Am Montag sind sicher besonders viele E-Mails und Telefonate im Büro des Duisburger Oberbürgermeisters eingegangen – darunter auch Anfragen von Redaktionen aus ganz Deutschland: Das Interesse der Hauptstadtjournalisten dürfte wohl nur zweitrangig dem guten Ergebnis Sören Links bei der Duisburger OB-Wahl gegolten haben. Überregionale Aufmerksamkeit erhielt vielmehr, was Link der Bild-Zeitung am Wahlabend zum Kurs der SPD gesagt haben soll.

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Das Boulevardblatt schrieb: „Duisburg-OB Link geht auf eigene Partei los“. Link habe mit Blick auf das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten auch bei diesen Wahlen gesagt, der SPD-Kurs „scheint nicht zu passen“. Das knackige Zitat in der Überschrift: „Habe keine Lust, verarscht und beschissen zu werden“. Dieses bezog sich allerdings nicht direkt auf seine Partei.

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Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link: „Habe keine Lust, verarscht und beschissen zu werden“

Link erklärt: „Ich bin Mitglied der Partei der Arbeit geworden, bin für soziale Gerechtigkeit. Ich habe keine Lust, verarscht und beschissen zu werden. Das ist aber genau das, was da passiert.“ Der OB meint den teilweise organisierten Sozialbetrug in Duisburg, gegen den er seit Jahren mit mehreren Instrumenten ankämpft. Link, so der Bild-Reporter, erkläre seinen Wahlerfolg mit den Razzien der Stadt, etwa im „Weißen Riesen“, und seinem Klartext zu Problemen bei der Zuwanderung.

Links Erfolg bei der Persönlichkeitswahl ist einer der wenigen Lichtblicke für die Sozialdemokraten an Rhein und Ruhr. Der 49-Jährige, seit 2012 im Amt, muss zwar gegen AfD-Kandidat Carsten Groß (19,71 %) in die Stichwahl, gewann aber im ersten Wahlgang trotz der Konkurrenz von zehn Gegenkandidaten fast 46 Prozent der Stimmen.

Damit kann er sich über ein deutlich besseres Ergebnis freuen als die Duisburger SPD – wobei diese mit 32,59 Prozent Stimmenanteil das NRW-weit drittbeste SPD-Ergebnis verbuchte (das zugleich das zweitschlechteste ihrer Geschichte ist). Im ganzen Land allerdings verschlechterte sich die SPD bei den Kommunalwahlen um 1,2 Prozentpunkte auf 22,1 Prozent.

In Duisburg wurde Sören Link am Wahlabend von seinen Genossinnen und Genossen gefeiert.
In Duisburg wurde Sören Link am Wahlabend von seinen Genossinnen und Genossen gefeiert.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Link sagt im Bild-Gespräch über traditionelle SPD-Wähler, sie seien „die, die hart arbeiten und morgens früh aufstehen“. Im Streben nach Gerechtigkeit für diese Leute sei sein harter Kurs gegen Sozialmissbrauch durch Zugewanderte „absolut notwendig und richtig“. Der Reporter schlussfolgert: „Link beugt sich nicht dem linken Kurs der Bundes-SPD, will weiter Probleme z.B. in der Migration sowie bei Sozialthemen benennen und dagegen vorgehen.“

Link scheut sich nicht, über Probleme bei der Zuwanderung zu sprechen

Seit dem Wahlabend aber hat sich Sören Link trotz des mutmaßlich großen medialen Interesses an seinen Aussagen zum Kurs der SPD nicht mehr geäußert. Auch eine Interviewanfrage unserer Redaktion zum Thema lehnte seine Sprecherin ab.

Der OB will sich anscheinend auf seinen Wahlkampf konzentrieren. Es ist jedoch davon auszugehen, dass seine öffentliche Kritik in Berlin und Düsseldorf nicht von allen führenden Genossinnen und Genossen mit Freude aufgenommen wurde. Was wohl die Co-Vorsitzende und Arbeitsministerin Bärbel Bas aus Duisburg dazu sagt? Bei vielen Wählerinnen und Wählern dürfte Link dagegen gepunktet haben.

