Seit mehr als vier Jahren herrscht Krieg in der Ukraine. Viele Menschen leben in Angst und Schrecken, immer wieder gibt es Tote und Verletzte, und oft auch einen Mangel an überlebenswichtigen Dingen.

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Vor mehr als vier Jahren hat sich dadurch auch das Leben eines Mülheimer Gastwirts verändert. Sergio Sirik, seit 2017 Inhaber der „Walkmühle“, stammt aus der Ukraine und hat gleich zu Beginn des Konflikts entschieden: Ich helfe den Menschen in meiner alten Heimat. Sein Engagement ist bis heute ungebrochen. Nach wie vor gibt es zum Glück auch Unterstützung von Institutionen und Unternehmen. „Bei Privatleuten allerdings ist mittlerweile eine gewisse Spendenmüdigkeit eingetreten“, bedauert er.

Samstagmittag in der Walkmühle: Die Anysetiers leisten mal wieder einen Beitrag zu Siriks humanitärer Hilfe; sie überreichen einen Scheck über 2500 Euro an den von ihm mitgegründeten deutsch-ukrainischen Verein Opora. Schon in den vergangenen Jahren haben der Mülheimer Steuerberater Ralf Sterzenbach und seine Mitstreiter vom „Ordre International des Anysetiers Commanderie Region Rhein/Ruhr“, wie die Vereinigung offiziell heißt, Beiträge geleistet. 2022 waren es seinen Angaben zufolge über 30.000 Euro, in den Folgejahren etwas weniger, aber durchaus immer noch Summen im vierstelligen Bereich.

Ukrainischer Jugendchor tritt in Mülheim auf: als kleines Dankeschön

Kürzlich habe der „internationale Freundeskreis“, so Sterzenbach, „der weltweit rund 3000 Mitglieder hat und dessen Name zurückgeht auf die mittelalterliche Apotheker-Zunft, die Sternanis verarbeitete“, den dritten Samstag im April zum „Tag der Anysetiers“ auserkoren, mit Spenden vielerorts. Als hiesiger Vorstand übergab er das Geld im Rumbachtal. Und durfte sich als kleines Dankeschön auch am Auftritt des ukrainischen Jugendchors Farbmusik erfreuen.

Spende des Ordre International des Anysetiers Commanderie Region Rhein/Ruhrin an den Verein Opora in Mülheim an der Ruhr
Ralf Sterzenbach (2. v.l.) vom Ordre International des Anysetiers Commanderie Region Rhein/Ruhr überbrachte am Samstag eine Spende in Höhe von 2500 Euro an den Mülheimer Hilfsverein Opora, hier vertreten durch den Vorsitzenden Igor Denysiuk (l.), den Unternehmer Thomas Schiemann sowie Sergio Sirik von der Walkmühle (r.).© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Für Sergio Sirik und seinen Freund, den umtriebigen Essener Unternehmer Thomas Schiemann, sind solche Spendenaktionen ein Geschenk. Immer wieder gelingt es ihnen, Organisationen zur Unterstützung für die Ukraine zu bewegen. Der 49-Jährige ist glücklich darüber. Auch wenn er seit über 20 Jahren in Deutschland lebt: Sein Herz ist bei den Verwandten und Freunden, die er nach wie vor in dem osteuropäischen Land hat. Genauer: in Charkiw. Jener Stadt nahe der Grenze zu Russland, die zu den ersten gehörte, die 2022 angegriffen wurden. „Mein Vater sah die Panzer als einer der ersten kommen.“

Sirik ist „glücklich über all die empathischen Menschen“, die er in der Not getroffen hat

Für ihn stand damals sofort fest: „Ich rette, wen ich retten kann. Und mache, was nötig ist.“ Bereits nach wenigen Tagen startete ein Transport mit Hilfsgütern von Mülheim aus gen Osten. Sirik gelang es, Menschen aus unterschiedlichsten Teilen der Gesellschaft zu mobilisieren. „Hier sind sogar ganze Klassen vorbeigekommen, von der Luisenschule, der Hölterschule und anderen.“ Sie hatten Kleidung dabei, Spielsachen und so viel mehr, was die Ukrainer auf einen Schlag bitter nötig brauchten. Sirik ist noch heute „glücklich über all die empathischen Menschen“, die er seither kennenlernen durfte.

