Endlich! Station Zandvoort ist erreicht. Raus aus dem Zug mit vielen Fahrgästen, von denen ich auch an diesem Dienstag mindestens die Hälfte mühelos verstehe: Man spricht Deutsch. Nur 200 Meter, vorbei am Sonnencremespender und dem großen Palace-Hotel, sind es, und man kann die Schuhe ausziehen und ins Wasser rennen. Und das alles prinzipiell jeden Tag für 49 Euro, einen Monat lang.

Dienstags
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Das verspricht das 49-Euro-Ticket der Niederländischen Spoorwegen (NS), Dal-Vrij-Ticket heißt es, kostet normalerweise 128 Euro, ist aber seit dem 15. Juni (bis Ende August) im Angebot: Man muss mit einer Finanzspritze nicht den Benzinpreis drücken, man kann auch attraktive Alternativen zum Auto schaffen, so der Gedanke der niederländischen Regierung.
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Gesagt, getan, und am 1. Juli nach Arnheim gefahren. Kostet nix, mit dem Deutschlandticket. Derzeit gibt es nur den kleinen Haken, dass man den Bahnhof nicht verlassen kann. Früher gab es dafür vom Zugbegleiter ein kleines Kärtchen, mit dem sich die Bahnsteigsperren öffneten. Gibt es nicht mehr.
Jetzt muss man Bahnpersonal suchen, denen das Deutschlandticket zeigen, und dann geht es raus oder wieder rein. Die Bahnen beiderseits der Grenze können sich nicht einigen, sagt dazu der Zugbegleiter im RE19 von Düsseldorf nach Arnheim. Und den QR-Code des Deutschlandtickets erkennt die Zugangsschranke in Arnheim nicht.

Das soll nicht das einzige Hindernis bleiben. Meine Vorstellung, dann mal eben am gelben Ticketautomaten die Karte zu ziehen, schlägt fehl. Das Dal-Vrij-Ticket ist digital, es kann aber nicht aufs Smartphone geladen werden, sondern man braucht eine Chipkarte, die OV-Card. Die gibt es tatsächlich nur physisch. Und seit dem 1. Juli nur persönlich. Der Antrag findet sich im Internet: Er erfordert eine niederländische Adresse. Echt jetzt? Aber es hieß doch, es ginge?
Ich wähle mich in den Chat des OV-Chipkarten-Systems ein. 37 Menschen sind vor mir dran. Ich sitze also in der Sonne am Rheinarm, esse Fritjes, trinke zwei Cola, gehe kurz bummeln und bin dann auch schon dran und erfahre: Ja, es gibt eine PDF-Fassung des Antrags auch für ausländische Bürger. Jemand erklärt mir die 27 Mausklicks bis dahin. Und ist so freundlich, mir zu erlauben, dass ich sie nicht auf dem Postweg versenden muss. Die Niederlande sind ja modern und unbürokratisch, auch als unterschriebenes PDF mailen.
Unbürokratische Niederlande? Ohne Plastikkarte geht‘s leider nicht
Hurra! Das mache ich dann daheim ein paar Stündchen später. Und wirklich, nach einer knappen Woche bekomme ich ein Plastikkärtchen: meine persönliche OV-Chipkaart. Also ins Online-Portal, die entscheidende Nummer eingegeben und das Ticket gebucht. Kann ja kein Problem sein, ich habe seit Jahren die NS-App auf dem Handy, kann damit im Handumdrehen Einzeltickets kaufen, bis die Kreditkarte qualmt.
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Monatskarten allerdings gibt es nicht in der App. Dafür geht es auf eine andere Homepage. Und da muss ich mich erneut registrieren. Mit niederländischer Adresse. Äh... Nun, wie formuliere ich das jetzt juristisch einwandfrei? Ich spiele urplötzlich mit dem Gedanken, in eine leer stehende Wohnung in Arnheim zu ziehen, die ich auf einem Maklerportal entdeckt habe. Und gebe, der Zukunft zugewandt, die Hakfortlaan mit einer schönen niederländischen Postleitzahl ein: vier Ziffern, zwei Buchstaben.
Zahlungsmethoden eingeschränkt: Niederländisches Konto zwingend erforderlich
Wird akzeptiert, und nur leicht mulmig mache ich mich an den Bezahlvorgang. PayPal? Google Pay? Klarna? Kreditkarte? Überweisung? Nichts da, ein Konto bei einer niederländischen Bank wird verlangt. „Bezahlen mit einer IBAN aus dem Ausland? Schauen Sie an einer Station mit Serviceportal vorbei.“ Die sind übrigens sehr selten in den Niederlanden. Venlo, dies nur als Warnung, hat keins …

Das habe ich dann am Dienstag getan. Der Automat spricht auch Englisch oder Deutsch mit einem, aber das Dal-Vrij-Ticket ist recht gut versteckt. Die Dame vom Schalter kommt rüber und navigiert so blitzschnell durchs System, dass ich den leisen Verdacht habe: Das macht sie öfter. Dann nur noch die Kreditkarte ans Gerät halten. Und fertig ist's!
Reisen in den Niederlanden ist dank dichtem Takt ein Vergnügen
Die Zugangstore zum Bahnsteig, sie akzeptieren mein Kärtchen. Der Schaffner, der nach gefühlt drei Minuten zum ersten Mal kontrolliert, ebenfalls. Und nun bin ich unterwegs in dem Bahnland, das sich fährt wie ein einziges großes S-Bahn-Netz. Mindestens Halbstundentakt fast überall. In einer guten Stunde in Amsterdam.
Die Züge sind gut gefüllt, aber nicht überfüllt. Familien sind unterwegs, auch mit Kindern. Niederländer, die vermutlich schon seit Mitte Juni ihr Günstig-Ticket genießen: Immerhin 270.000 Menschen haben bereits zugegriffen. Wie viele davon nicht in den Niederlanden wohnen, ist offen.
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Schon nach wenigen Tagen waren 100.000 Tickets verkauft, trotz der Einschränkung: Man darf nicht zu Spitzenzeiten fahren. Heißt: Montags bis freitags vor 9 und zwischen 16 und 18.30 Uhr ist das Ticket nicht gültig. Ich gondle mit den blaugelben Zügen nach Amsterdam, nach Den Helder, nach Hoorn und als der Zug um 15.58 Uhr (pünktlich, natürlich) in Haarlem ankommt, verlasse ich ihn pflichtschuldigst.

Und wie lege ich jetzt die zehn Kilometer nach Zandvoort zurück? App aufmachen, zwei Klicks für drei Euro und weiter geht es in einer Viertelstunde zum Strand. Geschafft. Für zwei Stündchen mit Biertje, Meerblick und Matjes. Dann geht es zurück. Über Utrecht, 's-Hertogenbosch und Venlo. Der Weg ist das Ziel, zumindest für Bahnfans.
Dass der Weg zur Fahrkarte komplizierter sein würde als Bahnfahren, ahnte ich nicht. Und übrigens, liebe EU, es gibt auch ein Portugal-Ticket, das nur Portugiesen nutzen können. Und womöglich bald noch mehr Ländertickets. Wenn sich seit Anfang 2026 die EU auf die Fahnen schreibt, nach Jahrzehnten endlich eine einheitliche Buchungsplattform für Bahnreisen zu installieren, vergesst diese Ländertickets nicht!








