Hotels nahe der niederländischen Grenze dürfen ab sofort auf neue Gäste hoffen – aus dem Nachbarland. Denn in Holland sind Hotels und Pensionen zu Jahresbeginn erheblich teurer geworden. Tourismusexperten rechnen damit, dass Niederländer, die einen Kurzurlaub in Grenzprovinzen wie Gelderland verbringen, in Deutschland übernachten werden. Schätzungen zufolge könnten die Übernachtungen in den Niederlanden um 30 Prozent einbrechen.

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Im Februar wird sich erstmals zeigen, wie dick es wirklich kommt: Der „Vastelaovend“ dürfte feierfreudige Besucher aus dem ganzen Land in die jecken Hauptstädte locken. „In der deutsch-niederländischen Grenzregion feiern viele Niederländer Karneval“, sagt Karlijn Eduard von der Tourismusorganisation NBTC in Den Haag zur NRZ. „Vor allem in den südlichen Provinzen, wo die Tradition besonders stark ist.“
Nicht unwahrscheinlich, dass Fans des Oranje-Karnevals in Straelen oder Brüggen absteigen, weil es dort günstiger ist als drüben. „Typische Anlaufstellen nahe der Grenze sind Venlo – eine der bekanntesten Hochburgen direkt im Grenzgebiet – und Roermond, wo rund um die Tage vor Aschermittwoch Umzüge, Straßenfeste, Kostüme und lokale Programmpunkte das Stadtbild prägen“, so Eduard. Auch Maastricht gehöre zu den Karnevalsstädten „mit besonders lebendiger Atmosphäre“.

Niederländischer Hotelverband warnt vor Abwanderung
Nein, ein günstiges Ziel waren die Niederlande nie. Aber so ein wuchtiger Preishammer wie jetzt ist selbst für unsere Nachbarn eine krasse Aktion: Die scheidende Regierung von Ministerpräsident Dick Schoof hat die Mehrwertsteuer für sogenannte Beherbergungsbetriebe angehoben. Von neun auf 21 Prozent. So will das Kabinett Haushaltslöcher stopfen. Nun fragen sich einige, ob die Regierung Touristen vertreiben möchte.
Mehr zur Preisexplosion in den Niederlanden
In Deutschland liegt der Satz bei sieben Prozent. Die Steueranhebung werde dazu führen, dass sich die Niederlande „international unerschwinglich machen“, kritisiert Marijke Vuik, Vorsitzende des Königlich Niederländischen Hotelverbands KHN. Hiswa-Recron, der Verband der Freizeitunternehmen, lässt mitteilen: „Wir sind sehr besorgt.“ Und Hoteliers im Randgebiet erst recht.
Steuererhöhung könnte Ende des Touri-Booms einläuten
Hendrik-Jan Mensink etwa. Eigentlich könnte er sich zurücklehnen. Läuft bei ihm: Der 50-Jährige führt den Ferienpark „De Twee Bruggen“ im Achterhoek-Städtchen Winterswijk, er hat die Anlage zu einer beliebten Adresse für Familien und Radtouristen entwickelt. In der Hochsaison beschäftigt Mensink etwa 170 Mitarbeiter, gerade lässt er neben den Ferienhäuschen und den Stellplätzen für Wohnwagen und Zelte ein Hotel mit 46 Zimmern bauen. Damit noch mehr Leute auf seinen Platz kommen, auch im Winter, wenn es ruhiger ist. Aber Hendrik-Jan Mensink lehnt sich nicht zurück. Er geht vom Schlimmsten aus.
Sobald die Frühlingssonne Lust auf Urlaub wecke, werden die Leute „von unseren Preisen schockiert sein“, sagt er dem Sender NOS. Womöglich wandern manche nach NRW ab. Wenn sich die Steuererhöhung herumspreche, suchen sich alle, die auf den Euro schauen, lieber eine Unterkunft auf der anderen Grenzseite, glaubt Mensink. Vielleicht in Borken oder Bocholt. Womöglich sterbe halb Winterswijk aus: „Die Innenstadt ist komplett auf den Tourismus ausgerichtet. Restaurants und Geschäfte“, prophezeit er, „werden bald deutlich weniger Besucher verzeichnen.“

Die Erhöhung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Tourismus boomt wie nie zuvor. 2024 zählten die Niederlande rund 7,3 Millionen deutsche Touristen – Allzeitrekord. Erleben wir den Beginn des Abstiegs der Urlaubs-Supermacht Holland? Sogar wahre Fans werden sich bei der Planung der Sommerferien überlegen, ob das Nordseeland die gesalzenen Preise wert ist. Oder ob sie ihren nächsten Urlaub nicht lieber woanders verbringen sollen. An einem polnischen Ostseestrand zum Beispiel, da bauen sie gerade die Küste mit neuen Hotelanlagen zu. Die aus NRW-Sicht höheren Fahrtkosten dürften sich amortisieren. Den Haag und Danzig sind 1200 Kilometer voneinander entfernt – in Sachen Reisebudget liegen Welten zwischen den Hafenstädten.
Hotels versuchen, den Staat auszutricksen
Weil Hoteliers um ihre Kundschaft bangen, entwickeln einige betrügerische Fantasie, um den Staat auszutricksen. Einer dieser Tricks geht so: Ein Betrieb bietet das Zimmer – auf das die hohe Mehrwertsteuer gilt – günstiger an als bislang. Im Gegenzug müssen Touristen neuerdings für „Zusatzangebote“ zahlen. Für Frühstück, Schwimmbad oder Sauna gilt nämlich weiterhin der niedrigere Steuersatz. Durch die kreative Rechnungsführung wollen Unternehmen die Übernachtungspreise stabil halten, berichtet NOS und verweist auf entsprechende Überlegungen der Hotelkette Fletcher.
Marijke Vuik vom Hotelverband KHN mahnt zur Vorsicht. Steuerbehörden reagierten sicher argwöhnisch, wenn ein Haus Zimmer für einen Spottpreis vermiete, das Frühstück aber 190 Euro kosten solle. Sie bittet jedoch um Verständnis. Dass Kolleginnen und Kollegen über solche Methoden nachdächten, sei doch „nur logisch“.





