Einhundert Jahre Leben – das durfte die Duisburgerin Else Keutsch am Donnerstag im Großenbaumer Seniorenheim Casa Mia feiern. 100 Jahre gefüllt mit Reisen, Verlusten, Freundschaften.

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In der liebevoll geschmückten Küche war der Tisch festlich gedeckt, Blumen standen bereit und es duftete nach Kuchen von Dobbelstein – da hat Else Keutsch früher gerne Kaffee getrunken, wie ihre Freundin und Pflegerin Sabine Becker-Klunder erzählt.

Sie war eine Sportlerin vor dem Herrn

Wolfgang Koschorek (74)

„Wir kennen uns seit 1960“, erzählt Wolfgang Koschorek (74). Damals wohnten ihre Familien in Bissingheim in einem Mietshaus der Bundesbahn. „Ihr Mann und mein Vater haben zusammen gearbeitet.“ Else Keutsch hatte einen Sohn in Wolfgangs Alter.

„Meine Mutter und Frau Keutsch waren seelenverwandt“, erzählt er. Seine Mutter sei mit 96 Jahren gestorben, sagt er, und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Aber Frau Keutsch hat noch einige Jahre vor sich.“

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Else Keutsch hat Schicksalsschläge erlebt, die ein Leben zerbrechen können. Ihr Mann starb mit nur 45 Jahren an Morbus Crohn, ihr Sohn mit 46 an derselben Krankheit. „Nach dem Tod ihres Sohnes dachten wir, sie bricht zusammen“, erinnert sich Koschorek. „Aber sie hat sich immer wieder aufgerappelt.“ Kraft fand sie im Sport. „Sie war eine Sportlerin vor dem Herrn“, sagt er. Fast täglich schwamm sie durch den Blauen See – einmal längs hindurch. „Das war ihr Ausgleich.“

Reiselust und Eigenständigkeit prägen das Leben der Duisburgerin

Auch Sabine Becker-Klunder kennt diese Energie. „Else wollte nie Medikamente nehmen und hat immer Sportübungen gemacht, um fit zu bleiben“, erzählt sie. Kennengelernt haben sie sich bei der Arbeit in einem Bekleidungsgeschäft.

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Else Keutsch reiste viel. Russland, Indien, China – selbst mit Anfang 80 war sie noch in Japan unterwegs. „Dort ist sie auch allein Bahn gefahren, ohne ein Wort Englisch zu sprechen. Das ist echt beeindruckend“, sagt Becker-Klunder. „So weit war ich noch nicht weg.“

Bis zu ihrem 96. Lebensjahr lebte sie noch in ihren eigenen vier Wänden. Erst 2022 kam sie wegen ihrer Demenz – die mittlerweile sehr weit fortgeschritten ist – ins Seniorenheim. „Vergangenen Sommer dachten wir, sie stirbt“, sagt Becker-Klunder. „Aber sie ist eine Kämpferin und hat einen sehr starken Willen.“

Else erkennt trotz Demenz einige ihrer Gäste

Auch wenn die Demenz vieles verschleiert – „sie hat noch lichte Momente“. So hatte sie an ihrem Geburtstag einen guten Tag. „Sie ist heute sehr interessiert und konnte auf vieles antworten“, sagt Wolfgang Koschorek. Einige Gesichter habe sie wiedererkannt.

Es seien sogar Menschen aus Hamburg nach Duisburg gereist, um mit Else Keutsch ihren 100. Geburtstag zu feiern. „Wenn jemand so weit anreist, dann hat sie etwas hinterlassen.“