„Die Situation ist mehr oder weniger katastrophal mittlerweile“, sagt Jan Krause, der beim Bollwerk 107 am Moerser Bahnhof als Kulturreferent arbeitet. „Man spricht von einem Band-Sterben, das wir in ganz Deutschland erleben.“ Seit der Corona-Pandemie gebe es diese Entwicklung. Unter den verbleibenden jungen Musikern produzieren viele nur noch direkt für Internetplattformen. Dabei gehe etwas verloren: „Kultur erleben ist eine Form des Zusammenkommens in einer Gesellschaft“, so Krause. Das Rock-it!-Festival im Bollwerk soll in seiner 17. Ausgabe auch 2025 wieder einen Gegenimpuls dazu bieten: Bei dem vor allem von Ehrenamtlern gestützten Gratis-Festival bekommen Newcomer-Bands die Chance, auf einer größeren Bühne zu spielen. In diesem Jahr gibt es dabei eine Neuerung für Fans elektronischer Musik. Außerdem wird das Festival noch von einer anderen Konzertreihe mit ähnlicher Idee ergänzt.

Warum junge Bands nur noch schwierig Bühnen finden

Seit das Rock-it!-Festival 2008 gegründet wurde, spielen hier Bands aus der Region und ganz NRW. „Grund ist immer noch, dass es sehr wenige Bühnen für Newcomer-Künstler in der Gegend gibt“, erklärt Tina Bergs, die das Festival plant. „Viele Läden trauen sich nicht, Newcomer-Konzerte zu veranstalten, weil natürlich die Fixkosten in den letzten Jahren extrem gestiegen sind.“ Deswegen setzen Veranstalter eher auf das „sichere Pferd“ etablierter Bands, sagt sie. Aus wirtschaftlicher Sicht sei das verständlich. Das Festival im Bollwerk wolle aber weiterhin dagegen wirken und junge Leute auf die Bühne holen.

Weitere aktuelle Nachrichten aus Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn:

Bewerbungen für das Festival gab es rund 350 in diesem Jahr, sagt Bergs. „Wir versuchen, vielfältige Genres abzubilden“. Dabei werde neben der Regionalität berücksichtigt, dass die Bands einen Altersschnitt von 14 bis 27 Jahren haben sollen. Und: „Wir achten auch sehr darauf, dass nicht nur Männer auf der Bühne stehen.“ Das Festival habe dieses Mal hierbei in etwa eine 50-50 Quote erreicht. Die Entscheidung für bestimmte Bands folge unter dem Team des Festivals dann demokratisch. 18 Acts sind in diesem Jahr dabei, bis auf eine Band aus Osnabrück kommen sie allesamt aus NRW. Auch aus Moers sind wieder zwei Bands dabei.

Diese Bands aus Moers sind dabei

Ganz besonders jung ist die Moerser Metal-Band „Crash Pilots“: Die Mitglieder sind zwischen 14 und 18 Jahren. Die „fetten Riffs, harten Breakdowns und packenden Melodien“, die sie auf Lager haben, konnten sie im vergangenen Jahr beim Clash of Bands im Bollwerk präsentieren. Den Wettbewerb gewannen sie. Auch ins Fernsehen haben es die jungen Moerser schon geschafft. Ein Instagram-Post zum damaligen Beitrag sorgte sogar für Lob Seitens des großen Metal-Festivals Wacken Open Air. Auf die jungen Moerser könnten also vielversprechende Perspektiven warten.

(Archivbild) Beim Rock-it!-Festival treten seit 2008 Bands aus Moers, der Region und ganz NRW auf.
(Archivbild) Beim Rock-it!-Festival treten seit 2008 Bands aus Moers, der Region und ganz NRW auf.© Larissa Wettels

Die andere Moerser Band kommt musikalisch aus einer ganz anderen Richtung: „MBS“ besteht aus fünf jungen Leuten, die gemeinsam Rapmusik machen. Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Gruppe ihre Debüt-EP „Augustina Tape“, und stand auch schon im Bollwerk auf der Bühne. Sie haben „große Pläne“, kündigen sie an.

Angebot lädt zum Ausprobieren von elektronischer Musik ein

Wie in den Vorjahren bietet das Jugendzentrum „Die Box“ des Caritasverbandes Moers-Xanten beim Rock-it! Kreativworkshops an. Neu dazu kommt in diesem Jahr das „Frickeln“, erklärt Jan Krause: „Das ist unser neu etablierter Treff für Leute, die sich für elektronische Musik interessieren“. Dabei können Leute auch ihre eigenen Instrumente mitbringen. Doch: „Es wird ein bisschen Equipment von uns zur Verfügung gestellt“, sagt Krause. Ein Mitarbeiter, der in der Bollwerk-Kneipe arbeitet, soll dabei als Experte fungieren, der Interessierte an die Hand nehmen kann, wenn sie Instrumente wie Synthesizer und Drum-Machine ausprobieren wollen.

Keine Nachrichten mehr aus Moers verpassen:

„Für viele Leute sind das einfach nur irgendwelche blinkenden Knöpfe“, sagt Krause. Dabei sind sie aber längst kein schwer verständliches „High-Tech“, betont er: „Die sind meistens sehr intuitiv und eigentlich recht einfach zu verstehen. Leute sollen einfach mal eingeladen werden, das auszuprobieren und ihre Scheu zu überwinden“.

Konzertreihe soll den Geist des Rock-it!-Festivals weitertragen

Seit 8. Februar diesen Jahres gibt es noch ein weiteres Projekt im Bollwerk 107, das „den Geist des Rock-it!“ über das Jahr weitertragen soll, wie Krause sagt: Die Konzertreihe „Flügge“ soll 2025 an fünf Abenden jeweils zwei Newcomer-Bands aus Moers und der Region auf großer Bühne und mit professioneller Technik präsentieren. „Wir haben viele Bands dabei, die auch beim Rock-it! oder in anderen Bollwerk-Kontexten hier spielen“, erklärt er. „Bands, von denen wir denken, dass sie es verdient hätten, von den kleinen Clubs in der Zukunft regelmäßig auf die große Bühne zu kommen.“ Die beiden ersten Termine im Februar und März wurden gut angenommen, so Krause. Weiter geht es bei Flügge mit Konzerten am 25. April, 6. September und 13. Dezember.

Die Daten zum Rock-it!-Festival

Das diesjährige Rock-it-Festival findet am 28. und 29. März, Freitag und Samstag, in der Halle und Kneipe des Bollwerk 107 statt. Einlass ist am Freitag um 18 Uhr, am Samstag um 16 Uhr. Der Eintritt ist an beiden Tagen frei. Weitere Infos zum Festival und der Konzertreihe „Flügge“ gibt es unter bollwerk107.de.

Die Reihe soll ein Stammpublikum aufbauen, das darauf vertrauen kann, dass bei den Konzerten stets hohe Qualität geboten wird, erklärt das Bollwerk-Team. „Wir wollen die Leute ein bisschen dazu bewegen, dass sie sagen: Ich gehe heute Abend ins Bollwerk, weil da ist Flügge und da spielen immer gute Nachwuchsbands!“. Im Gegensatz zum Rock-it!-Festival soll die Konzertreihe für Gäste zwar nicht gratis sein, mit 7 Euro Eintritt aber im Vergleich zu aktuell üblichen Konzert-Ticketpreisen günstig bleiben.