Wenn all das stimmen würde, was manche Menschen so in Facebook-Kommentaren behaupten, dann hätte Moers eine No-Go-Area mitten in der Innenstadt. Auch unter den Beiträgen unserer Redaktion entfacht die immer gleiche Diskussion in regelmäßigen Abständen – und ist dabei selten konstruktiv.

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Schließt auf der Homberger Straße ein Geschäft, heißt es gleich: „Bestimmt kommt jetzt noch ein Dönerladen oder Barbershop.“ Und wenn schon? Die Alternative – das sind Dauerleerstände wie in anderen Kommunen – ist für die Innenstadt sicherlich schädlicher als die (übrigens auffällig gut besuchten) Friseursalons oder Imbissstuben.

Fakten widerlegen Vorurteile: Social Media zeichnet falsches Bild von Moers

Das Narrativ, der Abschnitt zwischen Bahnhof und Königlichem Hof sei unsicher oder gar ein Angstraum, ist indes noch schwerer nachzuvollziehen. Fragt man die Polizei nach ihrer Einsatzbilanz, sieht die Faktenlage völlig anders aus. Wenn Stadtratsfraktionen trotzdem über eine neue City-Wache auf der Homberger Straße nachdenken, liegt der Verdacht der Symbolpolitik nahe.

Kommentar-Foto
Redakteur Patrick Schuh kommentiert.© FUNKE Foto Services | André Hirtz

Eine ähnliche Diskussion konnte unsere Redaktion im vergangenen Jahr bei einem Bericht zum Ende der wetterbedingt schwachen Freibadsaison beobachten. In der Kommentarspalte behaupteten etliche Social-Media-Profile, das Solimare sei ein Kriminalitätshotspot. Dass man das Moerser Bad nur noch mit einer „Stichschutzweste“ betreten könne, war nur eine der vielen, teils grenzüberschreitenden Wortmeldungen, die sich laut Faktencheck der Polizei nicht einmal annähernd mit der Realität decken. Bei einer Überprüfung konnte die Enni jene Kommentatoren, die mit Klarnamen ihre vermeintlichen Horrorerfahrungen schilderten, in ihrer Online-Ticket-Datenbank übrigens nicht finden.

Es ist nicht auszuschließen, dass auch mancher, der über die Homberger Straße schimpft, schon länger nicht mehr vor Ort war. Dabei hilft es manchmal schon, sich ein eigenes Bild zu machen, statt nur Phrasen aus dem Internet papageienhaft zu wiederholen. Die vielen freundlichen Einzelhändler und Gastronomen, die mit den finanziellen Einbußen durch das lächerliche Angstraum-Image zu kämpfen haben, würden es ihnen gewiss danken.