„Das Meisterstück“, sagt Magdalena Kerezova, als der Fotograf dieser Redaktion Schulleiter Silvio Husung freundlich darum bittet, einmal das Zeugnis zu halten. Hinter ihr schlendern ein paar Schüler in die Pause und stimmen sich langsam auf die Sommerferien ein.

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Auf die ist Kerezova zur Erholung nach ihrem Abschluss nicht mehr angewiesen. Mit der Traumnote von 1,0 und 825 Punkten hat die gebürtige Düsseldorferin in diesem Sommer ihr Abitur am Standort Hamborn der Gesamtschule Emschertal (GET) abgeschlossen – so erfolgreich wie keine andere Schülerin oder anderer Schüler an der Schule in den vergangenen Jahren.
Super-Abitur in Duisburg: Schülerin geht trotz 1,1 freiwillig in die Nachprüfung
Jedenfalls weiß Husung, der seit Herbst 2020 Schulleiter ist, von keinem anderen Abiturienten mit dieser Super-Abschlussnote. „Sie hat ja auch noch Nachschlag genommen“, erklärt der Schulleiter. Was er damit meint: Kerezova ging trotz ihrer Top-Leistungen tatsächlich in eine Nachprüfung, weil ihre Vornoten nach dem schriftlichen Abitur „nur“ auf einer Abschlussnote von 1,1 lagen. „Damit wollte ich mich nicht zufriedengeben“, sagt sie.
Also nahm Kerezova mit einer mündlichen Prüfung im Mathe-Leistungskurs noch einen Anlauf und sicherte sich die Null hinter dem Komma. Der Grund: Die 18-Jährige möchte unbedingt Medizin studieren und kann nun ein Stück sorgenfreier die Rückmeldung auf ihre Bewerbungen abwarten.

Duisburgerin geht ein Jahr zur Waldorfschule: „War eigentlich eine ganz spontane Idee“
„Ich bin der Meinung: Sie ist gerüstet für solch ein Studium“, sagt Husung. „Mit dem Ehrgeiz und dem Wissen, mit dem wir sie gut ausgestattet haben.“ Und mit ihrer „experimentierfreudigen Einstellung“, von der Husung spricht und die sich insbesondere durch ein Beispiel belegen lässt: Das achte Schuljahr hat Kerezova nicht an der GET verbracht, sondern an einer Waldorfschule in Gladbeck – komplett freiwillig.
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„Das war eigentlich eine ganz spontane Idee“, sagt die Jahrgangsbeste heute. „Ich war daran interessiert: Wie läuft das in einem anderen System? Ich habe eine große Neugier gespürt, einfach alles auszuprobieren.“ Die Zeit sei „sehr spannend“ gewesen. Kerezova konnte sich künstlerisch austoben, tanzte Gedichte. „Und was ich sehr geliebt habe: Ich habe viel Zeit auf der Bühne verbracht.“
Große Ohrringe und hohe Schuhe in der Schule
Eine Aussage, die die 18-Jährige bestens beschreibt. Die, die von sich selbst sagt, dass sie eine „kleine Labertasche“ sei und „nicht die typische Leistungsträgerin“ – mit ihren großen Ohrringen und den hohen Schuhen, die man schon von Weitem über den Schulflur gehört habe.
Sie spielt Klavier, spielte fünf Jahre lang Violine, machte Karate und steht gerne auf der Bühne und vor der Kamera – zuletzt noch bei der Moderation des Abiballs. „Mitschüler aus den Stufen unter mir sind auf mich zugekommen und haben mir erzählt, dass es ihnen so viel Mut macht, dass ich es schaffe, alles unter einen Hut zu bringen“, sagt Kerezova, die immer ein Lächeln auf den Lippen hat.

