Die Bilder, die im Fernsehen von der Flutkatastrophe im Ahrtal zu sehen waren, waren schrecklich. Viele Menschen, auch aus Emmerich und Rees, wollten den Menschen vor Ort helfen. Darunter auch Christiane und Gerd Brüggemann aus Grietherbusch. „Uns war sofort klar: Hier helfen wir“, sagt Christiane Brüggemann.

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Das Ehepaar kam zu dem Entschluss, dass es sinnvoll wäre, handwerklich beim Wiederaufbau vor Ort mitzuhelfen. Gerd Brüggemann ist Schreiner und wollte sein Fachwissen einbringen, in dem Wissen, dass die Handwerker vor Ort knapp sein würden. „Wir haben vielen Freunden, Verwandten und Bekannten von unserem Vorhaben erzählt“, berichtet Christiane Brüggemann. Und sofort fanden sich viele freiwillige Helfer, um mit den beiden ins Ahrtal zu fahren oder mit Spenden die Menschen dort zu unterstützen. „Wir haben eine komplette Küche, Möbel, Geld und vieles mehr gespendet bekommen“, sagt Christiane Brüggemann. Allerdings blieb die Frage: Wer soll vor Ort unterstützt werden?
Familie mit hartem persönlichen Schicksal gefunden
Eine Familie ohne Elementarschutzversicherung sollte es sein. Das war den Brüggemanns klar. Durch eine Hilfsorganisation kam dann der Kontakt zur Familie Nguyen zustande. Thanh-Hoang und Brigitta Nguyen mit den Kindern Jacqueline und Vinzenz aus Marienthal an der Ahr waren von der Flutkatastrophe in einem besonderen Ausmaß betroffen.

Die Familie hatte sich ein altes Fachwerkhaus gekauft und mühsam in Eigenleistung renoviert. Das 65 m² große Heim in Dernau war für die vierköpfige Familie zu klein geworden. Jedes Wochenende arbeitete Hoang am Haus, um für seine Familie ein kleines Paradies zu schaffen. Die Familie freute sich schon über den Umzug in Richtung Marienthal. Endlich war die Renovierung fast abgeschlossen und der Einzugstermin war geplant – für Ende Juli 2021. Die Flutkatastrophe machte der Familie Nguyen einen Strich durch die Rechnung.
Im engen Dachboden auf das Überleben hoffen

Die Flutwelle kam am späten Abend. Als das Wasser ins Haus in Dernau eindrang, versuchten die Nguyens noch, die wichtigsten Dinge zu retten und ins Obergeschoss zu bringen. „Ich habe die Geldbörse und die Ausweisdokumente vergessen“, fiel Familienvater Hoang plötzlich ein. Doch als er noch einmal ins Erdgeschoss wollte, stand ihm dort das Wasser bereits zum Bauch. Hier war kein Durchkommen mehr, die Möbel umgestürzt, der Strom ausgefallen.
Und das Wasser stieg weiter, erreichte das Erdgeschoss. Für die Familie gab es nur einen Ausweg: nach oben. Sie brachen ein Loch in die Decke, retteten sich in den winzigen Dachboden. Und mussten dort die ganze Nacht ausharren, in der Hoffnung, dass das Haus nicht zusammenbricht. Irgendwann schafften es die vier aus dem Haus – durch ein Gemisch aus Heizöl, Fäkalien, Schutt und Geröll.
Das Wasser zerstörte beide Häuser der Familie bis auf die Grundmauern. Für die vier Nguyens ging es zuerst in eine Notunterkunft, dann in eine Übergangsbleibe im Kloster Ahrweiler. „Wir waren nach der Flut am Boden zerstört, aber Aufgeben war zu keiner Zeit eine Option“, erzählt Hoang den Helfern aus Grietherbusch.
Seit Mitte Oktober immer wieder im Ahrtal unterwegs
Die sind nun regelmäßig bei Familie Nguyen zu Gast. Seit Mitte Oktober geht es immer wieder mit fleißigen Helfern aus Familie, Freundes- und Bekanntenkreis an Wochenenden in das Haus nach Marienthal. Anfang Februar waren auch die Brüder Lothar und August Becker mit vor Ort. „Man kennt die Bilder aus dem Fernsehen. Aber wenn man selbst da steht, ist das noch mal etwas ganz anderes“, sagt August Becker.

Sein Bruder Lothar Becker hatte in seiner Funktion als Vorsitzender des SV Blau-Weiß Bienen direkt eine eigene kleine Hilfsaktion initiiert. Er suchte sich einen Verein vor Ort in Blessem, einem Stadtteil von Erftstadt und nahm Kontakt auf. Und fragte, was benötigt wird. Einige Tage später fuhr er mit Unterstützern los – mit Schaufeln, Besen und einem 1000-Liter-Tank gefüllt mit Wasser. „Wir haben dann drei Tage da geholfen, den Müll von den Straßen zu bekommen“, sagt er. Auch ihn haben die Eindrücke aus dem Flutgebiet nachhaltig beeindruckt. „Man sieht nicht viel, aber es geht voran“, sagt er.
Im Haus der Familie Nguyen war er, um einige Türen einzubauen. Christiane und Gerd Brüggemann haben dort schon andere Dinge gemeinsam mit fleißigen Helfern erledigt: Trockenbauarbeiten, Stemm- und Betonarbeiten. Bei einem weiteren Haus haben sie geholfen, Fenster einzubauen. „Momentan ist ein weiteres Objekt eines jungen Mannes hinzugekommen, der nicht nur sein Zuhause sondern auch noch seine berufliche Existenz verloren hat“, erklärt Christiane Brüggemann.
Ehrenamtliche Hilfe vor Ort arbeiten auf eigene Kosten
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Alle Helfer, die sich aus Rees mit den Brüggemanns auf den Weg gemacht haben, waren natürlich ehrenamtlich vor Ort. Die Kosten für Dinge wie Treibstoff oder die Übernachtungen vor Ort tragen die Helfer selbst. „Jeder Cent der gespendet wird, kommt auch bei den Betroffenen an“, sagt Christiane Brüggemann.
Und damit auch bei Familie Nguyen. Hier sind die Trocknungs- und Entkernungsarbeiten fast abgeschlossen. Eine Holzbalkendecke muss noch ausgetauscht werden, dann könnte die erste Lage Putz schon wieder aufgebracht werden. „Wir hoffen alle, dass sie so schnell als möglich in ihr neues Zuhause in Marienthal einziehen können“, sagt Christiane Brüggemann. „Vielleicht, mit ganz viel Glück, können sie hier das Weihnachtsfest 2022 feiern.“
Die ehrenamtlichen Helfer sind für ihre Arbeit allerdings weiterhin auf Unterstützung angewiesen. „Es werden nach wie vor weiterhin viele Spenden genötigt um den Wiederaufbau finanziell zu stemmen“, erklärt Christiane Brüggemann. Wer die Helfer unterstützen möchte, kann das über eine Spende via Paypal an das Paypalkonto ahrtalhilfe.rees@web.de machen. Über die gleiche Adresse kann man auch mit den Helfern in Kontakt treten. Vielleicht lässt sich so von Rees aus im Ahrtal noch mehr bewegen.




