Der Krieg in Nahost hat erhebliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft an Rhein und Ruhr. Die im Zuge des Konflikts gestiegenen Energiepreise verteuern die Produktionskosten für die Bauern enorm, zugleich droht eine weitere Erosion der Preise für landwirtschaftliche Produkte wie Milch, Fleisch oder Getreide. „Das sind Herausforderungen, die uns kalt erwischt haben“, sagt Paul-Christian Küskens, Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbands (RLV).
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Die Landwirte sind unter anderem angewiesen auf Diesel und Stickstoffdünger. Der Sprit für ihre Traktoren ist zwar steuervergünstigt, aber die Preise ziehen analog zu der Entwicklung an den Tankstellen an. Die Bodenbearbeitung ist energieintensiv: „Wir gehen jetzt ins Frühjahr rein, wo wir viel Diesel brauchen“, so Küskens, der selbst einen Hof in Niederkrüchten im Kreis Viersen führt, Getreide und Raps anbaut und Mutterkühe hält.
Preissteigerungen und Mercosur-Abkommen setzen Landwirte unter Druck
Preissteigerungen zwischen 40 und 80 Cent pro Liter seien „sehr heftig“, so der Landwirtschafts-Funktionär. „Das knallt voll rein.“ Zumal auch die Preise für den Dünger anziehen, die eng an die Gaspreise gekoppelt sind. Ein zusätzliches Problem für die Landwirte, das durch das kürzlich beschlossene Freihandelsabkommen Mercosur verstärkt werde. „Die Landwirte in Südamerika profitieren von billigem Dünger aus Russland.“ Sprich: Ihre Produkte sind billiger.
Milchpreise sinken, Diesel wird teurer: Bauern fürchten Betriebsschließungen
Elmar Hannen, Milchviehhalter in Kleve und Funktionär beim „Bundesverband Deutscher Milchviehhalter“, macht die Rechnung auf: Er liefert im Monat etwa 100.000 Liter Milch. Die Preise lägen derzeit 12 bis 15 Cent unter dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig zahlt er für die etwa 1000 Liter Diesel, die er monatlich braucht, gut ein Drittel mehr als vor dem Ausbruch des Iran-Krieges. „Diese Krise werden ein Haufen Betriebe mit der Aufgabe quittieren. Das wird der Tod für viele Betriebe sein“, so seine düstere Prognose.
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Hannen ärgert die Machtlosigkeit der Bauern. Sie müssen ihre Produkte zu den von den verarbeitenden Betrieben diktierten Preisen verkaufen. Er habe jetzt Milchpulver für seine Kälber gekauft, es sei 30 Prozent teurer als vor dem Krieg. „Jeder darf seine Kosten weitergeben. Wir stehen aber immer am Anfang der Kette.“ Heißt: Die Bauern können die für sie gestiegenen Kosten nicht kompensieren. Geht der Krieg weiter, erwartet Küskens aber auch einen Anstieg der Erzeugerpreise. „In der Konsequenz heißt das: Auch für Verbraucher wird es teurer.“




