Wenn Jolanthe zum Einsatz kommt, unsere alljährliche Benefiz-Spendenaktion, bei der Leserinnen und Leser nicht nur ihr Herz öffnen, sondern auch ihren Geldbeutel, geht es darum, denjenigen zu helfen, die es nicht gut haben im Leben, denen es an etwas fehlt, denen es besser gehen könnte. Im Fall der sich dem Ende zuneigenden Spendenaktion aber ging es darum, Menschen etwas zu ermöglichen, zu dem sie nie wieder in ihrem Leben die Gelegenheit bekommen werden: Jolanthe hat in diesem Jahr Sterbenskranken letzte Wünsche erfüllt, indem die Spendengelder an den Wünschewagen flossen, einem Ehrenamtsprojekt des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Regionalverband Ruhr.

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Mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert zu sein, über Menschen zu berichten, die nicht mehr lange Zeit haben, um ihren allerletzten Herzenswunsch zu erfüllen, das lässt auch hartgesottene Berichterstatter schlucken. Und doch war dieses Jolanthe-Jahr so bunt und so getragen von dem Gefühl, genau zur richtigen Zeit (noch) helfen zu können, dass nun, im Rückblick, allein eines überwiegt: Die Freude an der großzügigen Unterstützung durch unsere Leserinnen und Leser, das Möglichmachen dessen, was eben alleine oder durch Angehörige angesichts der körperlichen Einschränkungen und der Pflegebedürftigkeit nicht mehr zu bewerkstelligen gewesen wäre.

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Mülheimer (97) kam die Treppen nicht mehr runter und daher an die Wohnung gefesselt

Wie etwa das letzte Bier mit den alten Kumpels in der Saarner Stammkneipe. Das hat Heinrich, zum Zeitpunkt des vom Wünschewagen-Team ermöglichten Treffens 97 Jahre alt und auf den Rollstuhl angewiesen, sichtlich genossen. Allein hätte der Senior den Weg von seiner Etwagenwohnung in der Altstadt zum Saarner Brauhaus nicht geschafft. „Ich komme ohne Hilfe nicht mehr die Treppe runter, bin an die Wohnung gefesselt. Das ist eigentlich das Schlimmste, ein bisschen wie im Gefängnis“, hatte der Senior erzählt.

Die Fahrt mit dem Wünschewagen nach Saarn, der gesellige Nachmittag im Kreise seiner ehemaligen Kegelbrüder, die er seit Jahrzehnten kennt, aber seit vielen Jahren nicht mehr treffen konnte, war ein absolutes Highlight für den 97-Jährigen – seine strahlenden Augen werden diejenigen kaum vergessen, die ihn bei dieser besonderen Tour begleiten durften. „Sein Gesicht zu sehen, wie er die ganze Zeit gelächelt hat, das war sehr berührend“, sagt auch Peter Brill, der sich ehrenamtlich beim Wünschewagen engagiert und schon einige Fahrten begleitet hat.

Mülheimer Wünschewagen-Aktion: „Auch mit kleinem Aufwand große Erleichterung schaffen“

Für Brill sind es gerade auch diese Wünsche, die auf den ersten Blick eher klein anmuten, weil das Brauhaus in Saarn ja eigentlich direkt vor der Haustür liegt, aber für jemanden wie Senior Heinrich eben unerreichbar erscheinen. „Da muss es gar nicht immer die weite Tour bis an die Nordsee sein“, so der Ehrenamtler, der den Wünschewagen im vergangenen Jahr für die Jolanthe-Spendenaktion dieser Redaktion vorgeschlagen hatte. „Wir haben uns nicht zum ersten Mal beworben und waren umso glücklicher, nun ausgewählt worden zu sein“, blickt Brill zurück.

Den Auftakt zu unserer traditionellen Charity-Aktion, diesmal zugunsten des ASB-Wünschewagens, machte das Neujährchen im Innenhof von Schloß Broich in Mülheim. Peter Brill, ehrenamtlicher Begleiter des Wünschewagens, stellte das Projekt Wünschewagen vor und verkaufte Lose.
Den Auftakt zu unserer traditionellen Charity-Aktion, diesmal zugunsten des ASB-Wünschewagens, machte das Neujährchen im Innenhof von Schloß Broich in Mülheim. Peter Brill, ehrenamtlicher Begleiter des Wünschewagens, stellte das Projekt Wünschewagen vor und verkaufte Lose.© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Tief bewegt hat den Mülheimer auch das Schicksal der Saarner Geschäftsfrau Karin Cruysen, die im vergangenen Jahr gestorben ist. Als die 80-Jährige am Ende ihres Lebens in einem Mülheimer Krankenhaus lag, wollte Anja Cruysen ihrer Mutter kurz vor deren Tod noch zu ein paar schönen Momenten fernab der sterilen Krankenhaus-Atmosphäre verhelfen. Sie bat auf der Station darum, ihre Mutter im Krankenbett nach draußen in den Garten des Krankenhauses zu fahren – „in die Sonne, an die frische Luft“. „Da hieß es dann leider, ich dürfte das nicht und sie hätten auch niemanden, der sie begleiten kann“, erinnert sich Anja Cruysen, die sich daraufhin an den Wünschewagen wandte.

