Es war und ist die Idee, gleich zum Start eines neuen Jahres etwas Gutes zu tun: Die Benefiz-Aktion Jolanthe von WAZ und NRZ geht mit dem „Neujährchen“ am Sonntag von 12 bis 14 Uhr auf dem Hof von Schloß Broich in ihr 35. Jahr. Der Mann, der die gute Sache erfunden hat, ist in Mülheim auch heute hochgeschätzt. Weil er nicht lange zaudert, sondern zupackt, um Leben in die Stadt zu bringen: Die Rede ist von Rolf Schulze, dem ehrenamtlichen Chef-Organisator des Adventsmarktes. Schulze hat 1991 auch Jolanthe zum Leben erweckt. Bei der Erinnerung daran muss er schmunzeln: „Es war die bescheuertste Idee meines Lebens.“

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„Bescheuert“ aber nur deshalb, weil sich Schulze, seinerzeit enger Mitarbeiter im Büro von Oberbürgermeisterin Eleonore Güllenstern, durch sein Engagement für Jahre darum bringen sollte, ausgiebigst Silvester feiern zu können. Denn es war seine Idee, unter Schirmherrschaft Güllensterns direkt am Neujahrstag am Wasserbahnhof auf der Schleuseninsel eine Veranstaltung für einen guten Zweck aufzuziehen. Mit sich selbst in der Rolle eines amerikanischen Auktionators, der für gestiftete Preise möglichst viel Geld aus den Portemonnaies der Besucherinnen und Besucher lockermachen wollte. Nebenbei: Wer Schulze kennt, kann ahnen, dass ihm das ganz vorzüglich gelang.

Hungersnot: Erstes Mülheimer Neujährchen unterstützte die Russland-Hilfe

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Jolanthe aber war in ihrem ersten Jahr noch namenlos. Es war 1990 die drohende Hungersnot in der Sowjetunion, die die Stadt Mülheim nach einem Aufruf auch von Bundeskanzler Helmut Kohl hatte aktiv werden lassen, um Spenden für das von Michail Gorbatschow auf Erneuerungskurs geschickte Land zu sammeln. Die Stadt Mülheim organisierte kurzerhand mit den Jazzern von „Woodhouse“, der Ruhr-River Jazzband und Gastmusikern für Dezember 1990 ein Benefizkonzert im Festsaal der Stadthalle. Eintritt und Spenden sollten komplett an die Russland-Hilfe gehen, wenn die Gema nicht Ansprüche geltend gemacht und einen Teil der Spendensumme für sich beansprucht hätte...

Jolanthe 2026 für den Verein „Hard for Kids“

Wer das Team von „Hard for Kids“ kennenlernen möchte, ist bei unserer Charity-Veranstaltung „Neujährchen“ herzlich willkommen, die samt Tombola und amerikanischer Versteigerung am Sonntag, 11. Januar, von 12 bis 14 Uhr auf dem Schlosshof von Schloß Broich stattfindet. Für musikalische Untermalung sorgt die Ruhr-River Jazzband. Als Partner sind die Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft (MST), Edeka Paschmann, die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW) und Gastronom Jörg Thon (Haus Bürgergarten, „Wilder Pott“) mit an Bord. Unser Jolanthe-Spendenkonto ist bereits freigeschaltet: DE05 3625 0000 0175 0342 77, Sparkasse Mülheim, Verwendungszweck: Hard for Kids. Weitere Informationen zum Verein auf hard-for-kids.de

Die Veranstaltung sei so erfolgreich gewesen, dass Schulze gleich die nächste Idee gehabt habe, wie noch mehr Spendengelder eingesammelt werden könnten, erinnert sich Manfred Mons, der mit seinen Musikern der Ruhr-River Jazzband bis heute fest verwoben ist mit der Jolanthe-Aktion. „Rolf Schulze hat da nicht lange gefackelt“, sagt Mons. Die Idee für ein „Neujährchen“ am Wasserbahnhof war geboren. Eine Versteigerungsaktion sollte dafür sorgen, dass sich der Spendentopf füllt. Schon zur Premiere waren alle begeistert: Rund 1000 Gäste kamen.

