Zusammenfassung

  • Venlos beliebter Supermarkt „2 Brüder“ kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten.
  • Der Supermarkt hat Corona-Schulden von über acht Millionen Euro und erhält keine staatlichen Schuldenerlasse.
  • Ein Verfahren zur Sanierung wurde eingeleitet, um die Schließung zu verhindern und die Bedeutung des Ladens für die Venloer Innenstadt zu sichern.

Gut 80.000 Kunden schieben sich Woche für Woche durch die Gänge – trotzdem kämpft Venlos beliebteste Konsumhalle ums Überleben. Weil der Supermarkt „2 Brüder“ in finanziellen Schwierigkeiten steckt, warnt der Handelsverband der Ausflugsmetropole vor unkalkulierbaren Folgen einer möglichen Schließung. Sollte es so kommen, seien die Tage der Innenstadt gezählt, sagte Stan Heijsters, seit 2024 Vorsitzender der „Ondernemersvereniging Binnenstad“, zum Limburger Regionalsender L1.

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Das Lebensmittelgeschäft zieht deutsche Einkaufstouristen an. Ohne sie werde das Zentrum veröden. „Sie frühstücken hier gemütlich, erledigen den nächsten Einkauf und nehmen dann ein langes Mittagessen“, so Heijsters. „Wenn die ,2 Brüder‘ irgendwann schließen würden, was würde dann aus Venlo? Ich will es gar nicht wissen.“

„2 Brüder“ renovierten zur falschen Zeit

Der 5000 Quadratmeter große Traditionsladen war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, nachdem bekannt wurde, dass er beträchtliche Corona-Schulden hat. „Diese Schulden belaufen sich auf mehr als acht Millionen Euro“, sagte Bart Rehe, Geschäftsführer des hinter der Marke stehenden Investors Billie Lucky Group, zu niederländischen Medien. Es sei ein Problem, dass die „2 Brüder“ staatliche Corona-Hilfen komplett abbezahlen sollten. Anderen niederländischen Unternehmen hingegen werde ein Teil ihrer Schuld erlassen. Sie müssten Umsatzzahlen aus den beiden Jahren vor der Pandemie vorlegen – als Nachweis, dass der Betrieb zuvor wirtschaftlich gesund war.

„Bei uns waren die Umsätze aufgrund einer umfassenden, anderthalbjährigen Renovierung des Ladens nicht so, wie sie sein sollten“, so Rehe. 2019 war das Geschäft vorübergehend in einen provisorischen Verkaufsraum gezogen, währenddessen erneuerte der Esswarenriese seinen Stammsitz. Das habe Millionen gekostet und zur Folge gehabt, dass kurz vor Corona weniger verkauft worden sei.

Mehr über die Ausflugsmetropole Venlo

Man habe Lieferanten und die Stadtverwaltung informiert, dass die „2 Brüder“ ein sogenanntes WHOA-Verfahren eingeleitet hätten, sagte Rehe. Dieses ermöglicht es Unternehmen mit Finanzproblemen nach niederländischem Recht, sich zu sanieren, ohne Insolvenz anmelden zu müssen. „Ein WHOA-Verfahren kann nur eingeleitet werden, wenn das Unternehmen lebensfähig ist“, betonte er.

„2 Brüder“ in Venlo: Investor gibt Bestandszusage

Der Geschäftsführer versicherte, der Supermarkt werde nicht schließen. „Die Filiale in Venlo gibt es seit 64 Jahren, und wir bereiten uns darauf vor, noch mindestens weitere 64 Jahre dort zu sein.“ Die Billie Lucky Group fühle sich verantwortlich für die 220 Mitarbeiter der „2 Brüder“ – und für die Venloer Innenstadt. Die Gruppe wisse um die Bedeutung des Ladens als Frequenzbringer.

Der bekannteste Supermarkt der Niederlande war von zwei Gemüsehändlern gegründet worden, die seit Anfang der 60er-Jahre mit Kaffeekäufern aus Deutschland Geld machten. Zum Fressalienimperium gehören eine weitere Filiale nahe der A57 bei Goch sowie der Supermarkt und das Fischlokal „Backus aan de Grens“ zwischen Venlo und Straelen-Herongen am Niederrhein.