„Die halbe Miete ist, wenn man im Unterricht viel versteht“: Super-Abiturienten „liebt“ Mathe
Mit ihrem Auftritt versprüht die Abiturientin Zuversicht und Spaß an so ziemlich allem, was sie macht. Und wirkt dabei nicht aufgesetzt, sondern authentisch. Ihr Lerngeheimnis: „Wenn man will, dann findet man in jeder Sache seine Freude – sogar bei einem Fach, das vielleicht nicht so spannend ist“, erklärt die 18-Jährige.
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Vielen anderen fällt genau das schwer – besonders in Mathe. Kerezova nicht. „Ich liebe Mathe“, sagt die Abiturientin, die als weitere Abi-Fächer Pädagogik (LK) und Deutsch und Englisch (beide Grundkurs) gewählt hat. „Die halbe Miete ist es, wenn man schon im Unterricht viel versteht. Dann hat man deutlich mehr Freizeit.“
Intensive Klausur-Nachbesprechungen: Kerezova bedankt sich bei geduldigen Eltern
Dazu habe sie eine nette Stufe, die „immer hinter mir stand“, und „sehr geduldige Eltern“ gehabt. „Sie haben sich immer die Zeit genommen, mir zuzuhören, wenn ich nach einer Klausur jedes Detail erzählen wollte. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Kerezova ist multikulturell aufgewachsen: Ihre Mutter kommt aus Polen, ihr Vater aus Bulgarien. Sie sei sehr christlich erzogen worden, sei Katechetin und habe bei jeder Klausur einen Rosenkranz und eine heilige Kerze dabeigehabt: „Das hat mir sehr geholfen.“

Auch der christliche Glaube könnte eine Rolle bei der Motivation für das Medizinstudium spielen. Sie möchte sich positiv in die Gesellschaft einbringen und den Menschen etwas zurückgeben, sagt Kerezova.
Duisburgerin wünscht sich für Studiumsstandort schöne Altstadt
„Unabhängig davon, ob ich später in die Forschung gehe oder eher etwas Praktisches machen werde, möchte ich den Menschen helfen können, mit dem, was mir liegt“, erklärt die Super-Abiturientin, die noch in Neumühl wohnt. Als Standort für ihr Studium könnte sie sich vor allem mit Aachen, Münster oder Marburg anfreunden. In der kommenden Woche erwartet sie die ersten Rückmeldungen. „Ich wünsche mir eine gemütliche Stadt – mit einer schönen Altstadt, nicht zu groß, nicht zu klein, mit viel studentischem Leben“, sagt Kerezova.
Sie hatte immer ein Ziel vor Augen. Das ist das, was man bei einigen Abiturienten vermisst. Manche wissen gar nicht, warum sie ein Abitur machen, sondern machen es einfach. Magdalena weiß genau, was sie will und immer wollte.
Silvio Husung, Schulleiter der Duisburger Gesamtschule Emschertal
Aber auch Düsseldorf ist eine Option, immerhin ist sie im Uniklinikum geboren. Ihre Schulzeit an der GET wird sie aber nicht vergessen. „Wir hatten eine sehr tolle Stufengemeinschaft. Auf der einen Seite konnten wir sehr gut zusammenfeiern, auf der anderen Seite haben wir bis zur letzten Nachprüfung zusammen gelernt.“
Super-Abiturientin der Gesamtschule Emschertal: Schulleiter lädt sie ein
Und auch die Gesamtschule wird sie so schnell nicht vergessen – jedenfalls nicht Silvio Husung. „Wir laden sie auch gerne mal in die Oberstufe ein. Wenn sie sich vorn hinstellt, dürfte das den Schülern guttun, denen noch die Orientierung fehlt“, sagt der Schulleiter. Bei Kerezova war das nicht nötig. Husung beschreibt sie als ehrgeizig, nett und zuverlässig.
„Sie hatte immer ein Ziel vor Augen. Das ist das, was man bei einigen Abiturienten vermisst. Manche wissen gar nicht, warum sie ein Abitur machen, sondern machen es einfach. Magdalena weiß genau, was sie will und immer wollte.“ Ihr „Meisterstück“ und das Medizinstudium.
Abschluss in Duisburg: So viele Schülerinnen und Schüler waren Teil der Abiturjahrgänge
| Schulformen | weiblich | männlich | insgesamt |
| Gymnasium | 48 | 35 | 83 |
| Berufskollegs | 71 | 55 | 126 |
| Gesamtschulen | 412 | 378 | 790 |
| Weiterbildungskollegs | 12 | 6 | 18 |
Die Tabelle bildet die Anzahl der Schülerinnen und Schüler ab, die an Schulen in Duisburg Teil der Jahrgänge waren, die zum Abitur führen können. Zahlen dazu, wie viele Schüler davon tatsächlich zum Abitur zugelassen wurden bzw. angetreten sind, liegen der Bezirksregierung nicht vor, teilt eine Sprecherin mit. Grund für die vergleichsweise niedrigen Zahlen an Absolventen von Gymnasien ist die Rückkehr von G8 zu G9.







