Vogelgezwitscher und ein leichter Geruch nach Harz: Wer durch die Veluwe, das größte zusammenhängende Waldgebiet der Niederlande, spaziert, erwartet wohl kaum ein Schloss hinter der nächsten Abzweigung. Doch mittendrin taucht es plötzlich auf: das Paleis Het Loo – ein prunkvoller Palast, einst Lustschloss der Oranier, heute ein staatliches Museum. Warum baut jemand ausgerechnet hier im Wald so eine stattliche Residenz?

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„Loo“, das bedeutet im Niederländischen soviel wie „Lichtung im Wald“ und beschreibt treffend den Moment, wenn der Blick hinter hohen Bäumen erstmals auf die Fassade fällt: ein barocker Bau mit mehreren Flügeln und beeindruckendem Garten, der gleichzeitig Rückzugsort und Bühne für das niederländische Königshaus war. Roter Backstein und dunkle Dachziegel spiegeln sich im flachen Wasser eines Brunnens.

Paleis Het Loo ist schnell erreichbar

Wir sind außerhalb von Apeldoorn in der niederländischen Grenzprovinz Gelderland, keine anderthalb Autostunden von Duisburg entfernt. Het Loo verspricht Besuchern einen Einblick hinter die Fassade der Monarchie. Doch über das aktuelle Königspaar Willem-Alexander (59) und Máxima (54) erfahren wir kaum etwas.

Paleis Het Loo
Schön hier, nicht nur in der Abendsonne! Das Paleis Het Loo war architektonisches Vorbild für andere europäische Barockschlösser.© Paleis Het Loo

Dafür viel über einen Monarchen, der in Europa Spuren hinterlassen hat, in Deutschland aber relativ unbekannt ist. Het Loo wurde Ende des 17. Jahrhunderts für den niederländischen Statthalter Wilhelm III. von Oranien gebaut, der seit 1689 auch Herrscher Englands war. Er lebte in einer Zeit des Umbruchs, mit ihm ging die goldene Ära der Niederlande als Großmacht zu Ende. Wilhelm und seine Frau, die englische Königin Maria II., ließen sich im Wald einen Rückzugsort errichten. Fern von der Regierungsstadt Den Haag, aber nah genug, um politische Gäste zu empfangen.

Der elegante Schlossführer trägt weißen Schlips

Jemand, der über die Geschichte der Monarchie, das Schloss und seinen Garten bestens Bescheid weiß, ist Peter van Sweeden. Der elegant gekleidete Niederländer – schwarzer Anzug, weiße Krawatte – ist ehrenamtlicher Schlossführer im Paleis Het Loo. Auf den Wegen kennt er jeden Kieselstein.

Van Sweeden weiß: Wilhelm und Maria lebten im Paleis ihre gemeinsame Liebe zur Gartenkunst aus. „Außerdem liebte der Statthalter die Jagd und wollte ein Haus haben, wo er eine Familie gründen und auf die Jagd gehen konnte“, erzählt van Sweeden auf einem Rundgang über das Schlossgelände.

Schlossführer im Paleis Het Loo Peter van Sweeden
Schlossführer Peter van Sweeden führt Touristen über das Gelände. Selbst an warmen Frühlingstagen mit Sakko und weißer Krawatte.© NRZ | Anna Scherkl

Wilhelm III. prägte die Architektur seinerzeit weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus. Das Schloss bei Apeldoorn wurde Vorbild für Barockbauten in Deutschland. Architekturfans aus NRW dürften Schloss Nordkirchen im Münsterland kennen. Die wenigsten wissen, dass das „westfälische Versailles“ von Het Loo inspiriert wurde.

