In den Niederlanden hat es offenbar in den vergangenen Wochen und Monaten mehrere ungewöhnliche Vorfälle mit Wölfen gegeben, vor denen viele Wolfs-Kritiker auch am Niederrhein immer wieder warnen und die bisher als höchst unwahrscheinlich galten. Dabei geht es Vorfälle mit zwei Kindern, zwei Hunden und einem Wanderer, berichtet die niederländische Zeitung „De Gelderlander“.
Ein Wolf habe am 12. August im Naturschutzgebiet Renderklippen zwischen Heerde und Epe (etwa 50 Kilometer nördlich von Arnheim) den Hund eines Spaziergängers gebissen. Dem Hund gehe es nach Angaben der Gemeinde Epe wieder gut. Und auch ein anderer Wanderer mit Hund stand offenbar in der Nähe dieses Vorfalls dem Raubtier von Angesicht zu Angesicht gegenüber.
Gemeinde gibt Ratschläge für Wolfs-Begegnungen
Der Wolf wurde nach dem Biss des Hundes von Wanderern und einem Schäferhund verjagt. Nach Angaben der Gemeinde sei es das erste Mal, dass ein Wolf in diesem Naturschutzgebiet in der Veluwe Menschen und Hunden so nah gekommen sei.
Epe und das benachbarte Heerde riefen die Menschen auf, beim Spaziergang auf den Gebiet Renderklippen wachsam zu sein und Hunde nicht frei laufen zu lassen. Und wenn man doch einem Wolf begegnet? „Jagen Sie ihm nicht hinterher und machen Sie keinen Lärm“, lautet der Ratschlag.
Wenige Meter entfernt vom Wolf
Es war nicht die einzige Konfrontation mit einem Wolf an jenem Tagen in dieser Gegend. Jarno Kamphuis (45) ging mit seinem Hund spazieren und stand dem Raubtier eines Vormittags gegenüber. „Das war im Norelbos, der an die Renderklippen grenzt. Mein Hund lief frei und erschrak plötzlich“, wird der Mann zitiert.

Ein paar Meter entfernt folgte ein Wolf Hund und Herrchen. „Ich habe meinen Hund schnell an die Leine genommen, während ich ein Auge auf den Wolf geworfen habe. Er war nicht aggressiv, sondern näherte sich uns. Das hat mich schockiert.“ Doch dann dreht sich der Wolf um und lief gemütlich auf die Renderklippen zu. Kamphuis war schockiert, machte aber schnell noch ein Video.
„Ich glaube, wir hatten Glück, vor allem, wenn ich höre, dass der Wolf einen anderen Hund gebissen hat. Auf dem Heimweg war ich viel aufmerksamer, aber ich bin keinem Wolf mehr begegnet.“ Es sei jedoch nicht möglich, mit Sicherheit zu sagen, ob der Wolf, dem der 45-Jährige begegnete, dasselbe Tier ist, das zuvor den Hund gebissen hatte.
Experten: Kein normales Verhalten eines Wolfes
„Es ist seit einiger Zeit bekannt, dass es in dieser Gegend einen Wolf gibt“, sagt Joost Boermans, Parteivorsitzender der Partei Hart voor Lokaal. „Bei dem Vorfall heute Morgen lief der Wolf auf die beiden zu, anstatt von ihnen weg. Weglaufen wäre nach Ansicht von Experten ein normales Verhalten des Wolfes.“ Aber das sei nicht passiert. „Andere Wanderer kamen dazu und gemeinsam verjagten sie den Wolf mit Stöcken fuchtelnd und Geschrei.“ Laut Boermans sei es Zeit zu handeln: „Ich fordere die Gemeinde auf, aktiv über den Wolf in der Gegend zu kommunizieren.“