Ruhr River Jazzband zum 35. Mal aktiv für den guten Zweck
1991: Mülheims erstes „Neujährchen“ auf der Schleuseninsel. Oberbürgermeisterin Eleonore Güllenstern (rechts) mit Schornsteinfegermeister Markus Püll (heute ehrenamtlicher Bürgermeister) als Glücksbringer und den Musikern der Ruhr-River Jazzband.© FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich

Spanferkel der Mülheimer Versteigerung erhielt den Namen Jolanthe

Was 1992, bei der zweiten Auflage des Neujährchens, und in folgenden Jahren als Hauptpreis versteigert wurde, wäre heute nicht mehr denkbar: Eine Spenderin hatte bei einem Mülheimer Bauern ein Spanferkel gekauft und zur Verfügung gestellt. Immerhin unter Aufsicht des städtischen Amtsveterinärs, wurde das Ferkel, auf Stroh gebettet, auf die Schleuseninsel gebracht. Als es ersteigert war, so erinnert sich Mons, ging es zunächst zurück zum Bauern...

Ruhr River Jazzband zum 35. Mal aktiv für den guten Zweck
Erfinder des Mülheimer „Neujährches“: Rolf Schulze, hier im Jahr 1995 bei der amerikanischen Versteigerung.© FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich
Ruhr River Jazzband zum 35. Mal aktiv für den guten Zweck
Silvester 1991 schrieb die WAZ zu diesem Bild: „Viel Schwein im neuen Jahr wünscht die WAZ-Redaktion ihren Lesern. Einer von ihnen kann das lebende Ferkel am Neujahrstag beim Jazz-Empfang auf der Schleuseninsel gleich mitnehmen. Gestiftet wurde das Schwein von Christel Ewertz (Bildmitte), begutachtet vom Amtstierarzt Dr. Berger.“© FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich

Tengelmann-Chef Erivan Haub spendete lange Jahre Preise für die Benefiz-Aktion, auch ein bekannter Schornsteinfegermeister der Stadt sorgte mit seiner Erscheinung dafür, dass die Mark rollte für den guten Zweck. Markus Püll, CDU-Politiker und aktuell noch ehrenamtlicher Bürgermeister, streifte stets seine Berufskleidung über, um sich von Fotografen der Stadt oder der örtlichen WAZ und NRZ mit Bürgerinnen und Bürgern ablichten zu lassen – quasi als Glücksbringer-Bild für das neue Jahr. Die Besucher gaben gerne zehn Mark als Spende für ein Foto.

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Mülheims erste Jolanthe-Aktion unterstützte Urwald-Ärztin Irmel Weyer

Bei der Premiere 1991 profitierte noch die Russland-Hilfe vom Mülheimer Benefiz, fortan sollten es gemeinnützige Mülheimer Initiativen sein, denen Jolanthe mit ihren Spenden half. 1992 etwa, als das Jolanthe genannte Spanferkel auch dem Benefiz seinen bis heute präsenten Namen gab, lief die Spendenaktion zugunsten der 2025 verstorbenen Ärztin Dr. Irmel Weyer und ihres Urwaldkrankenhauses im Westen Tansanias - das sie bis 1996 leitete.

Ruhr River Jazzband zum 35. Mal aktiv für den guten Zweck
Das „Neujährchen“ 1992 auf Mülheims Schleuseninsel. Rund 1000 Bürgerinnen und Bürger kamen zum Anlegeplatz der Weißen Flotte.© FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich
Ruhr River Jazzband zum 35. Mal aktiv für den guten Zweck
Immer dabei: Manfred Mons von der Ruhr-River-Jazzband beim Mülheimer „Neujährchen“ 1994.© FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich

Als die Stadt später unter MST-Chef Stefan Zowislo ausstieg aus Jolanthe, übernahm die WAZ-Redaktion, ebenfalls seit Beginn an dabei, die Organisation des „Neujährchens“. Die Ruhr-River Jazzband blieb treue Partnerin. Die Jazzer werden auch an diesem Sonntag im 35. Jahr bei Jolanthe dabei sein.

Im Jahr 2026 profitiert der Verein „Hard for Kids“, der krebskranke Kinder und deren Familien unterstützt. Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind am Sonntag, 11. Januar, beim „Neujährchen 2026“ hoffentlich dabei. Die gute Sache zählt auf Sie!