Mit Pfiffen, Buh- und Pfui-Rufen sind am Montagnachmittag die 200 geladenen Gäste der Autobahn GmbH empfangen worden, die zum symbolischen Spatenstich mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) gekommen waren. Sie wollten in Duisburg-Meiderich, im Schatten der maroden Berliner Brücke, auf den Neubau des A59-Brückenzuges anstoßen. Der Brückenneubau ist in Duisburg zwar unumstritten – nicht aber, wie die Autobahn GmbH den Ausbau der Autobahn nördlich davon umsetzen will. Etwa 200 Demonstrierende machten an der Baustellenzufahrt an der Straße Kiffward mächtig Lärm, um gegen den A59-Ausbau in Hochlage zu protestieren.

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Neubau der Berliner Brücke in Duisburg: Bürgerproteste während der Feier unüberhörbar
Die Polizei riegelte das vom Duisburger Hafen gepachtete Gelände ab, auf dem die Autobahn GmbH und die Arbeitsgemeinschaft um Hochtief eine Baustellen-Zentrale einrichten. Die Demonstrierenden durften jedoch ein Spalier am Straßenrand bilden und empfingen jedes Auto lautstark.

Der Meidericher Bürgerverein hatte 80 Teilnehmer angemeldet. Drum freute sich auch Geschäftsführer Holger Fitzner, dass sich trotz der arbeitnehmerunfreundlichen Uhrzeit und der schlechten Erreichbarkeit mehr als doppelt so viele Bürger auf den Weg gemacht hatten: „Viele sind mit dem Fahrrad gekommen, nicht nur aus Meiderich und Hamborn, sondern sogar aus dem Duisburger Süden.“ Eine Karnevalskapelle spielte obendrein. Das Dauer-Pfeifkonzert mit Sirenen, Pauken und Ratschen war – trotz des Verkehrslärms unter der Autobahn – auch während der Feierstunde unüberhörbar.
Und Peter Dahmen, Vorsitzender des Bürgervereins, fand sogar Gehör beim Bundesverkehrsminister selbst. Schnieder nahm sich 15 Minuten Zeit für ein Gespräch, berichtete Dahmen: „Er hat sich alles angehört und gesagt, dass er sich auch nochmal mit unseren Argumenten auseinandersetzt.“
Bundesverkehrsminister Schnieder: „Vorzugsvariante erfüllt alle Kriterien“

Patrick Schnieder selbst erklärte einerseits, der Dialog mit den Bürgern sei ihm und dem Ministerium wichtig. Auch die fast 1000 neuen Einwendungen im Zuge der zweiten Offenlage würden im Planfeststellungsverfahren berücksichtigt. Andererseits verwies der Minister wie die Verantwortlichen der Autobahn GmbH darauf, dass alle Ausbauvarianten nach verkehrlichen, ökologischen, finanziellen und auch volkswirtschaftlichen Kriterien geprüft worden seien. Die Stadt Duisburg bestreitet dies und argumentiert, im Vergleich zur Hochtrasse sei ein überdeckelter Trog auf lange Sicht auch volkswirtschaftlich sinnvoller.
Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link hatte bei der Gegen-Pressekonferenz der Stadt im Vorfeld sinngemäß gesagt: Würde sich der Verkehrsminister vor Ort anschauen, welche Folgen die 50 Meter breite und 18 Meter hohe Hochautobahn für den Stadtteil und seine Menschen hätte, würde er die Pläne stoppen.

Konfrontiert damit, sagte Patrick Schnieder gegenüber unserer Redaktion, er sei auch ohne Ortsbesuch „mit den Ausbauplänen und dem Verfahren bestens vertraut“. Die Vorzugsvariante, der Ausbau auf Brückenbauwerken, erfülle „nach geltendem Recht alle Kriterien“. Zudem dürfe das Verkehrsministerium nicht in städtebauliche Maßnahmen investieren und sei zur Sparsamkeit verpflichtet. Mit dem Planfeststellungsbeschluss für den gesamten 6,7 Kilometer langen Ausbauabschnitt, rechne er noch 2026, so Schnieder.
Chef der Autobahn GmbH verspricht Anwohnern „Verbesserungen beim Lärmschutz“
Für den symbolischen Spatenstich und die obligatorischen Gruppenfotos hatte die Autobahn GmbH extra einen Sandhaufen ausgekippt, der dann doch etwas deplatziert wirkte. Schließlich laufen die Bauvorbereitungen bereits seit Januar, und seit vergangener Woche sind sogar schon vier der riesigen Bohrgeräte für Gründungsarbeiten im Einsatz.
In ihren Reden lobten Minister Schnieder und Dr. Michael Güntner, der Geschäftsführer der Autobahn GmbH, den schnellen Neubau der Berliner Brücke, obwohl insbesondere die Duisburger Wirtschaft und der Hafen seit Jahren auf diesen warten und die Brücke wegen „erheblicher Mängel an der Tragfähigkeit“ im Oktober 2024 für Lkw ab 40 Tonnen gesperrt werden musste.

