In Duisburg werden mehr Grüne Halsbandsittiche als je zuvor gesichtet

Der Grund könnte ein neuer Schlafbaum der „Kö-Papageien“ in Krefeld sein

Hotspot der „Kleinen Alexandersittiche“ ist der Biegerpark – dort brüten sie sogar

An gedämmten Hausfassaden richten die Vögel teils großen Schaden an

Bis vor ein paar Tagen wusste Harald Schulze noch nicht, dass frei lebende Papageien durch Duisburg flattern. Dann erhielt er den Tipp, mal in den Biegerpark zu fahren, um leuchtend grüne Halsbandsittiche vor die Linse seiner Kamera zu bekommen. In der Grünanlage waren die Exoten am Samstagvormittag (17. Januar) dann bei etwa 10 Grad kaum zu übersehen und -hören. Harald Schulze beobachtete „mehrere Schwärme, geschätzt 15 bis 20 Tiere pro Schwarm. Es wimmelte nur so von Sittichen. Ich war selbst von der Menge überrascht“, sagt der Duisburger. „Man musste nur auf den richtigen Zeitpunkt warten, um den Auslöser zu drücken.“

Halsbandsittiche in Düsseldorf
Grüne Halsbandsittiche, die „Kö-Papageien“, fliegen von Düsseldorf binnen weniger Minuten nach Duisburg und Krefeld. (Archivbild)© picture alliance / Martin Gerten/dpa | Martin Gerten

Nachdem Harald Schulze seine Fotos in Duisburger Facebook-Gruppen gepostet hatte, meldeten andere Nutzer ebenfalls Sichtungen: aus Huckingen und dem Stadtsüden, aber auch aus Rheinhausen, Friemersheim, Rumeln-Kaldenhausen und Moers. Sogar in Walsum wurde demnach ein Exemplar beobachtet. Zwei Fachleute bestätigen: In der Population der rheinischen Grünen Halsbandsittiche ist gerade viel Bewegung, es gibt Neuigkeiten auch aus Duisburg zu berichten.

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Grüne Halsbandsittiche werden seit zehn Jahren in Duisburg gesichtet

Seit etwa zehn Jahren werden die hübschen Neozoen (siehe Infokasten) vereinzelt auch in Duisburg gesichtet, die erste Meldung auf ornitho.de, dem Internetportal für Vogelbeobachtungen und -bestandserfassungen, stammt aus dem Jahr 2018. Die Tiere sind Nachkommen von Kölner Gefangenschaftsflüchtlingen: Die auch als Kleiner Alexandersittich bekannte Art war und ist als preiswerter und pflegeleichter Hauspapagei sehr beliebt.

Diese Grünen Halsbandsittiche hat Harald Schulze am 17. Januar im Erholungspark Biegerhof (Biegerpark) in Duisburg fotografiert.
Diese Grünen Halsbandsittiche hat Harald Schulze am 17. Januar im Erholungspark Biegerhof (Biegerpark) in Duisburg fotografiert. © Leserfoto | Harald Schulze

Schon 1965 wurden die ersten frei lebenden Halsbandsittiche aus Köln gemeldet, seit 1982 fühlt sich die Art auch in Düsseldorf (fast) heimisch, weiß Tobias Krause, Ornithologe vom Naturschutzbund Düsseldorf. Fortgepflanzt haben sich hierzulande sowie in belgischen und englischen Großstädten Ausreißer der indischen Unterart (Psittacula krameri manillensis), die europäische Winter besser verträgt als die afrikanische Verwandtschaft.

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Im Sommer, wenn die Jungtiere ausfliegen, zählt die Düsseldorfer Population über 4000 Exemplare. Nachts versammeln sich jeweils bis zu 2000 an Schlafplätzen, der bekannteste Schlafbaum steht an der Königsallee. Tagsüber schwärmen die „Kö-Papageien“ zur Nahrungssuche aus. Ihr aufgeregt klingender Ruf kann in fliegenden Gruppen zu regelrechtem Geschrei ausarten.

„Die fliegen mit bis zu 60, 70 km/h, überholen Autos und überbrücken schnell 15, 20 Kilometer“, erklärt Krause, warum immer wieder auch Exemplare in Duisburg auftauchen. Von Düsseldorf aus brauchen die flinken Flieger nicht mal 20 Minuten bis in den Duisburger Süden.

In Krefeld haben die Sittiche jetzt auch einen Schlafbaum

Der Grund für den auffälligen Ansturm der Schnellflieger auf Duisburg in jüngster Zeit liegt möglicherweise nicht in Düsseldorf, sondern in Krefeld. „Dort gibt es jetzt auch einen Schlafbaum, der ist diesen Winter aufgefallen“, berichtet Tobias Krause. Etwa 300 Sittiche sollen dort allabendlich landen, um die Nacht wärmer und besser geschützt gemeinsam zu verbringen. Gut möglich, dass Trupps dieses neuen Sittich-Satelliten bei ihren Ausflügen häufiger durch den Duisburger Süden und Westen streifen als die der Düsseldorfer Schlafgemeinschaften.

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Zum Vergleich: „In Duisburg hatten wir bislang 40 Meldungen von Halsbandsittichen, in Krefeld 4452“, berichtet Tobias Rautenberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet im Landschaftspark. „Über viele Jahre gab es wenige Meldungen in Duisburg, in den letzten vier, fünf Jahren hat es zugenommen.“

Vor allem durch Parks und Alleen im Stadtsüden und -westen jagen die Vertreter der Papageienart – sie finden dort Früchte, Blüten und Knospen, und in den dickstämmigen Bäumen können sie verlassene Höhlen anderer Vögel ausbauen. „Der größte in Duisburg gemeldete Trupp bestand aus 15, 20 Tieren“, so Rautenberg. Aus der Innenstadt und dem Stadtnorden (Walsum) ist dagegen jeweils erst ein Tier auf ornitho.de gemeldet worden. Bei den Tieren könnte es sich gleichwohl um einzelne Ausreißer gehandelt haben – entflohene Haustiere.

