In den Niederlanden gibt es Streit um eine wissenschaftliche Studie über Wölfe in dem Nachbarland: Wie mehrere Medien berichten, sei die Universität Wageningen empört über Aussagen von Staatssekretär Jean Rummenie von der Partei BBB (Bauer-Bürger-Bewegung).

Wie die Zeitung „De Volkskrant“ berichtet, habe der Politiker aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei, Ernährungssicherheit den Wissenschaftlern vorgeworfen, eine „unbrauchbare“ Untersuchung durchgeführt zu haben. Hintergrund sei das Fazit der Studie, dass es aus ökologischer Sicht ausreichend Platz für 23 bis 56 Wolfsrudel gebe. Dies sei jedoch offenbar nicht das Ergebnis, was Rummenie hören wollte. Dieser hatte offenbar erwartet, dass bei der Studie berücksichtigt würde, dass die Niederlande ein kleines und dicht bevölkertes Land ist.

Hitziger Streit zwischen Staatssekretär und Uni

Wie die niederländische Nachrichten- und Diskussionsplattform Foodlog zu dem Thema ergänzt, wirke der hitzige Streit zwischen Staatssekretär Rummenie (BBB) ​​und der Wageninger Universität über den Wolf wie ein alltäglicher Konflikt. In Wirklichkeit offenbare die Affäre, warum die Niederlande seit den 1990er Jahren in ihrer Naturpolitik feststecke: Die Regierung werfe wissenschaftliche Fragen auf, um politische Entscheidungen zu vermeiden.

Der Staatssekretär hatte von den Forschern der Universität wissen wollen, wie viele Wolfsrudel die Niederlande leben könnten. Sie taten dies wie echte Populationsbiologen: Sie untersuchten die Menge des geeigneten Lebensraums und kamen zu dem Schluss, dass die Niederlande vielleicht 56 ​​Rudel statt der aktuell 13 nachgewiesenen beherbergen könnten.

Habitatrichtlinie der Europäischen Union

Die Wissenschaftler berücksichtigten dabei nicht Wölfe, die sich unter Menschen mischen oder im Wald oder auf der Heide keine Angst mehr vor Menschen und Hunden haben.

Dies alles hänge mit der Habitatrichtlinie der Europäischen Union zusammen. Diese Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, zu einer lebensfähigen Population geschützter Arten beizutragen. Für den Wolf bedeutet die europäische Regelung, dass die Niederlande im Rahmen ihres natürlichen Lebensraums zur Entwicklung einer gesunden, inzuchtfreien Population beitragen müssen.

Ängste in der Bevölkerung befürchtet

Konkret bedeute dies, so Foodlog, dass die Niederlande entweder das Wachstum der Wolfspopulation zulassen oder aus Sicherheitsgründen eine Ausnahmegenehmigung beantragen, den Wolfsbestand zu begrenzen.

Laut „De Volkskrant“ wolle Rummenie und seine Bauer-Bürger-Bewegung den Wolfs so stark wie möglich bekämpfen, weil das Raubtier viele Schafe töte und manchmal auch Menschen anfalle. Harold Zoet, ein Parteikollge von Jean Rummenie, kritisiert ebenfalls das Ergebnis der Universitäts-Studie: Er befürchte, so Zoet in der niederländischen Zeitung, dass die Veröffentlichung der Untersuchungs-Ergebnisse Ängste in der Bevölkerung verursache, weil es ohne weiteren Kontext herausgegeben worden sei. Ein Sprecher der Univsersität konterte die Kritik: Das Problem sei nicht die Wissenschaft, sondern die Art, wie die Politik mit unangenehmen Tatsachen umgehe.

Die Universität wehrt sich

Laut der Universität gebe es nun klare ökologische und rechtlich günstige Referenzwerte für die Wolfspopulation in den Niederlanden: Dieser Rahmen werde in einem Forschungsbericht der Wageningen University in Zusammenarbeit mit der Universität Tilburg und dem belgischen Forschungsinstitut für Natur und Forsten im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft, Fischerei, Ernährungssicherheit und Natur (LVVN) dargelegt.

Die Wissenschaftler betonen aber auch, dass bei der Entwicklung der Wolfspolitik nicht nur ökologische und rechtliche Aspekte eine Rolle spielen, sondern auch die bisher nicht untersuchten sozialen und sozioökonomischen Folgen unter anderem für Landwirtschaft, Freizeit und Wohnen. Diese Aspekte seien in der Studie bewusst nicht berücksichtigt worden, weil sie auch nicht Teil des Forschungsauftrags waren.