Es muss nicht immer die Nordsee sein. Weil es in den Badeorten von Zeeland, Nord- und Südholland immer voller und teurer wird, suchen Urlauber nach neuen Zielen. Gibt es in den Niederlanden noch Geheimtipps?

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Aber ja – in der Provinz Drenthe im Nordosten! Die am dünnsten besiedelte Region des Landes, abseits der Küste, knapp drei Autostunden von NRW entfernt. Weite Landschaften und kleine Dörfer prägen das Bild. Wir stellen drei besondere Orte vor, an denen Sie wenige deutsche Touristen treffen.

Die Hünengräber in Drenthe: Auf den Spuren der Vergangenheit

Schon mal was von den Hünengräbern gehört? Dabei handelt es sich um steinerne Grabanlagen, die Steinzeitmenschen vor mehreren tausend Jahren errichtet haben. Insgesamt 54 dieser Hünengräber sind in den Niederlanden erhalten, 52 von ihnen befinden sich in Drenthe. Viele dieser Gräber liegen frei zugänglich in der Natur.

Eko-Tour in Exloo
Eines von Dutzenden Hünengräbern aus der Steinzeit.© NRZ | Anna Scherkl

Wer tief in die Geschichte der Hünengräber eintauchen will, kann das in einem Museum im Dorf Borger tun. Die archäologische Ausstellung erklärt anschaulich, wie die Grabstätten entstanden und befindet sich direkt neben dem größten Hünengrab des Landes.

Die meisten Hünengräber in Drenthe befinden sich auf dem Hondsrug, einem langgestreckten Höhenzug, der sich durch die Region zieht. Entstanden ist diese Landschaft in der Eiszeit, als Gletscher und Schmelzwasser den sandigen Rücken formten. Dabei transportierte das Eis auch große Steine, aus denen Menschen in der Jungsteinzeit die heute wohl ältesten niederländischen Denkmäler erschufen.

Offroad über den Hondsrug

Vom Dorf Exloo aus können Abenteurer das Unesco-Gebiet auf spezielle Art erleben: auf einer Tour mit elektrischen „Offroad“-Fahrzeugen. Wer einen gültigen Führerschein der Klasse B besitzt, darf selbst fahren. Gewählt werden kann zwischen verschiedenen „Eko-Tours“, die jeweils von einem Touristenführer begleitet werden und mit Erlaubnis der staatlichen Forstverwaltung auch durch Bereiche des Naturgebiets führen, die nicht öffentlich zugänglich sind. Weitere Informationen unter www.eko-tours.nl.

Das Gebiet rund um den Hondsrug trägt seit 2015 den Status des „Unesco Global Geopark“. Allein rund um die Schnellstraße N34 von Coevorden nach Groningen gibt es 47 Hünengräber in verschiedenen Formen und Größen zu entdecken, weshalb die Straße den Beinamen „Hunebed Highway“ trägt. Praktisch für sportliche Touristen: Der Hondsrug lässt sich auf verschiedenen Wander- und Fahrradtouren erkunden.

Die Kolonien der Barmherzigkeit: Unesco-Weltkulturerbe in Frederiksoord

Mitten in Drenthe liegt ein Unesco-Weltkulturerbe, das selbst den meisten Niederländern unbekannt ist: die Kolonien der Barmherzigkeit – ehemalige Siedlungen, die im Rahmen eines Sozialexperiments zur Bekämpfung der Armut im frühen 19. Jahrhundert gebaut wurden. Arme Familien und Bettler konnten in eine der Kolonien in Orten wie Frederiksoord, Wilhelminaoord und Veenhuizen ziehen, wo sie ein eigenes Haus sowie ein Stück Land zur Bewirtschaftung erhielten.

Durch Arbeit, Bildung und eine streng geregelte Lebensweise sollten sie die Chance auf ein besseres Leben bekommen. Doch das Experiment hatte Schattenseiten: Viele Menschen zogen alles andere als freiwillig in die Kolonien. Wer einmal dort lebte, kam nicht mehr weg. 2021 verlieh die Unesco den ehemaligen Siedlungen den Status des Welterbes.

Mehr Geheimtipps in den Niederlanden

Ein Ausflug in die Kolonien der Barmherzigkeit beginnt am besten in Frederiksoord. Viele Häuser der Siedlungen sind noch heute in ihrer ursprünglichen Form erhalten, darunter Wohnhäuser und Schulen. Es lohnt ein Besuch im „Museum De Proefkolonie“, das die Geschichte des niederländischen Sozialstaats und der Kolonien multimedial aufarbeitet. Leider nur in niederländischer Sprache.

Der Nationalpark Dwingelderveld: Wo kein Mucks zu hören ist

In Drenthe befinden sich gleich drei große Nationalparks. Einer davon ist der Nationalpark Dwingelderveld, das größte zusammenhängende Feuchtheidegebiet Westeuropas. Der rund 3700 Hektar große Nationalpark liegt zwischen Dwingeloo und Ruinen und ist vor allem für seine ausgedehnten Heidegebiete bekannt.

Zwischen den Heidenflächen, Mooren, kleinen Gewässern und Waldabschnitten wird es hier so still wie sonst nirgendwo in den Niederlanden. Ein guter Ausgangspunkt für einen Ausflug ist das Besucherzentrum in Ruinen. Hier starten zahlreiche Wanderwege in verschiedenen Längen.

Die 46 Kilometer lange Dwingelderveld-Route quer durch den Park zählt zu den schönsten Radstrecken des Landes. Typisch für den Park sind Schafherden, die zur Pflege der Heide beitragen. Die zotteligen Landschaftspfleger in Ruinen und Lhee können jeden Morgen und Abend beim Losziehen und Zurückkehren beobachtet werden. Auch Hunde sind im Nationalpark Dwingelderveld erlaubt. Zwar gilt in den meisten Parkabschnitten zum Schutz der Natur und Tiere eine Leinenpflicht, es gibt aber auch mehrere ausgewiesene Freilaufzonen für die Vierbeiner.

Transparenzhinweis: Die Recherche zu diesem Text wurde von der Tourismusagentur NBTC unterstützt.