Hat unser Kind bereits Erfahrungen mit Lachgas gesammelt? Eine Frage, die viele Eltern von Jugendlichen umtreibt. Denn anders als beim Kiffen, das sich klassischerweise durch gerötete Augen verrät, gibt es bei Lachgas keine deutlichen Anzeichen. „Wenn der Jugendliche sich eine Stunde vorher mit Freunden getroffen und das allererste Mal Lachgas konsumiert hat, gibt es wenig Chancen, was zu bemerken“, sagt Lea Würzinger von der Ginko Stiftung für Suchtprävention in Mülheim.

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Hintergrund: Der Rausch, der durch das Inhalieren aus Luftballons oder direkt aus der Kartusche entsteht, ist nach maximal einer Minute wieder vorbei. Häufiger Lachgas-Konsum hingegen kann - muss aber nicht - zu motorischen Ausfällen führen. „Dann wundert man sich als Elternteil zum Beispiel: ‚Huch, wie geht er denn die Treppe hoch?‘. Oder es fällt auf, dass der Jugendliche kurzfristig etwas verlangsamt im Denken ist“, beschreibt Lea Würzinger.
Seit dem 12. April darf Lachgas nicht mehr an Minderjährige verkauft werden
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Lachgas hat sich als Partydroge unter Jugendlichen etabliert. Das verraten nicht nur die leeren Kartuschen und Luftballons, die immer wieder in Parks oder auf Gehwegen zurückgelassen werden. Daran soll sich etwas ändern. Seit dem 12. April dürfen Minderjährige bundesweit kein Lachgas mehr kaufen oder besitzen.
Lea Würzinger geht dennoch davon aus, dass Lachgas als Rauschmittel unter Jugendlichen dadurch nicht komplett verschwinden wird. „Die, die es wirklich wollen und neugierig sind, die finden ihre Wege, es zu beziehen.“
Hintergrund des Verbots ist, dass das farb- und geruchslose Gas zahlreiche Gesundheitsrisiken birgt. Dazu zählen Bewusstlosigkeit, Erfrierungen an Händen, Lippen und der Lunge, wenn man über die kalte Kartusche direkt inhaliert. Mit der Zeit drohen Nervenschäden - unter anderem, weil Lachgas die chemische Struktur von Vitamin B12 verändert. Der Körper kann das Vitamin, das für die Nervenfunktion wichtig ist, dann nicht mehr nutzen. Betroffene erleben etwa ein Kribbeln und Taubheitsgefühle an Händen und Füßen, auch Muskelschwäche und Gangstörungen seien dem Portal drugcom.de zufolge möglich. Dazu kommt: Regelmäßiger und häufiger Konsum kann psychisch abhängig machen.
Expertin: Eltern sollten positive Botschaft vermitteln: „Du bist mir wichtig“
Haben Eltern den Verdacht, dass ihr Kind Lachgas konsumiert, möchten sie das Thema ansprechen. Aber wie? „Wenn Jugendliche wissen: ‚Ich kann auf meine Eltern zählen, auch wenn ich Mist baue‘, dann ist das immer ein Türöffner für sie, auch über schwierige Dinge zu sprechen“, sagt Lea Würzinger. Wichtig sei erst einmal, dass der Rahmen für das Gespräch stimme. Es sollte also kein Zeitdruck herrschen. Oft sei auch ein Gespräch unter vier Augen hilfreicher als eines unter sechs Augen.
Jugendliche müssen wissen: ‚Ich kann auf meine Eltern zählen, auch wenn ich Mist baue‘
Lea Würzinger , Ginko Stiftung, Landesfachstelle Suchtprävention in Mülheim
Eltern sollten - rät Würzinger - mit einer positiven Aussage ins Gespräch starten, ehe sie das kritische Thema etwa als Sorge oder Beobachtung platzieren, zum Beispiel so: „Letztens hat eine Freundin erzählt, dass ihr Sohn Lachgas genommen hat. Kennst du das auch?“ Im Anschluss folgt dann eine positive Botschaft wie: „Du bist mir wichtig und ich will wissen, was dich beschäftigt.“
Statt Besserwisser-Modus: Eltern und Jugendliche sollen sich gemeinsam informieren
Der Besserwisser-Modus kommt Lea Würzinger zufolge bei den Jugendlichen meist nicht gut an. „Und auch Anschuldigungen, Lautstärke oder Beschämungen erschweren ein verständnisvolles Gespräch.“ Generell gilt: Die Grundhaltung ‚Wir beide gegen das Problem‘ führt meist weiter als ‚Wir beide gegeneinander‘.
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Hilfreich kann sein, dem Jugendlichen eine Expertenrolle zuzuweisen, etwa indem man sich als Mutter oder Vater vom Kind erklären lässt, was es zum Thema Lachgas weiß. Das signalisiert Wertschätzung und ermöglicht einen Austausch auf Augenhöhe. Eine weitere Strategie, die Lea Würzinger vorschlägt: gemeinsam mit dem Nachwuchs in die Recherche zum Thema einsteigen, nach dem Motto ‚Lass‘ uns doch mal gemeinsam informieren, dann kann ich auch etwas lernen.‘
Die Expertin rät Eltern außerdem, externe Hilfsangebote in Betracht zu ziehen. «Wenn die Situation überfordert und ein Gespräch in Ruhe gar nicht möglich ist, ist es immer angebracht, eine Elternberatung in Anspruch zu nehmen oder dem Jugendlichen eine Jugendberatung ans Herz zu legen.» Das gilt gerade dann, wenn es schon Ausfallerscheinungen bzw. Hinweise auf eine Abhängigkeit gibt. (dpa)








