Nein, ein Rezept, wie man gesund 100 Jahre alt werden kann, hat Ilse Feldhoff an ihrem runden Geburtstag zunächst nicht. Mit goldenem Krönchen im Haar und einer Schärpe sitzt die Jubilarin an diesem Freitag unter einem Rosenbogen und einer glänzenden 100 im Seniorenzentrum Stella Vitalis an der Jupiterstraße in Duisburg‑Walsum. Sie ist heute Hauptperson und lässt sich feiern.

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Fit, gut gelaunt, verschmitzt und elegant gekleidet hält sie einen Plausch, steht für jeden Gast auf und erzählt gerne über ihr Leben. Einen Tipp hat sie aber dann doch und ruft Freunden quer über den langen Tisch zu: „Hört keine Nachrichten und schaut nichts Politisches. Dann bleibt ihr gesund und werdet alt.“
Duisburgerin Ilse Feldhoff hat ihren 100. Geburtstag gefeiert
Sich von schlechten Informationen die Laune verderben zu lassen, damit hat sie keinen Vertrag. Sie besetzt mit ihrem sonnigen Wesen andere Felder des Lebens, die Spaß machen, und genießt das Leben mit viel Gelassenheit. Für sie ist es ein Tag in Rosa.
Die Leiterin Sozialer Dienst, Kathleen Richter, hat im Vorfeld ein langes Gespräch mit ihr geführt und eine Lektüre im DIN‑A5-Papierformat auf jeden Platz gelegt. So kann man in „100 Jahre Ilse Feldhoff. Eine besondere Lebensreise“ nachlesen, welch bewegtes Leben die Duisburgerin hinter sich hat.
Feier mit pinkfarbenen Luftballons und Luftschlangen
Nicht nur die Schrift ist ausgesprochen liebevoll gemacht, auch die Tisch- und Raumdeko verströmt viel Empathie. Mit pinkfarbenen Luftballons und Luftschlangen, rosa Servietten und kleinen, roten Herzchen wurde der Raum gestaltet. Mehr gefühlvolle Deko kann man sich nicht wünschen. Ja, früher war zumindest einiges doch besser. Wenn man die schlimmste Zeit ihres Lebens, den Zweiten Weltkrieg, ausklammert.
„Ich bin in Marxloh geboren und hatte eine richtig schöne Kindheit“, sagt sie und strahlt. „Damals gab es keine Autos, wir konnten auf der Straße spielen, das hat so viel Spaß gemacht“, betont die Jubilarin, und man sieht ihr an, dass diese Zeiten tiefe und positive Eindrücke hinterlassen haben.
Fritz, ihre große Liebe
Der Berufswunsch stand für sie immer fest: „Ich will Kindergärtnerin werden.“ Zielstrebig setzte sie ihren Traum um und fand nicht nur ihre Erfüllung, sondern auch ihren Traummann Friedrich, den sie liebevoll Fritz nannte.

Er arbeitete als Elektrosteiger im Bergbau unter Tage, musste vieles, was durch den Krieg kaputt oder beschädigt war, reparieren oder zumindest notdürftig zum Laufen bringen. Hier eine defekte Lampe, da eine verschmorte Steckdose. Lange ließ die Kindergärtnerin ihren Fritz zappeln – aber er wiederum ließ nichts unversucht und wurde schließlich erhört. Obwohl sie ihn von Anfang an richtig attraktiv fand.
Mit jungen 22 Jahren heiratete sie, Sohn Reinhard krönte ihre Liebe. Enkelin Anja und Enkel Björn sind an diesem Freitag zur großen Feier gekommen, so wie viele Verwandte und Freunde. Anja schenkte der Oma vor längerer Zeit ein Malbuch für Erwachsene.
Dankbarer und zufriedener Mensch
„Darüber freue ich mich immer noch, denn ich male absolut gerne“, verrät sie. „Ich esse jetzt auch etwas mehr. Im Krieg habe ich gelernt, wie wichtig Essen ist“, sagt die zierliche Dame. Denn sie war als Kind dermaßen dünn, dass ihre Mutter es mit der Angst zu tun bekam. Ansonsten ist sie, wie schon in jungen Jahren, immer noch gerne an der frischen Luft und einfach ein dankbarer, zufriedener Mensch.