„Klare Kante – großes Herz“: So kämpft Sören Link in Duisburg um Wählerstimmen.
„Klare Kante – großes Herz“: So kämpft Sören Link in Duisburg um Wählerstimmen.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Er gehört seit Jahren zu den Wenigen in der SPD, die sich nicht scheuen, über Probleme mit der Zuwanderung aus Südosteuropa und Sozialbetrug zu reden. Meldekontrollen wie im Weißen Riesen inszeniert er medienwirksam, in der Verwaltung hat er eine Stabsstelle Sozialleistungsbetrug eingerichtet. Für das harte Vorgehen der Taskforce Problemimmobilien, bei dem meist bulgarische und rumänische Familien mit Kindern von jetzt auf gleich ihr Zuhause verlieren, steht Link regelmäßig in der Kritik, sieht sich sogar mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert.

„Ich sehe ihr Problem und es kotzt mich auch an“

Aber Link kümmert sich auch: Als 2024 in der AfD-Hochburg Neumühl Zuwanderer aus Südosteuropa illegal Häuser besetzten und die Nachbarn unhaltbare Zustände gegenüber unserer Redaktion beklagten, hörten Link und die SPD zu. Der OB sagte: „Ich sehe ihr Problem und es kotzt mich auch an.“ Danach folgte in Neumühl eine städtische Meldekontrolle nach der anderen. „Wir haben einen rechtsstaatlich gangbaren Weg konsequent verfolgt. Da ist jetzt Ruhe“, sagte Link vor der Wahl in einem Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Menschen sind dankbar, dass wir gehandelt haben.“

Ich brauche keine AfD, um Probleme in Duisburg zu erkennen und zu lösen. Wir hier in Duisburg haben das Thema seit Jahren auf dem Schirm

12.09.2025, Sören Link (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, spricht auf einer Veranstaltung der IG Metall.
Sören Link, Oberbürgermeister

Im selben Interview sagte Link, er „brauche keine AfD, um Probleme in Duisburg zu erkennen und zu lösen. Wir hier in Duisburg haben das Thema seit Jahren auf dem Schirm“. Auch da schon nahm er die SPD in die Pflicht:

„Würde mir wünschen, dass Volksparteien ihren Job richtig machen“

„Ich würde mir wünschen, dass gerade die Volksparteien SPD und CDU ihren Job richtig machen, für eine Mehrheit der Bevölkerung da zu sein, den Leuten zuzuhören. Wenn Zuwanderer sich integrieren und arbeiten, klappt das in Duisburg. Wenn Leute hierherkommen oder -gebracht werden ohne Perspektive auf Arbeit, läuft was schief. Wenn Integrationsbereitschaft nicht ausreichend vorhanden ist, muss das Konsequenzen haben.“

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Link spricht weiter ohne Angst über Integrationsprobleme, obwohl er in seinen 13 Jahren als Oberbürgermeister für einige Äußerungen auch heftige Kritik einstecken musste. „Ich hätte gerne das Doppelte an Syrern, wenn ich dafür ein paar Osteuropäer abgeben könnte“, sagte Link etwa 2015 auf einer Flüchtlingskonferenz der SPD in Berlin. Der Satz schlug Wellen. „Ich bedaure, dass ich für meine Botschaft in einer emotionalen Debatte nicht die richtigen Worte gefunden habe. Ich wollte durch meine Aussage niemanden persönlich treffen“, erklärte Link kurz darauf.

Zwei Jahre später sah er keinen Grund, sich bei der türkischen Gemeinde zu entschuldigen. Er hatte mit einem Zitat zu einem Tumult mit etwa 200 Menschen, ausgelöst durch eine Verkehrskontrolle der Polizei, gesagt: „Asozial bleibt asozial – egal aus welchem Land jemand stammt.“