Auch einen Monat zuvor sei ein Hund in Nunspeet (etwa 20 Kilometer weiter westlich) ebenfalls von einem Wolf gebissen worden, so der Gelderlander weiter. Die Gemeinde riet daraufhin, Hunde vorerst an der Leine zu führen und in Naturschutzgebieten Abstand zu Wölfen zu halten.
Wolf zerrt spielendes Kind in den Wald
Noch dramatischer klingt ein Vorfall, der sich Ende Juli ereignet haben soll: Ein sechsjähriger Junge sei damals an der Austerlitzer Pyramide, einem beliebten Ausflugsziel zwischen Arnheim und Utrecht, von einem Wolf gebissen und in den Wald gezerrt worden, heißt es in der Berichterstattung von „De Gelderlander“. Mehrere Erwachsene schlugen daraufhin mit einem Stock auf den Wolf ein, woraufhin das Tier von dem Kind abließ und davonlief.
Der Eigentümer des Waldgebietes, das Landgut Den Treek Henschoten, nahm in einer Erklärung dazu Stellung: „Beim Spielen wurde das Kind unerwartet vom Wolf angegriffen und mitgeschleift. Aufgrund des adäquaten Handelns der anwesenden Erwachsenen, die den Wolf mit einem Stock schlugen, ließ der Wolf das Kind in dem Wald los und rannte davon. Das Kind wurde mit dem Krankenwagen abtransportiert. Wie es dem Opfer geht, ist noch nicht bekannt.“ Das Landgut rät den Besuchern dringend, das Gebiet vorerst nicht mit Kindern und/oder Hunden zu besuchen, bis die Tierpfleger der Utrechter Fauna Management Unit ihre Arbeit erledigt hätten.
Stammt der Biss vom Problemwolf Bram?
Eine DNA-Notfalluntersuchung werde durchgeführt, um festzustellen, ob der Biss vom Problemwolf Bram verursacht wurde, berichtete ein Sprecher der Provinz Utrecht. Auch die Polizei ermittelte, wollte aber zunächst nichts weiter dazu sagen, so der Gelderlander.
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Hugo van Kolfschoten, Besitzer des Restaurants und Spielplatzes „Die Pyramide von Austerlitz“, bestätigt der niederländischen Zeitung, dass es sich um ein kleines Kind gehandelt habe und dass mehrere Personen bei dem Vorfall anwesend waren. Der Krankenwagen und die Polizei seien schnell vor Ort gewesen und das Kind sei von einem Krankenwagen weggebracht worden. Ihm zufolge ereignete sich der Vorfall nicht auf seinem Spielplatz, sondern im Wald rund um die eigentliche Pyramide, ein paar hundert Meter entfernt.
Mädchen umgestoßen, Wanderer in Bein gebissen
Zuvor war in Austerlitz ein Mädchen von einem Wolf umgerannt worden. Sie kam mit Kratzern am Rücken davon. Bereits im Mai sei auf dem Landgut Den Treek in der Nähe von Leusden (am süd-östlichen Stadtrand von Amersfoort) ein Wanderer von einem Wolf ins Bein gebissen worden.

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Die Provinz entschied, dass der betreffende Wolf geschossen werden sollte, da das Tier eine Gefahr für Menschen darstellen würde. Auch dieser Wolf sei im vergangenen Jahr in solche Vorfälle verwickelt gewesen. Die Tierschutzorganisationen Faunaschutz und Tierrechte forderten dagegen den Richter auf, die Genehmigung auszusetzen, aber dieser Antrag wurde abgelehnt.
Streit um Anschlussgenehmigung für Wolf Bram
Wolf Bram wurde nach Angaben der Provinz noch nicht getötet. Genau wie im vergangenen Jahr habe der Wolf Junge und zeige nach Angaben der Tierschutzorganisationen ein beschützendes Verhalten. Sie sind deshalb der Meinung, dass das geschützte Tier nicht getötet werden solle.
Anfang des Jahres hatte die Provinz Utrecht bereits Ratschläge für die Besucher des Utrechtse Heuvelrug erstellt. So empfehle es sich beispielsweise, Hunde an der kurzen Leine zu führen, Kinder bis zehn Jahre nicht alleine in den Wald gehen zu lassen und immer auf den Wegen zu bleiben.




