Bettina Küster ist gerade mit Hund Peppa aus dem Auto gestiegen. In direkter Nachbarschaft vom Sammanshof hat sie geparkt und wartet. Gleich soll es losgehen, ins kleine Wäldchen des Naherholungsgebiets Littard in Neukirchen-Vluyn. Bettina Küster bietet Gruppentouren mit Hunden an, bei denen deren Besitzer lernen, zu entschleunigen. „Bei meinen Spaziergängen trainieren die Menschen, sich auf die Tiere und ihre Bedürfnisse einzulassen“, erklärt die 59-Jährige.

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Also rein in den Wald und los geht der achtsame Spaziergang mit Hund. Vögel zwitschern munter, ein Specht hämmert gegen einen Baum. Ansonsten ist es ganz ruhig im kleinen Wäldchen. „Ich suche mir für meine Spaziergänge immer Orte aus, an denen möglichst wenig los ist“, sagt Bettina Küster.

Hunden Freiraum geben: Peppa schnuppert an einem grünen Busch

Peppa bleibt stehen und schnüffelt aufgeregt. Auch Bettina Küster stoppt. Solange, wie es Peppa interessant findet, an dem kleinen grünen Busch die Nase hineinzustecken. „Viele Menschen lassen sich nicht darauf ein und ziehen ihren Hund schnell weiter. Sie kommen vielleicht von der Arbeit und müssen noch schnell mit dem Hund raus“, erklärt Küster. „Aber wenn man sich auf die Bedürfnisse des Hundes einstellt, wird man auch selbst viel ruhiger.“

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Welche Bedürfnisse Hunde haben und wie sie ticken, hat Bettina Küster bei einer Fortbildung als Hundepsychologin gelernt. 2009 adoptierte sie Hündin Emma aus Griechenland. „Es war eine lange Reise mit Emma“, erinnert sich Küster, der man anmerkt, dass ihr Herz noch sehr an der Hundedame hängt, die bereits verstorben ist. „Emma hatte vor vielen Dingen Angst, kannte zum Beispiel keine Fahrräder.“ Der Alltag mit einem solchen Hund stellt die Besitzer oft vor große Herausforderungen. „Keine Hundeschule konnte mir helfen, dann habe ich es selbst in die Hand genommen und habe eine Ausbildung zur Hundepsychologin gemacht“, erzählt sie.

Bettina Küster betreibt die Seite "Niederrhein mit Hund" und erzählt bei einem Spaziergang vom Wandern mit Hund
Peppa gibt bei den Spaziergängen das Tempo vor.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Ihr Wissen gibt sie nun gerne weiter, nicht nur als Hundepsychologin, sondern auch auf ihren achtsamen Spaziergängen mit Hunden. „Ich bleibe auf den Spaziergängen immer viel stehen und lasse die Hunde schnüffeln“, sagt sie. „Ich schlendere bei meinen Spaziergängen eher.“ Und das ist wichtig für die Hunde, die, wie jedes Kind weiß, enorm gut riechen können. „Wenn ein Hund sprechen könnte, dann könnte er nur durchs Riechen alle Zutaten einer Pizzasoße nennen“, erklärt die Hundepsychologin. „Deshalb ist es sehr wichtig, die Nase der Tiere einzusetzen.“

Ein Paar mit einem kleinen Hund kommt Bettina Küster und Peppa entgegen. „Peppa, warte, bleib mal stehen!“ Peppa und der andere Hund beschnuppern sich. „Viele reduzieren ihren Hund auf den Gehorsam. Natürlich muss mein Hund auch auf ‚Komm her‘ hören“, sagt Küster. Aber darum geht es bei ihr nicht. „Wenn man lange mit dem Hund zusammenlebt, merkt man, was das Tier gerne machen möchte, und wenn man das fördert, dann baut man Vertrauen auf.“

Peppas Interesse am anderen Hund hält aber nicht allzu lange an. Weiter geht’s. Am Rand des Weges liegt ein Baumstamm. Peppa hüpft darauf. „Wir machen auf den Spaziergängen auch Übungen zum Balancieren“, erzählt Bettina Küster. „Der Hund soll artgerecht beschäftigt werden.“

In der Regel kommen fünf bis zehn Personen mit ihren Hunden bei den rund zweistündigen Touren mit. „Die Hunde müssen sozialverträglich sein. Das ist eigentlich die einzige Voraussetzung“, sagt die 59‑Jährige. Denn schließlich soll der gemeinsame Spaziergang für alle entspannt sein. „Ich hatte einmal jemanden dabei, der ist mit seiner läufigen Hündin zum Treffen gekommen. Die Rüden waren dann natürlich außer sich“, erzählt sie. Ein achtsames Gehen durch den Wald ist so natürlich nicht möglich.

Auf der kleinen Lichtung macht Bettina Küster gerne eine Pause mit ihren Gruppen.
Auf der kleinen Lichtung macht Bettina Küster gerne eine Pause mit ihren Gruppen.© Nadine Sapotnik-Zirzow

Die beiden spazieren weiter. „So, hier wollte ich hin“, sagt Küster und lächelt. Sie steht vor einer kleinen Lichtung. „Wenn ich mit Gruppen unterwegs bin, setze ich mich gerne mit den Leuten hierhin. Einige haben Hunde, die sind wie Flummis. Sobald die Leute dann sitzen, werden auch die Hunde ruhiger“, sagt die Hundekennerin. „Es ist auch interessant zu sehen, was der Hund macht, wenn die Besitzerin oder der Besitzer sitzt.“ Und auch wichtig: „Viele der Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer kommen bei den Spaziergängen auch miteinander ins Gespräch. Über die Tiere hat man immer eine Verbindung“, weiß die Hundeexpertin.

Artgerechte Beschäftigung für Hunde während des Spaziergangs

Die kleine Pause vom Spazierengehen nutzt Bettina Küster auch gerne für eine kleine Aktion. „Ich bitte die Teilnehmer dann immer, aus gefundenen Sachen wie Stöcken und Steinen und Moos, Symbole zu legen. Die letzte Gruppe hat etwa ein Peace-Zeichen geformt“, erklärt die 59‑Jährige. „Dann werden Leckerchen für die Hunde darin versteckt, die die Tiere dann suchen dürfen. Das ist eine artgerechte Beschäftigung für die Tiere.“

Bettina Küster und Peppa zieht es so langsam wieder Richtung Auto. „Das ist hier ist mein Lieblingswald“, schwärmt die Hundepsychologin. Doch bevor es nach Hause geht, möchte sie noch eine andere Stelle im Wäldchen zeigen. „Wir müssen hier entlang“, sagt sie. Und plötzlich zeigt sich ein Teich hinter dem Dickicht. „Das ist einfach wunderschön.“ Peppa hat mittlerweile ganz schwarze Pfoten und scheint sich sehr wohlzufühlen.

Und wohlfühlen ist auch auf Bettina Küsters Touren ein wichtiger Aspekt. „Wenn sich der Mensch wohlfühlt, dann merkt das auch der Hund“, sagt sie. „Er ist dann auch freudiger mit dem Menschen unterwegs.“