Im Feriendorf Kaatsheuvel verliefen die Ostertage enttäuschend. Erfahrungsgemäß ist die Bungalowvermietung für die Betreibergruppe EuroParcs im Frühling ein Selbstläufer: Familien aus Deutschland quartieren sich in Kaatsheuvel ein und unternehmen Ausflüge in den nahegelegenen Vergnügungspark Efteling. In diesem Jahr war Ostern anders: Viele Ferienhäuser standen leer. Nicht nur dort – allerorts in den Niederlanden.
Der Holland-Tourismus ist seit Beginn dieses Jahres eingebrochen. Vor allem Deutsche bleiben weg. Zehn Prozent weniger Buchungen aus der Bundesrepublik meldet der Branchenverband Hiswa-Recron. In einigen Regionen betrage das Minus sogar 20 Prozent. „Einen solchen Rückgang in so kurzer Zeit haben wir noch nie erlebt“, klagt Verbandschef Geert Dijks.
Niederlande: Besucherzahlen sind eingebrochen
Der Verband führt die Einbuße auf stark gestiegene Preise zurück. Die Regierung des mittlerweile aus dem Amt geschiedenen Ministerpräsidenten Dick Schoof hatte die Übernachtungssteuer zu Jahresbeginn üppig erhöht, um Haushaltslöcher zu stopfen – von neun auf 21 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Satz bei sieben Prozent.

Laut Hiswa-Recron haben viele Gemeinden zudem die Kurtaxe erhöht, was die Kosten für Urlauber weiter in die Höhe treibe. Durchschnittlich zahle ein Tourist in den Niederlanden 2,79 Euro pro Nacht. In Amsterdam seien es sogar 18 Euro.
Die Extrakosten summieren sich: Dem niederländischen Statistikamt CBS zufolge waren Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen im Februar zehn Prozent teurer als vor einem Jahr.
Mehr zur Preisentwicklung in den Niederlanden
Im Sommer könnte es in Holland relativ leer werden
Die Absetzbewegung ist besonders für Regionen schmerzhaft, die sich seit Jahren auf deutsche Kundschaft eingestellt haben. Das seien Landstriche nahe der Grenze, außerdem die Küstenprovinz Zeeland mit Touristenstädtchen wie Vlissingen, Renesse und Scharendijke. Wenn es so weitergehe, drohe die Verödung ganzer Orte.

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„Jeder Euro, der im Ferienpark ausgegeben wird, bedeutet drei Euro, die im Dorf ausgegeben werden“, sagt Dijks. „Es gibt Dörfer, in denen es ohne Campingplätze oder Ferienparks keinen Supermarkt gäbe.“ Der Verband fordert von der neuen Regierung in Den Haag, die Mehrwertsteuererhöhung rückgängig zu machen.
Je wärmer es wird, desto trüber die Aussicht: Die Buchungen deutscher Urlauber für den Sommer liegen teilweise fast 30 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums. Hiswa-Recron hat wenig Hoffnung, dass die Reservierungen in den kommenden Wochen anziehen: Wer bislang noch nicht für die Hauptsaison gebucht habe, werde sich eher für ein günstigeres Urlaubsland entscheiden. Und wer trotzdem komme, bleibe tendenziell kürzer und verlagere die Ferien in die Nebensaison.
Die Niederlande, fürchtet Dijks, schaffen sich durch ihre Preispolitik als Urlaubsparadies selbst ab. „Es ist noch etwas früh für eine endgültige Bilanz. Aber im Moment entwickeln sich die Dinge wirklich in die falsche Richtung.“




