Der Wohnungsmarkt in NRW bleibt angespannt. Das belegt eine aktuelle Studie, die der Landesverband Nordrhein-Westfalen des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) beim Essener Beratungsunternehmen Bulwiengesa in Auftrag gegeben hat. Im Rahmen der Studie wurden 77 NRW-Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern analysiert. Das Ergebnis: Im Durchschnitt liegt die Leerstandsquote in NRW bei rund 1,6 Prozent. „Das ist zu wenig“, sagt der BFW-Landesvorsitzende Martin Dornieden.
Als Hauptgrund macht Dornieden den überschaubaren Wohnungsneubau verantwortlich. Dieser „bleibt hinter der Nachfrage zurück, während die Bevölkerung in vielen Städten weiterwächst.“ Die Anzahl der freien Wohnungen sei zu gering. „Für einen funktionierenden Wohnungsmarkt braucht es rund drei Prozent Leerstandsquote.“
Warum fehlen in NRW so viele Wohnungen?
Nicht überall ist das Problem gleich groß. Und das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Fortschritten im Wohnungsbau, sondern auch an dem von Stadt zu Stadt verschiedenen Bevölkerungswachstum. Durchschnittlich ist die Bevölkerung in NRW zwischen 2011 und 2023 um moderate 2,7 Prozent angestiegen, doch in den großen Städten ist der Zuwachs meist größer. In Düsseldorf gab es im gleichen Zeitraum einen Anstieg von rund 4,5 Prozent. In Kleve – vor allem durch die Gründung der Hochschule Rhein-Waal – gab es sogar einen Zuwachs von knapp 11 Prozent. Damit liegt die Kreisstadt hinter Hürth auf dem zweiten Platz in ganz NRW.
Ein weiterer Faktor für die geringe Leerstandsquote: die Veränderung des Lebensstandards. Denn Wohnungen werden nicht nur immer größer, sondern werden auch pro Einheit von immer weniger Menschen bewohnt. Deutlich mehr Menschen wohnen inzwischen allein. So lag der Anteil der Einpersonenhaushalte in Kleve 2011 noch bei 37,3 Prozent, elf Jahre später dann bei 46,5 Prozent.
In Wesel und Moers ist dieser Wert von etwa 35 auf etwa 42 Prozent angestiegen. In Düsseldorf und Essen waren 2022 sogar etwas mehr als die Hälfte aller Wohnungen Single-Haushalte. Im NRW-Schnitt wurden 2022 landesweit etwa 44 Prozent der Wohnungen von lediglich einer Person bewohnt. Und der Interessensverband geht davon aus, dass sich diese Quote auch in Zukunft weiter steigern wird.
Wohnungsnot in NRW: Verband fordert Bürokratieabbau
Es gibt also zu wenige Wohnungen. Um das Problem zu lösen, müsse dringend an der Beschleunigung der Baugenehmigungsverfahren gearbeitet werden, kritisiert der BFW-Landesverband. Auch brauche es „eine konsequente Streichung von Zusatzanforderungen an Bauprojekte“, so Dornieden. Denn trotz durchaus erfolgreicher Förderprogramme reiche das Angebot nicht aus, um den wachsenden Wohnungsbedarf zu decken. „Flankiert von ohnehin gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten ist bezahlbares Bauen und Wohnen nicht mehr möglich“, erklärt Elisabeth Gendziorra, Geschäftsführerin des BFW NRW.
Auch interessant
Ohne gezielte Maßnahmen drohe besonders in den Ballungsräumen eine weitere Verknappung des Wohnraums. Der Verband fordert daher eine Vereinfachung der Bauregeln, eine Reduzierung der Bürokratie und eine konsequente Förderung der Bildung von Wohneigentum. „Wenn Politik bezahlbares Wohnen ermöglichen will, muss sie als Erste den Weg dafür frei machen, dass die mittelständische Wohnungswirtschaft wieder bezahlbar bauen kann“, so Gendziorra.




