Es gab diesen einen Moment, der Alina Gries fassungslos, empört – aber nicht tatenlos zurückgelassen hat. Die 32-Jährige kann sich noch genau daran erinnern, wie sie durch den Wald gelaufen ist und eine Familie beobachtet hat. „In Corona-Zeiten war ich viel draußen und habe bei meinen Spaziergängen immer den Müll aufgesammelt“, erzählt sie. Unglaublich, was alles in der Natur herumliegt! Wie kann das sein, fragte sie sich immer wieder, bis... ja, bis eben zu diesem einen Moment. Ein Junge, „vielleicht acht oder neun Jahre alt“, schätzt sie, ließ eine leere Chipstüte einfach auf den Boden fallen. Und die Mutter? „Die sagte, dass er sie ruhig liegen lassen könne.“ Das darf doch nicht wahr sein, dachte sie, und schmiedete einen Plan. Statt Erwachsene für Umweltschutz zu sensibilisieren, wollte sie Kinder dafür begeistern. Und das am besten durch eine spannende Geschichte mit einem sympathischen Protagonisten: Egon Eichhorn!

Geschrieben hat Alina Gries schon immer gern. Und ja, sie hatte auch schon lange den großen Traum vom eigenen Buch! „Aber nach zehn Seiten war ich immer fertig“, gibt sie lachend zu. Stattdessen schrieb sie nach ihrem Studium und Volontariat zunächst für eine lokale Zeitung, arbeitete dann in der Presseabteilung einer Gemeinde und war später in einem Familienunternehmen für die Sozialen Medien zuständig. Doch nach dem Vorfall mit der Familie entwickelte sie plötzlich eine Idee, „die ich dann immer weitergesponnen habe“, erzählt sie. In ihrem Buch sollte es um Müll im Wald gehen, „aber aus der Sicht von Tieren, um bei den Kindern auch Empathie hervorzurufen.“ Sie stellte das Konzept verschiedenen Verlagen vor... und erhielt nur Absagen. Klar, „ich war frustriert“, sagt sie. „Aber meine Mutter hat mich dann darin bestärkt, das Buch mit einem Selbstverlag zu veröffentlichen.“ Sie brauchte nur noch eine Illustratorin.

„Egon Eichhorn und der wilde Müll im Wald“ – nicht nur für Kinder lehrreich

Ein gemeinsamer Freund schlug ihr Alina Spiekermann vor, „die malt total gut!“, bekam sie zu hören. „Ich erzählte ihr dann die Geschichte, die ich im Kopf hatte und am Abend schickte sie mir diese Illustration“, sagt Alina Gries und schlägt die erste Seite des quadratischen Buchs auf. Ein kleines Eichhörnchen, mit runder Brille und geringeltem Schal, lächelt freundlich von der Seite hoch. „Das war genau so, wie ich ihn mir vorgestellt habe“, betont sie. Damit war es beschlossene Sache! Die eine schrieb, die andere zeichnete... und so konnte im August 2021 die erste Auflage von „Egon Eichhorn und der wilde Müll im Wald“ erscheinen – zunächst nur mit 1000 Exemplaren, „aber die waren nach drei Monaten schon ausverkauft“, erzählt sie. „Das war Wahnsinn!“ Mittlerweile gibt‘s bereits die fünfte Auflage von dem bebilderten Kinderbuch, das übrigens auch für Erwachsene ziemlich lehrreich sein kann... Denn wie ist das nochmal mit dem Winterschlaf? Was ist der Unterschied zur Winterruhe und Winterstarre?

Drei Kinderbücher hat Alina Gries bereits geschrieben, das vierte ist bereits in Arbeit.
Drei Kinderbücher hat Alina Gries bereits geschrieben, das vierte ist bereits in Arbeit.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

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Das beantwortet am Ende des Buchs die „Erklärung beim Vorlesen“. Übrigens hat Alina Gries bei der Recherche, bei der sie der Nabu Jüchen unterstützt hat, selbst auch einiges gelernt, verrät sie. So weiß sie beispielsweise nun, dass der Waschbär – im Buch ist es Wilma Waschbär – Winterruhe hält. Auf sie trifft Egon Eichhorn bei seiner Suche nach Vorräten für den Winter. Doch statt Nüsse und Früchte zu finden, kann Wilma Waschbär ihm nur das anbieten, was „eine Gruppe Zweibeiner“ im Wald gelassen hat: leere Trinkpäckchen und anderen Verpackungsmüll. Und so geht‘s weiter... Ferdi Fisch wirft ihm eine alte Dose zu, Ina Igel eine knisternde Tüte. Bis zu dieser Stelle sind die meisten Kinder einfach nur empört, das weiß Alina Gries nach zahlreichen Lesungen. Aber dann kommt der Winter und „alle Sachen, die er gesammelt hat, sind nicht zu gebrauchen und haben auch gar nicht geschmeckt.“ An diesem Punkt sind alle Kinder mucksmäuschenstill, erzählt sie, „und einige haben auch Tränen in den Augen.“

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Von Hummeln in Steingärten und dem Verschwinden der Meeresfarben

Gewinnspiel

Wir verlosen jeweils ein Exemplar von Alina Gries‘ Kinderbüchern „Egon Eichhorn und der wilde Müll im Wald“, „Hedi Hummel und die grauen Gärten“ und „Kira Koralle und das Verschwinden der Meeresfarben“. Das Gewinnspiel ist online freigeschaltet vom 23. Mai bis zum 6. Juni 2025 unter www.nrz.de/kinderbuch

Die Bücher sind geeignet für Kinder ab vier Jahren und kosten 19,90 Euro. Übrigens, mit jedem gekauften Buch von „Kira Koralle“ kann eine Koralle durch die Organisation „SeaChange“ gepflanzt werden. Weitere Infos zu den Büchern, zur Autorin sowie zu ihren Lesungen sind auf ihrer Homepage zu finden: www.alinagries.de oder über ihren Instagram-Account: alina.gries

Nach den Lesungen, von denen Alina Gries mittlerweile leben kann, bekommt sie immer wieder zu hören, dass die Kinder etwas unternehmen möchten – um Egon Eichhorn zu helfen. Und das ist für sie das schönste Kompliment! Damit sie noch mehr aufklären, begeistern, mitreißen kann, hat sie bereits zwei weitere Bücher geschrieben: „Hedi Hummel und die grauen Gärten“ erzählt, was passiert, wenn Insekten nicht genügend Blumen finden. „Kira Koralle und das Verschwinden der Meeresfarben“ erklärt, wie Korallen eigentlich bunt werden. Und das vierte Buch, das sich mit der Lichtverschmutzung beschäftigt, ist auch schon in Arbeit. Aber wie geht‘s denn nun mit Egon Eichhorn weiter? Keine Sorge, es gibt ein Happy End! Welches genau, wird natürlich nicht verraten, nur so viel: Eine Familie kommt in den Wald und hat etwas dabei, das Leben rettet... Eines gibt der Vater seinen Kindern zum Schluss noch mit: „Die Tüte packt ihr aber wieder ein, denn die gehört nicht in den Wald!“