes sind. Für die beiden, deren Einsätze auf Großveranstaltungen meist Konzerte in Mönchengladbach umfassen, stellt die Rheinkirmes eine ganz eigene Größenordnung dar. „Aber ohne dass es Stress ist“, erklärt Lethen. „Wir sind ja schließlich als Trupp unterwegs.“

Dennoch sei eine Millionenveranstaltung wie die Rheinkirmes etwas Besonderes, betont Lucks. Auch weil man hier mit Teams aus ganz Deutschland zusammenarbeite. Teilweise kämen die Kolleginnen und Kollegen aus Hessen und sogar Bayern. Manche würden angefragt, andere bäten um die Möglichkeit, die Rheinkirmes mitzubetreuen. In diesen Momenten zeigt sich wieder die Idee, dass die DRKler ihr ganz eigenes Event auf den Rheinwiesen abhalten – aber eben zum Wohle aller Besuchenden. „Viele vergessen oft, dass wir unentgeltlich hier sind“, betont ein langjähriger Ehrenamtler und erinnert sich an die Aussage einer Frau: „Es gibt ja noch bekloppte Menschen, die was Gutes tun.“