„Hab ich was verpasst?“ Die ältere Dame stützt sich auf ihren Rollator und schaut etwas verdutzt. Kann man ihr nicht übel nehmen. Auf dem Averdunkplatz an der Duisburger Königstraße stehen gut 200 Menschen fein säuberlich aufgereiht. An einem Montagmorgen um 10 Uhr. Stehen da, trotzen dem Wind und den belustigten Blicken der Passanten, die schon verstanden haben, was hier passiert. Auch die Passantin muss grinsen, als sie eingeweiht wird. Der Nutella-Truck ist in Duisburg, es gibt Nutella-Produkte kostenlos. „Ach nee, du. Nee“, murmelt sie und rollt von dannen.

Die 200 aber bleiben, und das, obwohl der Nutella-Truck mit 20 Minuten Verspätung öffnet. Und da muss man dann den Hut ziehen, vor Nutella und dem Ferrero-Konzern. Der es geschafft hat, eine Haselnusscreme derart zu emotionalisieren und zu einem so nostalgischen wie alternativlosen Frühstücksstandard zu machen, dass die Leute vor den Augen der Welt – oder zumindest der Königstraße – für ein wenig Gratis-Nutella anstehen. Obwohl sie sich auch ein bisschen dafür schämen.
Duisburg liebt Nutella – nur drüber reden möchte keiner
Reden will mit der Presse nämlich kaum einer, und auf ein Foto schon mal gar nicht. Warum? Weil Nutella der Inbegriff eines „Guilty Pleasure“ ist, ungesund, voll mit Palmöl – aber für viele eben der kulinarische Anker einer unbeschwerten Kindheit. Betonung auf „viele“: Die Nutella-Crew ist nämlich ähnlich verdutzt wie die Passantin, als sie die Schlange vor ihrem Truck sieht, „mehr als in anderen Städten“, sind sich zwei Mitarbeiterinnen einig, „dass die Leute uns die Bude so einrennen, hätte ich nicht gedacht.“

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Aber hilft ja nichts, das Nutella muss an Mann und Frau. Und das geht ziemlich flott, einen Nutella-Donut und ein 25-Gramm-Gläschen Nutella gibt es für jeden. Und das war‘s. Keine E-Mail-Listen, keine Newsletter, keine Flyer, nur kostenloser Süßkram und ein QR-Code auf der Donut-Tüte. Nutella hat Marketing durchgespielt.

Sandra und ihrer Tochter Celina ist das herzlich wurscht. „Wir mögen halt Nutella“, sagen die beiden, mal nach den Gründen ihrer Anreise gefragt, „es sind Ferien und wir hatten noch nichts vor.“ Wasserdichte Logik.
Peter vom Nutella-Truck ist auch zufrieden, trotz initialer Überraschung ob des Andrangs. „Die Tour geht auf Social Media durch die Decke“, erklärt er sich die Menschenmassen, am Sonntag in Essen sei es im Ansatz ähnlich gewesen, am Dienstag in Bremen dann wohl auch. Aber jetzt ist erst mal Duisburg, und um Nachschub müssen sich die Duisburger jedenfalls keine Sorgen machen: „Wir haben zwei Tagesladungen dabei“, sagt Peter. Das reicht bis zum Ladenschluss um 19 Uhr. Da würde sogar die ältere Dame noch was bekommen. Wenn sie denn wollte.





