Gute Nachrichten für die Arbeiterwohlfahrt im Kreis Wesel: Der Awo-Kreisverband Wesel hat offenkundig einen entscheidenden Meilenstein im laufenden Sanierungsverfahren erreicht. Das teilt der für die Eigenverwaltung zuständige Kommunikationsberater Thomas Feldmann mit: „Im heutigen Erörterungs- und Abstimmungstermin beim Amtsgericht Kleve haben die Gläubigerinnen und Gläubiger des Verbands dem vorgelegten Insolvenzplan mit überwältigender Mehrheit zugestimmt.“

Täglich (außer Samstag)

Moers-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der Plan war vom Sanierungsteam erarbeitet und mit dem gerichtlich bestellten Sachwalter abgestimmt worden, heißt es weiter. Feldmann: „Das Insolvenzgericht hat den Plan bereits bestätigt. Damit steht der erfolgreiche Abschluss des Verfahrens unmittelbar bevor.“

Das ist das Ergebnis des Treffens in Kleve

Die Versammlung sei konstruktiv und einvernehmlich verlaufen. Der Vorstand und das Sanierungsteam hätten über den Verlauf der vergangenen Monate informiert wie auch über die zur Stabilisierung und Zukunftssicherung initiierten Maßnahmen.

„Mit der Annahme des Insolvenzplans durch die Gläubigerversammlung sind jetzt die Voraussetzungen geschaffen, die Awo Wesel langfristig zu sichern und die wichtige soziale Arbeit in der Region fortzuführen. Nach Ablauf der üblichen Rechtsmittelfristen kann das Insolvenzverfahren in einigen Wochen aufgehoben werden“, heißt es weiter in den Ausführungen. Der Verband sei dann organisatorisch wie wirtschaftlich neu aufgestellt und gelte als nachhaltig saniert. Auf diese Weise würden rund 1000 Arbeitsplätze in mehr als 70 sozialen Einrichtungen gesichert.

Weitere aktuelle Nachrichten aus Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn:

„Heute ist ein sehr wichtiger und emotionaler Tag für unseren Verband. Die vergangenen Monate waren für alle Beteiligten außerordentlich herausfordernd und nicht immer einfach. Umso dankbarer und erleichterter sind wir, dass unsere Gläubiger den eingeschlagenen Weg unterstützen und wir nun mit einer klaren Perspektive nach vorn blicken können“, werden der Vorstand der Awo Wesel, Benjamin Walch, und Dirk Lorscheider von der Beratungsgesellschaft HC&S AG in der Mitteilung zitiert. Die beiden haben vorläufig die Aufgaben des früheren Vorsitzenden Jochen Gottke übernommen, der im März dieses Jahres zurückgetreten war.

Und weiter heißt es: „Unser besonderer Dank gilt unseren Beschäftigten und dem Betriebsrat. Sie haben dem Verband in dieser schwierigen Zeit die Treue gehalten, mit großem Engagement den Betrieb aufrechterhalten und dafür gesorgt, dass wir weiterhin für die Menschen in der Region da sein können.“

Keine Nachrichten mehr aus Moers verpassen:

Rechtsanwalt Roman-Knut Seger, der mit seinem Team von der BDO Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH die Sanierung begleitet, würdigt die gemeinsame Leistung: „Die Zustimmung zum Insolvenzplan ist das Ergebnis eines intensiven und vertrauensvollen Sanierungsprozesses. Dass der Verband wirtschaftlich stabilisiert und zukunftsfähig aufgestellt ist, verdankt er dem großen Einsatz vieler Beteiligter.“

Mehr lokale Nachrichten

Sachwalter Dr. Markus Kier von der Kanzlei Piepenburg Rechtsanwälte lobt das Ergebnis ebenfalls als Teamleistung: „Mit der Zustimmung zum Insolvenzplan liegt nun eine tragfähige Lösung vor, die die Interessen der Gläubiger wahrt und zugleich die Grundlage für den Erhalt des Kreisverbandes und der unterhaltenen sozialen Einrichtungen schafft.“ Sein Dank gelte dem Insolvenzgericht, den Mitgliedern des Gläubigerausschusses sowie dem Vorstand und den Restrukturierungsexperten „für die vertrauensvolle und professionelle Zusammenarbeit“.

Die Nachricht, dass die Awo in finanzielle Schieflage geraten war, hatte im vergangenen Jahr für große Bestürzung gesorgt. Der Kreisverband hatte Anfang April 2025 ein Eigenverwaltungsverfahren gestartet. Der Weg war aus Verbandssicht notwendig geworden, weil es nicht gelungen sei, die wirtschaftlichen Altlasten beispielsweise aus dem ambulanten Pflegebereich aufzufangen, wie es heißt.

Das sagt die Awo über die Gründe

Die Rede war auch von gesetzlichen Verschlechterungen bei der Finanzierung der Investitionen im stationären Pflegebereich. Die finanziellen und personellen Folgen der Corona-Pandemie im Kernbereich Seniorenpflege waren bereits im vergangenen Jahr als weitere Gründe für die Verschärfung der Situation benannt worden.

Am 1. Juni 2025 hatte das zuständige Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung über das Vermögen des Awo-Kreisverbandes Wesel eröffnet. Das Verfahren betrifft ausschließlich den Kreisverband Wesel. Alle anderen Organisationen, wie Tochtergesellschaften, Ortsvereine und Kreisverbände, andere Kreis- und Bezirksverbände in NRW und der Bundesverband, seien ausdrücklich nicht betroffen, unterstreicht der Berater.

Mit der Zustimmung zum Insolvenzplan liegt nun eine tragfähige Lösung vor.

 Dr. Markus Kier, Sachwalter von der Kanzlei Piepenburg Rechtsanwälte

Die für die Sanierung des Kreisverbandes erforderlichen Maßnahmen seien in den vergangenen Monaten identifiziert und umgesetzt worden oder befänden sich in der abschließenden Umsetzung, sagt Feldmann auf Nachfrage der Redaktion, welche Hausaufgaben die Awo mit auf den Weg bekommen habe.

Konkret wird der Kommunikationsberater nicht; er spricht von Kostensenkungen und der Optimierung von Strukturen sowie davon, dass bestehende Vereinbarungen und Vertragsverhältnisse neu verhandelt und nicht ausreichend finanzierte Angebote aufgegeben worden seien, darunter die Pflegeberatung am Niederrhein sowie das Angebot im Bereich Flucht, Migration und Integration. 

So geht es bei der Awo im Vorstand weiter

Die Awo hatte alle Angebote in diesem Bereich zum Ende 2025 gestoppt. Im Frühjahr 2026 übernahm der SCI: Moers als neuer Träger die Angebote der regionalen Beratung und das psychosoziale Zentrum. Zudem stand in Rede, ein Seniorenheim aufgeben zu müssen. Hier hatte, wie bei einem ambulanten Pflegeteam, ebenfalls ein neuer Träger sein Interesse bekundet. Das hatte man aber noch abwenden können.

Aktuell sehe man keinen Bedarf, weitere Angebote aufzugeben, sagt Feldmann. Man habe das gesamte Leistungsportfolio überprüft und prüfe es fortlaufend auf Wirtschaftlichkeit. Sofern die nicht gegeben sei, werde zunächst eine alternative Option geprüft. Aktuell sei auch kein weiterer Stellenabbau geplant. Einzig im Vorstand verzichtet man auf eine Position. Der Vorsitz werde nachbesetzt. Künftig werde es aber statt drei nur noch zwei Vorstände geben, erklärt Feldmann.