Ich wünsche mir, dass jeder Mensch, dem es nicht gleichgültig ist, dass es solch unfaire Kriege gibt, hilft. Das muss nicht mit Geld sein, das können auch Sachspenden sein oder Mithilfe bei einer unserer Aktionen.

Sergio Sirik, Mülheimer Gastwirt

Bald darauf entstand die Idee, den Verein Opora zu gründen. Sirik sitzt bis heute im Vorstand, gemeinsam mit Igor Denysiuk, ukrainischer Fußballer, der einst bei Rot-Weiss Essen auflief, und seinem Freund Schiemann. Dessen Motivation zur großzügigen Hilfe begründet sich auch darin, dass er „einer der größten Lebensmittellieferanten der Ukraine“ ist. Mit unterschiedlichen Organisationen – darunter der Caritas Essen – sei es im gelungen, über die Jahre allein zwei Millionen Euro an Spendengeldern zu akquirieren. Auch der Verein Opora habe schon einen „Betrag im unteren sechsstelligen Bereich“ für diesen Zweck gesammelt.

2024 ging eine komplette Hoteleinrichtung nach Ternopil

Es gibt viele beeindruckende Zahlen, die die Hilfe belegen, darunter auch diese: „Allein 2025 haben wir über 30 Transporter in die Ukraine geschickt, mit je 32 Europaletten und bis zu 20 Tonnen Ware.“ Autos für Hilfsorganisationen, Krankenhausbetten, Rollatoren, Geschenke für Kinder oder mehrere Tonnen Wachs, das eingeschmolzen wurde für neue Kerzen, wurden versendet, in große Städte ebenso wie in kleine Dörfer. 2024 ging sogar eine komplette Hoteleinrichtung nach Ternopil, erinnert sich Sirik. „Daraus sind Reha-Zimmer entstanden für Soldaten, die von der Front kommen.“

2. Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine. Kundgebung ukrainisch-deutscher Vereine wie Opora. Stadtdirektor Peter Renzel spricht.
Mitglieder des Vereins Opoda, der von Mülheim und Essen aus Hilfe für Menschen in der Ukraine organisiert, treten auch auf Demos wie dieser auf (Themenbild).© FUNKE Foto Services | Vladimir Wegener

Opora arbeitet mit Supermarktketten vor Ort zusammen, organisiert Evakuierungsfahrten, stellt Generatoren und Powerbanks zur Verfügung und finanziert auch Wiederaufbauarbeiten nach Bombardements mit. Und auch vor Ort in Mülheim hilft man immer wieder, finanziert etwa Kurse für die Flüchtlinge, berät sie und vermittelt Kontakte zu Arbeitgebern. „Wir möchten, dass sich die Menschen schnell integrieren und etwas für Deutschland leisten können.“

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Auch wenn es durch ein immer größeres Netzwerk bei der Unterstützung durch die Institutionen tatsächlich ein Wachstum gebe: „Bei den Privatleuten lässt das Engagement leider nach“, so Schiemann. Es seien nur noch die Hälfte der Menschen von früher oder vielleicht etwas mehr, die sich einbringen. „Es gibt bei Krisen einfach irgendwann einen Ermüdungseffekt.“ Nach drei, vier Jahren hätten viele ehemalige Spender das Gefühl: „Ich habe doch jetzt schon so viel gegeben.“ Das sei bitter, aber irgendwie auch verständlich.

Aktuell wichtig sind Geldspenden, Medizin sowie technische Ausstattung

Sergio Sirik indes resigniert trotzdem nicht: „Ich wünsche mir, dass jeder Mensch, dem es nicht gleichgültig ist, dass es solch unfaire Kriege gibt, hilft. Das muss nicht mit Geld sein, das können auch Sachspenden sein oder Mithilfe bei einer unserer Aktionen.“ Was vor Ort aktuell wirklich gebraucht wird? „Geldspenden für flexible, schnelle Hilfe, Medizin, technische Ausstattung, Energieversorgung wie Generatoren.“ Kleidung sei „bereits ausreichend vorhanden“. Auch Briefe mit lieben, persönlichen Worten oder Päckchen mit Kleinigkeiten für Kinder sind eine wunderbare Idee: „Das gibt den Menschen Hoffnung und verbindet uns.“

Weitere Informationen: opora-ua.de