Anti-Asyl-Demonstranten, die eine Autobahn stürmen. Gewalttätige Attacken auf Polizisten, ein brennendes Einsatzfahrzeug, zerschlagene Fenster eines Büros einer linksliberalen Partei: Nach den Krawallen vom Wochenende in Den Haag stellt sich die Frage, wie die Demonstrationen für eine Verschärfung der niederländischen Asylpolitik derart aus dem Ruder laufen konnte. Antworten auf die drei wichtigsten Fragen.
Wer hatte zur Demo aufgerufen?
Initiatorin war eine 26-jährige Frau, die sich in sozialen Netzwerken „Els Rechts“ nennt. Tatsächlich heißt sie Els Noort und steht dem Populisten Geert Wilders nahe, den sie für einen „tollen Kerl“ hält. Noort setzt sich dafür ein, dass weniger Migranten in die Niederlande kommen. In Onlinevideos macht sie deutlich, worum es ihr geht. „Echten Flüchtlingen“ müsse geholfen werden, betont sie. Viele Asylsuchende hätten jedoch „keinen Respekt“ vor der niederländischen Kultur. „Wenn sie den Gesetzen des Korans Vorrang vor der Verfassung geben, dann gehören Sie nicht hierher.“
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Nach der Eskalation distanzierte sie sich von den Gewalttätern. Sie sei „schockiert“ und werde nie wieder ein solches Treffen organisieren.
Warum ist die Demo eskaliert?
Offenbar haben sich Randalierer unter friedliche Demonstranten gemischt. Die Polizei spricht von 1200 Personen, die gezielt für Aufruhr gesorgt hätten. Ihnen ging es anscheinend darum, Angst zu verbreiten und sich zugleich als Anwälte des niederländischen Volks zu gerieren. Sie habe gesehen, wie Demonstranten auf eine Ladenbesitzerin zugegangen seien, sagte die Politikforscherin Willemijn Kadijk laut der Zeitung „Het Parool“. Die Frau habe sich gefürchtet, dass sie ihr Geschäft verwüsten würden. „Sie sagten ihr: ,Sie sind weiß, gnädige Frau, Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen.‘“
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Augenzeugen zufolge waren die meisten Randalierer schwarz gekleidet, einige trugen Masken. Viele schwenkten orange-weiß-blaue sogenannte Prinzenflaggen, die einst der National-Sozialistischen Bewegung (NSB) der Niederlande als Symbol dienten und heute von Rechtsextremen verwendet werden. Auf einem orangefarbenen Banner stand „Remigration“.
Wer waren die Aufständischen?
Es handelte sich nach Angaben der Den Haager Polizei um Mitglieder sogenannter Defend-Gruppen sowie um Hooligans aus dem Umfeld von Fußballvereinen. Diese Defend-Gruppen entstanden zu Beginn der Corona-Pandemie in mehreren niederländischen Städten. Sie lehnten die Corona-Politik ab und verbreiten mitunter Verschwörungstheorien. „Das sind Gruppen, die ganz bewusst die Konfrontation mit der Polizei suchen und exzessive Gewalt anwenden. Die Konfrontation mit ihrem natürlichen Feind gibt ihnen einen Nervenkitzel“, so Jelle van Buuren, Experte für Sicherheitspolitik und Dozent an der Universität Leiden.

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Die Mitglieder behaupten van Buuren zufolge, es gehe ihnen bei ihren Aufmärschen nur darum, friedliche Demonstranten vor exzessiver Polizeigewalt zu schützen. Anhand von Bannern, die die Unruhestifter umhertrugen, ließ sich ablesen, dass sie aus Volendam, Kerkrade, Alkmaar, Helmond, Groningen, Nimwegen, Waalwijk und Den Haag kommen.