Erste Pärchen nisten im Biegerpark

Nicht nur die jüngsten Facebook-Reaktionen deuten darauf hin, dass zurzeit deutlich mehr Halsbandsittiche in Duisburg unterwegs sind als in den Vorjahren. Denn im Biegerpark wurden 2023 das erste Mal nistende Exemplare beobachtet, erklärt Tobias Rautenberg. „Während der Brutzeit kehren die Tiere nicht zu den etablierten Schlafgemeinschaften zurück.“

Trotzdem überraschen die Beobachtungen von Harald Schulze aus dem Biegerpark den Vogelexperten der Biologischen Station: „Solch große Gruppen sind neu für Duisburg.“ Ob die Sittiche in den nächsten Jahren auch hier einen Schlafbaum gründen werden?

Solch große Gruppen sind neu für Duisburg

Tobias Rautenberg von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet im Landschaftspark-Nord.
Tobias Rautenberg, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet

Der Biegerpark jedenfalls ist zurzeit der Duisburger Hotspot für Sittich-Beobachtungen. Für alle Interessierten hat eine Anwohnerin einen Tipp: Zu sehen seien die Tiere meistens in der Mittagssonne, in den Eichen am Basketballplatz und den Tischtennisplatten. Der Weg dorthin: „In der Cramer-Klett-Straße parken, danach den Waldweg links entlang. So kommt man direkt zum Standort“, erklärt die Frau.

Halsbandsittiche richten Schäden an Hausfassaden an

Eine Bedrohung für heimische Vogelarten sehen die beiden Biologen in den tierischen Einwanderern nicht. „Sie besetzen eine ökologische Nische, die bei uns frei ist“, erklärt Tobias Krause. „Sie können sich zwar auch mal mit einem Star zanken, aber aus den anthropogenen Lebensräumen, die sie bevorzugen, verdrängen sie keine andere Art.“

Es ist vor allem der menschliche Großstädter, der sich vom indischen Federvieh gestört fühlt. In Düsseldorf ärgern sich besonders Fahrer teurer Autos und Einzelhändler der Königsallee über die Hinterlassenschaften der Sittiche, Anwohner beklagen vereinzelt das Dauer-Gekreische.

Ein Pärchen grüner Halsbandsittiche baut sich ein Nest in der Fassade eines Mehrfamilienhauses am Biegerpark.
Ein Pärchen grüner Halsbandsittiche baut sich ein Nest in der Fassade eines Mehrfamilienhauses am Biegerpark.© Leserfoto | Sabine Josten

Auch in Krefeld richten die Vögel allerdings immer häufiger Schäden an gedämmten Hauswänden an. Diese haben sie zum Leidwesen von Hausbesitzern als Reservoir für Nisthöhlen entdeckt. Sie kriechen durch kleine Löcher im Putz und bauen dahinter mit ihren starken Schnäbeln eine Höhle oder bauen Spechthöhlen aus. Die Sittiche entfernen oft große Mengen der Wärmedämmung.

Ein solcher Nestbau ist auch am Biegerpark bereits zu beobachten, berichtet Anwohnerin Sabine Josten. Sie hat ein Pärchen beobachtet, das sich in der Fassade eines Mehrfamilienhauses an der Gerberstraße einrichtet.

Viele Sittiche sterben im Winter

Die Population in und um Düsseldorf halbiert sich im Laufe eines Jahres, auch weil Habichte und Wanderfalken die gut sichtbaren Exoten jagen und Rabenkrähen und Eichhörnchen die Nester plündern. Auch harte Winter dezimieren den Bestand, so Krause: „Es ist und bleibt ein volltropischer Vogel, der nicht angepasst ist an extremen Frost. Den Tieren frieren hier schon mal die Füße weg.“

Großer Namensgeber, kleiner Sittich

Als Neozoen werden Tierarten bezeichnet, die unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein ihnen zuvor nicht zugängliches Gebiet gelangt sind und dort neue Populationen aufgebaut haben. Beispiele sind Kanada- und Nilgans, Nutria, Marderhund, Waschbär und der Amerikanische Flusskrebs.

Der Grüne Halsbandsittich wird auch „Kleiner Alexandersittich“ genannt, weil Alexander der Große die Art von seinen Feldzügen mit nach Europa gebracht haben soll. Der „Große Alexandersittich“, von dem etliche Exemplare in Wiesbaden frei leben, wird deutlich größer als sein Namensvetter. Die kleine Variante wird vom Schnabel bis zum Schwanz 30 bis 40 Zentimeter lang und 90 bis 120 Gramm schwer.

Halsbandsittiche sind durch ihr hellgrünes bis gelbliches Gefieder, den leuchtend hell- oder dunkelroten Schnabel und die roten Ringe um die Augen unverkennbar. Ihren deutschen Namen verdanken sie dem schwarzen Band am Kinn der Männchen, das am Hinterkopf in einen rosafarbenen Streifen übergeht.

Die Art brütet ab März oder April in Baumhöhlen, die oft von anderen Vogel- und Tierarten übernommen werden. Das Weibchen brütet in bis zu 28 Tagen zwei bis fünf Eier aus. Grüne Halsbandsittiche werden bis zu 20 Jahre alt.