Mutter aus Mülheim wäre ohne Wünschewagen nicht ans Grab ihres Sohnes gekommen

Der ehrenamtliche Betreuer Peter Brill und eine ehemalige Krankenschwester haben es dann möglich gemacht, Karin Cruysen in ihrem Bett in den kleinen Park zu schieben. Auch wenn das Team des Wünschewagens keine große Fahrt für ihre Mutter organisieren musste, sondern „einfach da“ war, sei sie unglaublich dankbar, sagt Anja Cruysen. „Das nimmt man mit in die Trauer, auch wenn der Rest so brutal ist. An diesen schönen Moment werde ich mich immer erinnern.“ Auch diese Unterstützung durch Ehrenamtliche des Wünschewagens zeige, so Peter Brill, dass „man mit kleinem Aufwand für den Betreffenden eine große Erleichterung – für alle Beteiligten – erreichen kann“.

Die Besatzung des Wünschewagens v.l. Peter Brill, Peter Lottmann und Georg Gooßens, die ehrenamtlich Fahrten begleiten.
Die Besatzung des Wünschewagens v.l. Peter Brill, Peter Lottmann und Georg Gooßens, die ehrenamtlich Fahrten begleiten.© FUNKE Foto Services | Christoph Wojtyczka

Zutiefst ergreifend war auch die Hilfsaktion für eine Mülheimerin, die mit ihrer Familie am Entenfang wohnt. Waltraud Nolden, Anfang 70 und selbst bettlägerig, wäre ohne die Unterstützung des Wünschewagens nicht in der Lage gewesen, die Beerdigung ihres mit nur 33 Jahren verstorbenen Sohnes Pascal zu besuchen. Durch den Transport mit dem Wünschewagen und die Betreuung durch Ehrenamtler, die in der Regel aus pflegerischen Berufen kommen, war es möglich, dass sie Mutter bis zum Grab ihres Sohnes auf dem Duisburger Waldfriedhof gelangen und so Abschied nehmen konnte.

Neue Jolanthe-Spendenaktion: Wer soll profitieren?

Komplett unentgeltlich ist die Hilfe des Wünschewagens für diejenigen, die sie in Anspruch nehmen – ganz gleich, wie weit die Fahrt auch ist, ob auch Kosten für eine Übernachtung oder Eintrittsgelder wie beispielsweise bei Konzerten oder fürs Fußballstadion anfallen. Der Wünschewagen befördert den betreffenden Gast sowie einen Angehörigen kostenfrei. Kranken- und Pflegekassen zahlen hingegen nicht für eine private, also therapeutisch nicht notwendige Fahrt im Krankentransportwagen.

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Um das Projekt am Laufen zu halten, ist der ASB auf Spenden angewiesen. Bei unserer alljährlichen Benefiz-Aktion Jolanthe, die für den Wünschewagen noch bis zum Auftakt der neuen Spendenrunde Anfang Januar läuft, haben großzügige Leserinnen und Leser bislang (Stand 27. Oktober) insgesamt 20.035,01 Euro gespendet. Gemeinsam mit dem Team des Wünschewagens sagt unsere Redaktion dafür aus tiefstem Herzen „danke schön“. Neben der großen finanziellen Unterstützung sieht Peter Brill zudem einen weiteren Gewinn für den Wünschewagen: „Durch das Renommee von Jolanthe hatten wir die Möglichkeit, unserer Angebot bekannter zu machen – das ist unglaublich hilfreich.“

Wem soll Jolanthe im kommenden Jahr zur Seite stehen, welcher Organisation oder Initiative soll die Benefiz-Spendenaktion von WAZ und NRZ 2026 zugutekommen? Hier sammeln wir Vorschläge.

Möchten Sie im Rahmen unserer Aktion Jolanthe für den Wünschewagen spenden? Spendenkonto (Verwendungszweck „Wünschewagen“): DE 05 3625 0000 0175 0342 77, Sparkasse Mülheim. Wer eine Spendenquittung erhalten möchte, gibt bitte seinen vollständigen Namen und seine Adresse an.