Die Floristin bindet geschickt rote Amaryllis und grünen Eukalyptus zu einem winterlichen Strauß. Hier noch ein bisschen zupfen, dort noch ein bisschen drapieren... „So?“, fragt sie. Die Kundin strahlt und nickt. „Dann stelle ich ihn nochmal ins Wasser.“ Damit kann sich die Kundin nun genüsslich der Tasse Kaffee und dem Stück Torte vor sich widmen. Was sie bestellt hat? Stachelbeerbaiser. Natürlich. „Der ist immer heiß begehrt!“, sagt Jule Schneider und lacht. Nach sechs Jahren kennt sie die Renner in ihrem Café „Stil und Blüte“, in dem es aber eben nicht nur Kaffee und Kuchen gibt – sondern auch Blumensträuße, Adventskränze und Dekoartikel.

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Den Traum vom „Blumencafé“, wie Jule Schneider es selbst nennt, hatte sie schon als Kind. Aber weil gleich zwei Gewerbe für den Anfang vielleicht doch etwas viel gewesen wären, „ich war ja erst 20 Jahre alt“, startete sie nach ihrer Ausbildung zur Floristin zunächst einmal „nur“ mit einem Blumenladen. 2013 eröffnete sie ihr Geschäft in Kamp-Lintfort, 2015 zog sie damit nach Moers, „zwei Türen weiter von hier“, erzählt sie. Und 2019 konnte sie sich dann endlich ihren Kindheitstraum erfüllen. Zu den Blumen kam das Café. Aber wie passt das eigentlich zusammen?
Im Moerser Café „Stil und Blüte“ gibt es Handgemachtes
Darüber muss Jule Schneider nicht lange nachdenken. „Ich lege viel Wert auf besondere und handgemachte Sachen“, erklärt sie. Das fängt bei den Pflanzen an, geht weiter über die Kunst und Deko, bis hin zur Kulinarik. Und klar, das muss sie zugeben, ein Café zu eröffnen, bringt einige Herausforderungen mit sich. „Aber in Moers gibt es ein besonderes Nachbarschaftsverhältnis“, sagt sie. „Da nimmt man dann mal den Hörer in die Hand und bekommt bei Fragen auch direkt eine Antwort oder Hilfe.“ Und ihr Konzept geht tatsächlich auf! Ganz schön wuselig für einen Vormittag unter der Woche, oder? Sie nickt.

„Wer um 10 Uhr bei uns frühstücken möchte, sollte besser einen Tisch reservieren“, erklärt Jule Schneider. Später, so wie jetzt gegen 11 Uhr, werden aber auch immer wieder einige Plätze frei. Da sitzen nun die Gäste und gönnen sich ein Frühstück von der Etagere mit Käse, Wurst, Marmelade... kurz: „Alles, was das Herz begehrt“, wie sie es zusammenfasst. Und, das ist ihr besonders wichtig: „Das sind alles regionale Produkte.“ Die Brötchen kommen frisch vom Bäcker, der Kaffee direkt von einer Rösterei aus Düsseldorf... Und der Kuchen? „Den lassen wir backen, aber auch regional“, antwortet sie.
Zur Winterzeit öffnet im Innenhof eine Ausstellung
Natürlich muss sie als Chefin auch alles mal probieren! Das macht ihr aber nun wirklich nix aus... „Wir sind hier alles Naschkatzen“, erklärt Jule Schneider und lacht. Ihr persönlicher Liebling ist übrigens die Nusscappuccinotorte. „Wenn die da ist, wird immer ein Stück für mich reserviert!“ Nervennahrung kann sie besonders im November und Dezember gut gebrauchen, denn dann ist immer richtig viel los. Kein Wunder, wer noch auf der Suche nach passender Weihnachtsdeko oder einem prachtvollen Adventskranz ist, wird hier garantiert fündig. „Unser Herzstück ist der Innenhof“, erklärt sie und führt gleich auch mal dorthin.

Zur Winterzeit baut Jule Schneider eine Ausstellung auf, die selbst bei usseligem Wetter jedes Dekoherz erwärmt. Da stehen Windlichter, Holzsterne, Metallfiguren... „Trockenblumen gibt‘s in diesem Jahr kaum noch“, erklärt sie. „Stattdessen geht der Trend eher über zu Zapfen und Rost.“ Dabei zeigt sie auf einen rustikalen Kranz mit roten Kerzen, um die dunkle Schleifen gebunden sind. „Total modern ist auch Samt!“ Im Laden müsste es auch noch entsprechende Nussknacker und Tannenbäume geben, wobei, überlegt sie dann, „wenn ich überhaupt noch etwas davon habe.“
Das sind die Dekotrends für Weihnachten 2025
Da es drinnen sowieso gemütlicher ist, führt Jule Schneider wieder an der Kuchentheke vorbei bis zur Dekoabteilung. Der absolute und mit 285 Euro nicht gerade günstige Klassiker – ein riesiger Kranz mit roten Kerzen – darf natürlich nicht fehlen. „Wir versuchen die Traditionen aufrechtzuerhalten“, erklärt sie, „aber wir probieren auch immer wieder etwas Neues aus.“ In diesem Jahr sind das beispielsweise die Hortensienkränze. „Und es gibt vieles in Schwarz, Grau, Silber“, fügt sie hinzu. „Generell sind die Farben eher dunkler – auch Rot und Grün gibt es wieder mehr.“ Letzteres mag sie selbst ebenfalls gern. „Das ist doch einfach Weihnachten!“
Das Café „Stil und Blüte“
Das Café „Stil und Blüte“ befindet sich etwas versteckt, aber mitten in der Moerser Innenstadt an der Pfefferstraße 6. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 17 Uhr.
Immer mal wieder finden Veranstaltungen im Café statt – so wie das „Nikolaus-Frühstück“ am 6. Dezember. Reservierungen sind unbedingt erforderlich: 02841/9160696 oder per E-Mail an info@stil-und-bluete.eu
Zuletzt muss Jule Schneider unbedingt noch etwas zeigen, das „der letzte Schrei“ ist, wie sie ankündigt. Deshalb hängt im Schaufenster auch nur noch ein letzter Filzdackel im Weihnachtsoutfit... Jetzt muss sie aber langsam zurück hinter die Theke, „wir müssen noch einige Kundenbestellungen abarbeiten“, sagt sie. Und dann bindet sie schon den nächsten Strauß, der für winterliche Stimmung sorgt.




