Nach dem tragischen Fund einer Leiche am Donnerstagabend, 11. Juni, am Mülheimer Schleuseninsel-Kraftwerk laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat eine Mordkommission eingerichtet. Die Polizei ermittelt auch in Richtung eines Unfalls. Was sie nun dringend braucht, so Sprecher Hendrik Heyer am Freitagnachmittag auf Nachfrage, sind Zeugen. „Bis jetzt kennen wir niemanden, der gesehen hat, was genau passiert ist.“

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Gegen 17.50 Uhr am Donnerstag war der Notruf von Mitarbeitern des Kraftwerkbetreibers RWW bei der Feuerwehr eingegangen. Passanten hatten sie darauf aufmerksam gemacht, dass unweit der Fischtreppe ein offenbar lebloser Körper in der Ruhr treibe. In den kommenden zwei Stunden lief am Wasserbahnhof ein Großeinsatz: Kräfte von Feuerwehr und Polizei sperrten den Ort mit Flatterband ab, Fußgänger und Radfahrer mussten sich alternative Wege suchen.

Mülheimer teilen traurige Nachricht in ihren Netzwerken

Laut Feuerwehr-Einsatzleiter Michael Lülf schalteten die Einsatzkräfte zunächst das Kraftwerk ab, auch, um gefährliche Strömungen zu verhindern. Anschließend ließen sie ein Boot zu Wasser und bargen die Person. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, handelt es sich bei ihm um einen 68 Jahre alten Mülheimer. In den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Nachricht vom traurigen Fund schnell. Die Kommentare zeugen von Betroffenheit und Anteilnahme – und auch davon, dass so manchem Mülheimer gerade klar wurde, dass ein alter Bekannter für immer gegangen ist.

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Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand war der 68-Jährige gegen 13 Uhr mit einem E-Scooter im Bereich der Schleuseninsel unterwegs und offenbar auf dem Weg nach Hause. Noch, so die Polizei, ist unklar, wie er überhaupt in die Ruhr gelangte. Ein Unfall wird nicht ausgeschlossen. Doch offenbar denken die Beamten auch über ein Fremdverschulden nach. Um den Vorfall lückenlos aufzuklären, wurde die Mordkommission eingerichtet.

Mordkommission ermöglicht den Einsatz von deutlich mehr Personal

„Das klingt oft schlimmer, als es wirklich ist“, erklärte Sprecher Hendrik Heyer auf Nachfrage. „Vorteil einer solchen Mordkommission ist, dass wir ganz andere Ressourcen für unsere Arbeit zur Verfügung haben und ganz andere Personalkapazitäten.“ So könne man zum Beispiel mit größerer Manpower an die Spurensicherung gehen, an die Auswertung von Daten aus Kameras oder Funkmasten oder auf die Suche nach Zeugen.

Am Freitag stand auch die Obduktion an. Möglicherweise komme man der Todesursache auch darüber ein Stück näher, so Heyer. „Nach Fremdverschulden“, wusste er bereits zu berichten, „sieht es nach erster Sichtung wohl eher nicht aus.“

Den Großeinsatz am Donnerstagabend am Mülheimer Wasserbahnhof haben viele Fußgänger und Radfahrer mitbekommen.
Den Großeinsatz am Donnerstagabend am Mülheimer Wasserbahnhof haben viele Fußgänger und Radfahrer mitbekommen.© Deike Frey

Polizei sucht Mülheimer, die den E-Scooter des Toten gefunden haben sollen

Die Ermittler hoffen auf Zeugen, die am Donnerstag etwas Verdächtiges im Bereich der Schleuseninsel beobachtet haben oder Angaben zum möglichen Unfall des Mannes machen können. „Darüber hinaus“, so hieß es in einer Pressemitteilung am Freitag, „gibt es Hinweise darauf, dass zwei junge Männer den E-Scooter des Mülheimers gefunden und bei einer nahegelegenen Gastronomie abgegeben haben. Die beiden werden ebenfalls gebeten, sich bei der Polizei zu melden, um den genauen Fundort des E-Scooters ermitteln zu können.“

Wer sachdienliche Angaben zu dem Vorfall machen kann, soll sich bitte bei der Polizei in Essen per E-Mail an hinweise.essen@polizei.nrw.de oder telefonisch unter 0201/8290 melden.