Ausschreitungen, Brände, Plünderungen. Wer sich am Silvesterabend in einer niederländischen Großstadt an explodierenden Böllern und übelriechenden Bierpfützen vorbei seinen Weg bahnte, lernte eine enthemmte Gesellschaft kennen. Ein Land, in dem gleichzeitig gegensätzliche Tendenzen zu beobachten sind.

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Eine aktuelle Umfrage zeigt: Einerseits begrüßen die meisten Niederländerinnen und Niederländer das Feuerwerksverbot, das ab Silvester 2026/27 gelten soll. 62 Prozent zeigen sich offen für Argumente, die gegen die Knallerei sprechen. Zugleich steht ein gutes Drittel offen dazu, der Regierung und führenden Politikern zu misstrauen.
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Menschen sind wütend, weil sie sich abgehängt fühlen
Wollen die Niederländer vom Staat mehr Schutz – oder weniger Einmischung? In den letzten Jahren haben in Den Haag Kabinette wechselnder Parteien harte Entscheidungen getroffen. Zu Corona-Beschränkungen, Umweltauflagen, Massenmigration.
Nun geht es nach Ansicht von Wutbürgern nicht nur um die politische Frage, ob alljährliche Silvesterschäden so gravierend sind, dass sie ein Komplettverbot rechtfertigen. Sondern ums Prinzip. Sie leiten einen Konflikt ab zwischen Elite und Mehrheit. Zwischen denen „da oben“ und jenen „hier unten“.
In einem Amsterdamer Vorort, wo Anwohner und wohl auch Krawalltouristen die Polizei besonders heftig bekämpften, fühlen sich Menschen seit Jahren abgehängt. Das Maß war voll, als die Bürgermeisterin ihnen ein traditionelles Freudenfeuer verbat. Die nächste Gewaltwelle wird dort spätestens zum kommenden Jahreswechsel rollen, wenn die Leute erstmals ohne Getöse feiern müssen.
Je stärker eine Regierung in die Privatsphäre der Bürger eingreift, desto besser muss sie es begründen. In den Niederlanden hat sich die Böllerfrage als Munition für Hetzer erwiesen. Wer ein allgemeines Verbot in Deutschland fordert, sollte das bedenken.