Alte und neue Berliner Brücke
Die Berliner Brücke wurde 1963 von Willy Brandt (SPD) eingeweiht. Der spätere Bundeskanzler war damals Regierender Berliner Bürgermeister. Die veranschlagte Gesamtsumme für den Bau wurde laut Lokalpresse nicht überschritten: Die Brücke kostete 49.942.000 DM.
Der Auftrag für den Bau der ersten neuen Brückenhälfte hat einen Wert von 450 Millionen Euro. Diesen sicherte sich die Bietergemeinschaft um Deutschlands größten Baukonzern Hochtief. Der Arbeitsgemeinschaft (Arge) gehören Hochtief Infrastructure, SEH Engineering (Eiffage-Gruppe), Max Bögl, Plauen Stahl Technologie und Zwickauer Sonderstahlbau an.
Die Autobahn GmbH darf wegen einer vorläufigen Anordnung des Fernstraßen-Bundesamtes mit dem Bau der Berliner Brücke beginnen, obwohl für den gesamten Planungsabschnitt vom Kreuz Duisburg bis nach Marxloh noch kein Planfeststellungsbeschluss vorliegt.
Die Berliner Brücke sei in „einem kritischen Zustand“, sagte Güntner. Eine weitere Ablastung „wäre eine echte Katastrophe. Wir reduzieren mit dieser Investition das Risiko eines Totalausfalls massiv.“ Ab Herbst 2029 soll der Verkehr auf die neue Brückenhälfte umgeleitet werden. Güntners „Botschaft an die Meidericher und Hamborner“ zum Ausbau im Stadtnorden dürfte den Demonstranten wie Hohn und Spott in den Ohren klingen: „Der Ausbau wird spürbare Verbesserungen beim Lärmschutz bringen in Stadtteilen, die dem Lärm heute schutzlos ausgesetzt sind.“
Auch der Chef der Autobahn GmbH nutzte die Chance, auf die Tunnel-Wünsche der Duisburger einzugehen: „Wir haben alle Varianten intensiv geprüft.“ Der Tunnel sei „finanziell deutlich aufwendiger“ und „technisch nicht machbar“. Er würde „doppelt so lange“ dauern: „Diese Zeit haben wir nicht.“
Oberbürgermeister Link zum „Akt der Unfreundlichkeit“: „Wir waren nicht eingeladen“
Aussagen wie diese hätten Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link und viele Ratsleute wohl nicht unwidersprochen gelassen. Allerdings saßen sie während des Spatenstichs im Rat in der Mercatorhalle. Die Verantwortlichen der Autobahn GmbH hatten dem Verkehrsministerium, wohl unwissend, auch den Termin vorgeschlagen, der mit dem Sitzungsplan des Rates kollidiert. Zu diesem „Akt der Unfreundlichkeit“ behauptet OB Link zudem: „Wir waren auch nicht eingeladen.“
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Mario Korte, der bei der Autobahn GmbH die Niederlassung Essen leitet, bestreitet dies: „Ich finde es schade, dass es zu dieser Überschneidung gekommen ist, das war keine Absicht. Ich hätte die Vertreter der Stadt heute gerne hier gehabt.“
Auffällig: Unter den 200 Gästen aus Wirtschaft, Autobahngesellschaft und Behörden fehlten trotz der überragenden Bedeutung des Jahrhundertprojektes auch die Bundestagsabgeordneten der SPD und der Grünen, ebenso die Landtagsabgeordneten der SPD. Jule Wenzel, die für die Grünen im Landtag sitzt, mischte sich indes unter die Demonstrierenden. Neben dem CDU-Bundesminister durfte beim Spatenstich nur Petra Vogt, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Duisburger CDU, zur Schippe greifen. Zum Ausbau-Streit sagte sie: „Ein Tunnel wäre schön gewesen, aber wenn er nicht möglich ist, dann ist das so. Ich habe keine Signale bekommen, dass es dafür eine Finanzierung gibt.“