Het Loo: Von der Königsresidenz zum Nationalmuseum

In den Jahrhunderten nach seinem Bau diente das Schloss Mitgliedern des Hauses Oranien-Nassau als Sommerresidenz. 1977 verließen die letzten Bewohner das Anwesen: Prinzessin Margriet (83), die Schwester von Ex-Königin Beatrix (88), und ihre Familie. Danach wurde es vom niederländischen Staat restauriert und 1984 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Willem-Alexander hat hier also nie gelebt. Sein Wirken bleibt eine Fußnote im Paleis Het Loo. Das Museum konzentriert sich auf seine Vorgänger – neben Bauherr Wilhelm III. und seiner Frau Maria II. im 17. Jahrhundert auf Königin Wilhelmina, die 1962 auf Het Loo starb.

Wilhelm III. spielte mit seinen Gästen Ballspiele wie Krocket oder Golf.

Peter van Sweeden, Schlossführer

Während der Ostflügel, in dem Wilhelm und Maria wohnten, mit roten Vorhängen und blau-weißer Keramik prunkvoll und verspielt wirkt, staunen Besucherinnen und Besucher im Westflügel über dunkle Farben, Fellteppiche und gemusterte Tapeten.

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Informationsbroschüren und Hinweisschilder berichten von der Geschichte des Schlosses, kratzen aber eher an der Oberfläche. Für alle, die tiefer ins Leben der niederländischen Royals eintauchen wollen, empfiehlt es sich, eine Audiotour mitzumachen. Vier Routen stehen zur Auswahl. Wilhelms Liebe zur Jagd, Marias ungewollte Kinderlosigkeit oder die frühe Thronbesteigung von Wilhelmina im Alter von nur zehn Jahren: Die etwa 30 Minuten langen Audiotouren leiten durch den Alltag des Adels und zeigen anschaulich, welche Sorgen ihn seinerzeit plagte.

Paleis Het Loo
Mit Stimme im Ohr durch frühere Wohn- und Arbeitsräume.© Paleis Het Loo

Zugänglich sind die Audiotouren über eine kostenlose App, alternativ kann vor Ort ein Audiogerät für 2,50 Euro ausgeliehen werden.

Eintrittspreise und Öffnungszeiten des Paleis Het Loo

Das Museum hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montags bleibt Paleis Het Loo regulär geschlossen. Erwachsene zahlen 21 Euro Eintritt, Kinder bis einschließlich 3 erhalten kostenlosen Eintritt, 4- bis 17-Jährige zahlen 9,50 Euro. Tickets können online unter www.paleishetloo.nl/de erworben werden.

Das Paleis Het Loo sollte beeindrucken

Mit niederländischen Stimmen auf dem Ohr schlendern wir durch frühere Wohn- und Arbeitsräume, blicken aus den Fenstern in den barocken Garten und bewegen uns durch eine Welt, die einst nur der feinen Hofgesellschaft offenstand. Nach ein paar Stunden im Paleis haben wir das niederländische Königshaus so kennengelernt, wie es sich selbst Fremden gegenüber präsentieren wollte. „Wilhelm III. wollte vor allem seine Gäste beeindrucken“, erzählt Schlossführer Peter van Sweeden.

Dann geht es wieder hinaus in den Garten. Selbst wer keine Lust auf Oranje-Geschichte hat – allein ein Spaziergang an der frischen Luft lohnt die Anfahrt. Streng geometrisch zugeschnittene Beete und niedrige Hecken ordnen die Natur nach höfischen Regeln. Auch draußen ging es dem Bauherrn vor allem darum, sich zu präsentieren. „In seinem Privatgarten empfing Wilhelm III. Familienmitglieder oder Diplomaten. Er spielte mit ihnen Ballspiele wie Krocket oder Golf“, so van Sweeden.

Paleis Het Loo
Exakt nach Maß: Der barocke Garten unterliegt einer klaren Symmetrie.© Paleis Het Loo

Eine Einladung zum Sport war jedoch tückisch. Denn kein Untertan wollte es sich mit dem Herrscher verscherzen, indem er ihn deklassierte. Wilhelm, sagt van Sweeden schmunzelnd, „gewann immer“.

Transparenzhinweis: Die Recherche zu diesem Text wurde von der Tourismusagentur NBTC unterstützt.