Die Leistungen der marokkanischen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM der Männer in Katar sind bereits jetzt historisch – noch nie stand eine afrikanische Auswahl in einem Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Am Mittwochabend werden Tausende Anhänger der Mannschaft an Rhein und Ruhr das Spiel gegen den Titelverteidiger Frankreich verfolgen. Die Einsatzkräfte in Essen, Köln und Düsseldorf – Städte, in denen es größere marokkanische, beziehungsweise nordafrikanische Gemeinschaften gibt – hoffen auf ein friedliches Fußballfest.

Die Polizeibehörden bereiten sich aber auf alle Eventualitäten vor: Denn beim Viertelfinalspiel am Samstag (gegen Portugal) kam es etwa in Köln und Düsseldorf zu vereinzelten Übergriffen (Tritte, Schläge) und Flaschen- sowie Böllerwürfen gegen Einsatzkräfte und Einsatzwagen, ferner auch zu Sachbeschädigungen. „Der Großteil der mehreren Tausend Feiernden verhielt sich jedoch weitestgehend friedlich“, erklärte aber die Polizei in Düsseldorf.

WM-Halbfinale: Einsatzkonzept wird etwas angepasst

Für den Mittwochabend wird die Polizei in der Landeshauptstadt noch etwas am Einsatzkonzept feilen, wie Sprecher Marcel Fiebig ausführt. „Wir gehen davon aus, dass gerade rund um die Ellerstraße viele Menschen zusammenkommen werden und zum Teil auch einige Personen von außerhalb anreisen werden, um mit anderen zusammen das Spiel zu verfolgen.“ Am Samstag zog es zwischen 3000 und 5000 Personen auf die Straßen. „Im Zweifelsfall werden wir darauf vorbereitet sein, den Verkehr in diesem Bereich umzulenken. Vorauseilend werden wir jedoch keine Straßen sperren.“

Auf den Straßen in Düsseldorf wurde gefeiert, die Polizei musste den Verkehr umleiten.
Auf den Straßen in Düsseldorf wurde gefeiert, die Polizei musste den Verkehr umleiten.© FUNKE Foto Services | Socrates Tassos

Obwohl weitestgehend friedlich gefeiert wurde, kam es beim Viertelfinalspiel zu vereinzelten Böller- und Flaschenwürfen auf Einsatzkräfte und Sachbeschädigungen. Ein Beamter wurde dabei leicht verletzt.

Da auch der Nahverkehr von den Straßensperrungen betroffen war, bereitet sich die Rheinbahn ebenfalls auf den Mittwochabend vor. „In enger Abstimmung mit der Polizei entscheiden wir situativ, ob und in welchem Umfang Umleitungen für unsere Bus- und Straßenbahnlinien eingerichtet werden“, antwortet Sprecherin Katharina Natus auf Anfrage der Redaktion. Da es in der Zuständigkeit der Polizei liegt, ob und welche Straßen gesperrt werden, reagiere die Rheinbahn flexibel und kurzfristig.

„In solchen Situationen haben unsere Kolleginnen und Kollegen umfassende Erfahrungen“, so Natus. Die Abläufe seien eingespielt. „Im Falle eines erneuten Siegs der marokkanischen Nationalmannschaft empfehlen wir unseren Fahrgästen vorsorglich, rund um den Hauptbahnhof und die Innenstadt die Stadtbahnlinien zu nutzen, da diese unterirdisch fahren und daher von eventuellen Sperrungen nicht betroffen sind.“

In Essen ist der Berliner Platz im Blick

„Natürlich haben wir die Begegnung zwischen Frankreich und Marokko im Blick“, berichtet ein Sprecher der Essener Polizei auf NRZ-Anfrage. „Wir gehen auch davon aus, dass es wieder zu Zusammenkünften im Stadtgebiet kommen wird. Nach der letzten Partie der marokkanischen Nationalmannschaft feierten circa 400 Personen im Bereich des Berliner Platz. Hinzu kamen noch zahlreiche Fahrzeuge in Form eines Autokorso.“

Fans der marokkanischen Mannschaft feierten am Samstag rund um den Berliner Platz.
Fans der marokkanischen Mannschaft feierten am Samstag rund um den Berliner Platz.© FUNKE Foto Services | Kerstin Kokoska

Für den Mittwochabend rechnet die Essener Polizeibehörde mit einer ähnlichen Größenordnung. „Es kann zu temporären Straßensperrungen im Bereich Berliner Platz oder an anderer Stelle kommen, wenn dies aus Sicht der vor Ort befindlichen Einsatzkräfte erforderlich ist.“ Vergangenen Samstag seien einige Strafanzeigen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz gefertigt worden. „Einsatzkräfte und Weihnachtsmarktbesucher wurden mit Pyrotechnik beworfen.“ Verletzt wurde dabei jedoch niemand.

Zwei Feierhochburgen in Köln

„Wir gehen davon aus, dass unabhängig vom Ausgang des Spiels gefeiert wird“, erklärt Christoph Schulte, Sprecher der Kölner Polizei. „Der jeweiligen Lage vor Ort angepasst werden wir entscheiden, ob etwa Straßensperrungen notwendig sein werden.“ Zwei Feierhochburgen haben die Einsatzkräfte ausgemacht – einmal den Hohenzollernring und einmal die Taunusstraße im Stadtteil Humboldt-Gremberg.

„Am Hohenzollernring sammeln sich bei Sportgroßereignissen, unabhängig ob es nun Bundesliga- oder Länderspiele sind, immer relativ viele Menschen“, so Schulte. Dort befindet sich ein in Beton eingelassenes Auto, die Aktionsplastik „Ruhender Verkehr“. Diese werde bei Feierlichkeiten gerne bestiegen. „Wir planen mit Kräften der Bereitschaftspolizei, welche den normalen Wachdienst unterstützen werden.“

Am vergangenen Samstag hätten jeweils mehrere Hundert Anhänger der marokkanischen Auswahl den Sieg ihrer Mannschaft an beiden Orten bejubelt. „Zwei Anzeigen wurden aufgenommen, Unbekannte warfen die Heckscheibe eines Streifenwagens mit Steinen ein, ein weiterer Kollege wurde mit einer Flasche am Kopf getroffen.“ Die Polizistinnen und Polizisten blieben jedoch unverletzt. Die Ermittlungen zu den Tätern dauern an.