„Wir sind der am schnellsten wachsende Verein im ganzen Land – leider“, bringt es Peter Vorsteher als Vorsitzender der Tafel NRW auf den Punkt. Allein die Tafel Moers versorgt zweimal pro Woche 2000 Kunden mit Lebensmitteln. Am Montag unterzeichneten Vertreter der Moerser Tafel zusammen mit den Vermietern Sigrid und Willi Roggenkamp den Mietvertrag für das neue Domizil an der Raiffeisenstraße 27 im Gewerbegebiet Genend. Etwa Mitte September soll hier die Ausgabe für die Kunden starten und auch das Lager für 14 weitere örtliche Tafeln am Niederrhein fertig sein.
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Hintergrund: Am alten Standort an der Wittfeldstraße in Utfort benötigte der Vermieter, das Christliche Jugenddorf, mehr Platz und kündigte der Tafel wegen Eigenbedarfs. Es folgte ein Jahr der intensiven Suche nach neuen Räumen. Bürgermeisterin Julia Zupancic hebt anlässlich der Vertragsunterzeichnung besonders die Leistung des Fachbereichs Soziales durch Leiter Michael Rüddel hervor. „Solch ein Einsatz ist nicht selbstverständlich.“ Auch die Wirtschaftsförderung sei am Projekt beteiligt gewesen.
Moerser Tafel zieht in größere Halle und wird zum Verteilzentrum
Nachdem sich vier Objekte als ungeeignet herausgestellt hatten, habe sich dann plötzlich über Kontakte die Halle an der Raiffeisenstraße angeboten, berichtet Rainer Hellfeier von der Moerser Tafel. Vorsitzender Raffaele Corda: „Jetzt sind alle wieder glücklich.“ Immerhin hat die Tafel nun 500 statt bisher 300 Quadratmeter Platz. Den benötigt sie auch. Denn der Standort Moers ist gleichzeitig ein Warenverteilzentrum für 14 weitere örtliche Tafeln von Xanten, Dinslaken oder Wesel bis nach Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn.

Grenzenlos glücklich ist man bei der Tafel aber noch nicht. Es fehlt beispielsweise noch eine Bushaltestelle. Der nächste Busstopp ist fast einen Kilometer weit entfernt. „Viele unserer Kunden sind alt, schwerbehindert, krank oder alleinerziehend mit Kindern“, erklärt Peter Vorsteher. Dazu meint die Bürgermeisterin: Das falle zwar in die Zuständigkeit der Niag. So könne sie nichts versprechen, nehme die Anregung aber mit ins Rathaus. Zumal sie wisse, dass das Gewerbe vor Ort sowie die Bewohner der nahen Flüchtlingsunterkunft diesen Wunsch hätten.
Überdachung schützt wartende Tafelkunden vor Regen und Sonne
Bereits jetzt wurde eine Überdachung im Außenbereich der Halle geschaffen. „Der ist für die Kunden. Viele von ihnen sind schon morgens um halb acht hier und warten“, erklärt Hellfeier. Karten für die Ausgabe gebe es jedoch erst um 11 Uhr, die Ausgabe starte um 12 Uhr. Die Überdachung habe 14.500 Euro gekostet und sei durch Spenden ermöglicht worden. Spenden seien daher immer nötig und willkommen.
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Die Tafel sei zwar ein Verein mit zahlreichen Ehrenamtlichen. Jedoch schlügen ähnliche Kosten wie bei einer Firma zu Buche, sagt Hellfeier. „Allein 2025 haben Unterhaltung und Reparatur unserer Fahrzeuge 24.000 Euro gekostet.“ Der Umzug werde rund 50.000 Euro kosten. Die Miete sei höher als zuvor und betrage 3500 Euro, plus Nebenkosten von 540 Euro.
Tafel in Moers: Stadt erhöht Unterstützung, Bedarf bleibt groß
Ab September steuere die Stadt Moers monatlich 1400 Euro bei. Über den verbleibenden Fehlbetrag müsse man sich noch unterhalten, meint Michael Rüddel. Was angesichts der finanziellen Lage der Stadt nicht so ganz leicht sei, weiß die Bürgermeisterin. Aber: „Zu überdenken wäre, ob nicht die 14 Kommunen, die von hier aus bedient werden, noch einen Beitrag leisten könnten.“ SPD-Politiker Göke signalisiert guten Willen: „Es wird schwierig, aber wir bleiben im Fachausschuss am Thema dran.“

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173 Tafeln gibt es allein in NRW. Sie versorgen 400.000 Kunden mit Lebensmitteln. In Moers sei die Zahl mit 2000 Kunden derzeit relativ stabil, so Rainer Hellfeier. Oft seien es Wellen, wie beispielsweise durch den Ukraine-Krieg. Und: 60 Prozent der Inhaber eines Tafel-Ausweises seien Frauen. Eine Sorge ist zudem der Rückgang der überschüssigen Waren in den Läden. „Man kauft dort heute viel gezielter ein“, weiß Peter Vorsteher. So knüpfe man jetzt verstärkt Kontakte zu den Herstellern der Waren.




