Egal ob Zwergengasse, das Geleucht, die Moerser Seen oder die herzlichen Menschen: Es gibt zahlreiche Gründe, warum viele Bürgerinnen und Bürger ihre Heimatstadt gegen keinen Ort auf der Welt eintauschen würden (wir berichteten). Und trotzdem gibt es Dinge, die auch eingefleischte Moerser täglich in den Wahnsinn treiben. In einer nicht repräsentativen Umfrage wollten wir wissen: Was nervt Bürgerinnen und Bürger an Moers am meisten? Das Ergebnis fällt überraschend deutlich aus.

Täglich (außer Samstag)

Moers-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Auf dem unrühmlichen ersten Platz unseres Rankings: der Verkehr. Nichts treibt Moerserinnen und Moerser so sehr zur Weißglut – zumindest wenn man nach der Anzahl der Social-Media-Kommentare geht. „Jedes Dorf in der Pampa hat bessere Feldwege als wir Hauptstraßen“, beschwert sich Werner Becker auf Facebook. Kaputte Straßen, Schlaglöcher und Sperrungen an jeder Straßenecke: „Ein Verkehrschaos aufgrund unendlicher Baustellen“, bilanziert Ralf Lautenbach. „Hunderte von Baustellen, die jahrelang dauern und kein Ende finden“, pflichtet Akira Kurosawa bei. „Aber es werden weiter Straßen aufgerissen, Autos sollen aus der Innenstadt verschwinden.“

Hinzu kämen die begrenzten Parkmöglichkeiten – beispielsweise für Mütter mit Kind, schreibt uns Clarissa Schütz. „Die Parkplatzsituation ist katastrophal und hält mich von Moers fern“, so Hans Peter Janssen. Ebenfalls bei vielen Moersern in der Kritik: die Parkkosten. „Vier Euro Parkgebühr in der Stadt sind Wucher“, findet Facebook-Nutzerin Daniela Sternchen. Auch Userin Bianca Schubidu ärgert sich über die unzähligen Baustellen und die aus ihrer Sicht „krassen“ Parkgebühren: „Mittlerweile verstehe ich, dass viele ins Centro fahren.“ Ein weiteres Ärgernis: kaputte Straßenlaternen. „Ständig muss man mit Taschenlampe bewaffnet sein“, schreibt Dorte Hüttermann.

Moerser ärgern sich über den ÖPNV: „Die Taktung der Öffis ist katastrophal“

Der ÖPNV ist vielen Moerserinnen und Moersern ebenso ein Dorn im Auge: „Diese täglich unzuverlässigen Busfahrzeiten“, ärgert sich Rosi Ludwigs-Hommrich. „Die Taktung der Öffis ist katastrophal“, findet auch Dagmar Zim. Die Sperrung der Rheinberger Straße und die damit verbundenen Streichungen und Fahrplanänderungen haben die Situation zusätzlich verschärft (wir berichteten). Der Alltag als Pendler im Moerser ÖPNV sei aufgrund der monatelangen Beeinträchtigungen „unzumutbar“, kritisiert Ludwigs-Hommrich.

Weitere aktuelle Nachrichten aus Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn:

Auf der Beliebtheits-Skala weit unten befindet sich zudem die Glückauf-Schranke: „Man muss wirklich Glück haben, dass sie auf ist“, schreibt eine Instagram-Nutzerin. „Und wenn nicht, dann wartet man da schon mal seine 20 Minuten.“ User „julongers“ ärgert sich vor allem über die aus seiner Sicht rücksichtslosen Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer: „Die donnern an einem, egal ob im Gegenverkehr oder auf dem Gehweg, vorbei. Kein Klingeln, nichts.“ Die Geschwindigkeit, mit der Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer an Einfahrten vorbeirasen, sei extrem gefährlich: „Kinder, Jugendliche, Boomer und Co. alle gleichermaßen.“

Abgesehen von Beschwerden über Parkplätze, ÖPNV, Schlaglöcher und Baustellen dominiert vor allem ein Thema: die von vielen Nutzern als negativ empfundene Entwicklung der Innenstadt. „Die Homberger Straße ist geschäftlich eine Katastrophe“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook. „Wie viele Barbershops, Friseure oder Dönerläden braucht eine Stadt?“ Markus Karl sieht das ähnlich: „Moers muss aufpassen, dass es ihr nicht so ergeht wie Krefeld. Immer mehr billige Läden (mit hoher Wechselfrequenz), welche sich von der Homberger Straße immer mehr der Innenstadt nähern.“

Facebook-Nutzer Peter Eick: „Mich erschreckt der wachsende Absturz unserer Stadt“

Facebook-Nutzer Peter Eicks teilt diese Meinung: „Keine wirklichen Fachgeschäfte mehr, selbst MediaMarkt ist weit davon entfernt, ein gutes Fachgeschäft mit freundlichem und fachkundigem Personal zu sein. Allein Fielmann ist auf diesem Stadtabschnitt noch ein gutes Geschäft“, so Eicks. „Ich bin hier aufgewachsen und mich erschreckt der wachsende Absturz unserer Stadt.“ Moers habe an Niveau und Attraktivität verloren – das ist auch der Eindruck von Dagmar Zim: „Die vielen kleinen Geschäftchen verschwinden immer mehr.“

Verkehrschaos und Innenstadt-Entwicklung: Nichts scheint die Moerserinnen und Moerser so sehr zu beschäftigen. Doch neben den beiden größten Reizthemen gibt es noch weitere Kritikpunkte. Elisabeth Pfeifer klagt über „überteuerte Mieten“, Facebook-Nutzerin Conny Loppo bemängelt, dass es in Schwafheim keine Hundewiese gibt, eine Instagram-Nutzerin fordert mehr vegane und vegetarische Angebote, vereinzelt wird in den Kommentarspalten auch der Ruf nach einem neuen Moerser Club mit wechselnden Musikrichtungen laut. Und das ehemalige Ratsmitglied Claus Peter Küster schreibt: „Mich nervt das unkonstruktive Meckern auf hohem Niveau.“

Zwischen all den Kommentaren fallen aber auch immer wieder positive Nachrichten auf. Die Altstadt sei nach wie vor sehr schön, auch wenn sie große Verluste habe ertragen müssen, schreibt eine Userin. „Ich finde die Skaterbahn großartig“, schreibt Bettina Thomas. Was ihr fehlt: Events im Park, die es früher häufiger gegeben hat. Die Menschen seien „überraschend freundlich“, findet Instagram-Nutzer julongers. Und trotzdem zeigt unsere Umfrage: Es gibt noch einiges zu tun – vor allem auf den Moerser Straßen.