Eine Ausstellung, die auf ein Künstlerleben zurückblickt – so in etwa könnte man den Begriff Retrospektive übersetzen. So ganz passt es auf die Solo-Schau des Moerser Künstlers André Schweers aber nicht, auch wenn in der Orangerie am Kloster Kamp in Kamp-Lintfort derzeit über 50 Werke aus 36 Schaffens-Jahren einen ebenso wuchtigen, wie gleichsam intimen Blick auf ein spannendes Künstlerleben erlauben. Denn schnell wird deutlich: Hier hat jemand noch lange nicht alles gesagt. „Album“ haben die Galerie Schürmann und der Künstler die überaus sehenswerte Ausstellung stattdessen überschrieben – und blättern zurück in die Zukunft.

Für die Ausstellung in Kamp-Lintfort das Lager auf links gedreht

Für diese besondere Ausstellung habe er im letzten Jahr sein Lager auf links gedreht, erzählt Schweers beim Pressetermin und bedankt sich lieb beim Galeristen Andreas Verfürth, der die Idee zu dieser großen Einzelausstellung an prominentem Ort hatte: „Es war schön, auf eine eigene Entdeckungsreise zu gehen, einzutauchen in den ,Kosmos Schweers‘.“ Von den figürlichen Anfängen mit Leuchtobjekten oder Fotografien aus seinen ersten Künstlerjahren, in denen Schweers der Frage nachspürte, wie ein menschlicher Körper im Raum funktioniert, bis zu den neuesten Arbeiten aus den 2020er Jahren, die wie ein Konzentrat seiner aufeinander aufbauenden Werkphasen wirken, sind alle seine Hauptwerkreihen vertreten.

Zu sehen sind auch frühe Arbeiten von Ende der 1980er Jahre.
Zu sehen sind auch frühe Arbeiten von Ende der 1980er Jahre. © FUNKE Foto Services | Volker Herold

Es gibt ihn, den ominösen roten Faden. Der zeigt, dass auch ältere Arbeiten bereits den Weg zu den Werken der letzten zehn Jahre weisen. Schweers als Reisender auf Spurensuche, als Bewahrer und Konservator, mit dem Blick zurück und zugleich nach vorn, als Übersetzer von Historischem ebenso wie Universellem.

Reisen als Inspirationsquellen

Auch das spielt eine Rolle: Reisen waren und sind Inspirationsquellen für den 61-Jährigen. Da sind die Besuche archäologischer Ausgrabungsstätten in Südeuropa, die ihn zu einer eigenen abstrakten Formen- und Strukturensprache inspiriert haben. Oder die Reise nach Kappadokien, auf der ihn Höhlenbauten derart beeindruckten, dass er die Architektur des Bogens über Jahre als künstlerisches Thema aufnahm. Oder die Beschäftigung mit mittelalterlichen Stadtstrukturen. „Was hinterlässt der Mensch an Spuren – das hat mich immer getriggert“, sagt Schweers.

Ein Blick in die Ausstellung.
Ein Blick in die Ausstellung. © FUNKE Foto Services | Volker Herold

In der Umsetzung seiner Themen spielt er mit Negativ- und Positivformen, verfüllt und versiegelt unter anderem mit Paraffin, macht Spuren und Strukturen halt- und sichtbar. Und auch, wenn das Material Papier zu seinen Themen bestens passt: „Das Material ist für mich nicht vorrangig, sondern Idee und Ausführung“, stellt Schweers klar. Statt Skizzenblock nimmt er auf Reisen Kunststoffmatten mit, in die er mit dem Messer „zeichnet“.

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„Es ist, wie noch mal sein Tagebuch zu lesen“, sagt Schweers über die Ausstellung. Apropos Tagebuch: Eine seiner prominentesten Werkreihen, die „Biblioteca conservata“, ist in der Orangerie nur mit einem Referenzobjekt vertreten. Nicht ohne Grund: Knapp vier Wochen nach der Ausstellungseröffnung in der Orangerie ist ab dem 20. September in der Galerie Schürmann die Ausstellung „Rauschen“ zu sehen, die eben dieser Werkreihe gewidmet ist.

Vernissage

Die Ausstellung „Album“ mit Werken von André Schweers wird am Sonntag, 25. August, um 11 Uhr eröffnet. Die Einführung hält Claudia Thümler, anschließend bietet sich die Möglichkeit zum Austausch mit dem Künstler. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 6. Oktober immer freitags und samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.