51 Menschen, die an die Weseler Drogenberatungsstelle angeschlossen waren, sind in den vergangenen zehn Jahren an den direkten oder indirekten Folgen ihres Konsums verstorben. 2021 „war ein trauriges Rekordjahr“, sagt Martin Peukert, in dem starben 13 seiner Klienten, im Vorjahr 2024 gab es fünf Todesfälle. „Dieses Jahr haben wir noch gar keinen“, so Peukert weiter, „aber es gibt ein paar, die gesundheitlich angeschlagen sind.“

Vernetzung ist wichtig

Der Grund, warum Martin Peukert am Montagvormittag in der Weseler Fußgängerzone über diese Zahlen spricht, ist der Drogentotengedenktag. Mit einem Infostand wollen die Drogenberatungsstelle und ihre Netzwerkpartner auf die Schicksale der verstorbenen Drogengebraucher und -gebraucherinnen aufmerksam machen. Mit dabei sind das Jobcenter, eine Genesungsbegleiterin von Spix, der Fachbereich „Betreutes Wohnen“ vom Lühlerheim, die Arztpraxis Wefelnberg und die Bewährungshilfe. „Vernetzung ist schon wichtig“, sagt Peukert, mit all dieses Stellen steht er regelmäßig in Kontakt.

Drogenberatungsstelle betreut rund 200 Menschen

Rund 200 Menschen sind an die Drogenberatungsstelle in Wesel angebunden – das sind Schwerstabhängige, aber auch Jugendliche mit Auflagen und Angehörige von Suchtkranken. Außerdem gehören Substituierte dazu, also Heroinabhängige, die den Ersatzstoff Methadon bekommen. „Dadurch haben wir viele, die es schaffen, Verantwortung zu übernehmen. Die ihre Kinder großziehen können und die wir auf dem Arbeitsmarkt integrieren können“, erklärt Peukert.

Neben der Unterstützung vor Ort, die die Drogenberatungsstelle und ihre Netzwerkpartner bieten, gehört es auch zu ihrer Arbeit, Hilfesuchende in Entgiftungen und Reha-Kliniken zu vermitteln. Im Jahr 2024 habe es rund 20 Therapie-Vermittlungen in Reha-Kliniken gegeben, sagt Martin Peukert.

Darauf allerdings warten die Betroffenen derzeit vier bis sechs Monate. Zudem ist die Nachsorge, insbesondere im psychiatrischen Bereich, schwierig. Im Kreis Wesel fehlt es unter anderem an Fachärzten und Therapeuten.

„Wohnungslosigkeit ist ein großes Thema bei unseren Leuten“, erklärt Peukert. Und Meike Flohr von der Evangelischen Stiftung Lühlerheim ergänzt: „Stigmatisierung ist ein Riesen-Problem“, daher sei es schwierig, Vermieter zu finden, die bereit sind, an einen Menschen mit Suchterkrankung zu vermieten. Oder an jemanden, der bereits aus der Wohnungslosigkeit kommt.

Perspektivlosigkeit und psychische Probleme

Eine weitere Entwicklung, mit der sich die Drogenberatungsstelle konfrontiert sieht, ist der Konsum vieler verschiedener Substanzen. Früher, sagt Martin Peukert, waren die Szenen getrennt. Da haben die Alkoholiker nur Alkohol getrunken, die Heroinabhängigen nur Heroin gespritzt. „Heute ist alles vermischt“, sagt er. Ein Grund dafür sei die höhere Risikobereitschaft, ausgelöst durch Perspektivlosigkeit, psychische Probleme und die mangelnde Betreuung durch Fachärzte: Da wächst die Bereitschaft, „alles zu nehmen, was breit macht.“

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Die Folge: Die Menschen altern vorzeitig, sterben oftmals schon zwischen Mitte 40 und Mitte 50 an den Folgeerkrankungen wie COPD, Leberzirrhose oder anderen Organschäden. „Früher waren die Leute entweder mit 40 clean oder tot“, verdeutlicht Peukert. Heute werden sie zwar älter, sind dann mit 50 körperlich bereits angeschlagen wie ein 70-Jähriger.

Netzwerk hilft auf kurzen Wegen

Umso wichtiger ist also das Hilfsnetzwerk, das die verschiedenen Einrichtungen bilden. Beim Jobcenter gibt es beispielsweise seit einigen Jahren ein Projekt, bei dem Menschen mit Suchtproblematik in die sogenannte „Arbeitsgelegenheit Natur“ kommen können. An vier Tagen die Woche können sie zusammen mit dem Nabu Hecken schneiden, Nistkästen aufhängen, Grünflächen pflegen. Dafür gibt es 1,50 Euro die Stunde, zusätzlich zum Bürgergeld. „Es geht um eine Tagesstruktur für die Leute“, erläutert Martin Gerten vom Jobcenter, „um Stabilität und dass man lernt, wieder am Leben teilzunehmen.“

Jeweils für sechs Monate können die Suchterkrankten an der Arbeitsgelegenheit teilnehmen, danach stellt sich die Frage: „Können wir den Blick Richtung Arbeitsmarkt werfen?“, erläutert Gerten. Dabei geht es übrigens nicht immer nur um Vollzeitstellen, sondern auch um Teilzeit- oder Minijob-Möglichkeiten: „Wenn jemand zehn oder 20 Jahre nicht gearbeitet hat, ist jede Arbeit ein Erfolg.“ Das betont auch Martin Peukert: Denn auch wenn jemand, zum Beispiel dank Arbeitsgelegenheit oder Minijob, weniger konsumiert als vorher, ist das ein Erfolg für die Drogenberatung und ihr Netzwerk.