März 2025. Eine Gruppe junger Menschen genießt die Abendsonne, spaziert durch Kaarst und läuft plötzlich einem mutmaßlichen Wolf über den Weg. Das Tier war offenbar mitten im Wohngebiet unterwegs, lief dort über Straßen und Gehwege und schreckte auch vor den Spaziergängern nicht sofort zurück. Eine außergewöhnliche Begegnung, die in ähnlicher Form allerdings immer wieder auftrat: Auch in Düsseldorf und Bottrop haben Menschen im März aus wenigen Metern Entfernung einen mutmaßlichen Wolf gesehen, letzterer Fall wurde bereits vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) in die Liste der Wolfsnachweise aufgenommen. Doch seit einigen Wochen ist es still um den Wolf in NRW. Keine Videos von angeblichen Sichtungen am Niederrhein, keine Nutztierrisse bei Weidetierhaltern und keine Nachweise des Lanuk. Woran liegt das? Hat sich der Wolf aus NRW zurückgezogen?
„Es sind durchaus noch wandernde Wölfe unterwegs, es kommt aber auf die Region an. Zuletzt wurde vor etwas mehr als einer Woche noch ein Wolf in Königswinter gesehen“, stellt Katharina Stenglein, Wolfsexpertin des BUND NRW, klar. „Insgesamt ist es aktuell aber doch ziemlich ruhig, vor allem am Niederrhein.“ Ungewöhnlich sei das zu dieser Jahreszeit allerdings nicht. Die Wölfe seien immer noch da, jedoch sehe man sie kaum noch, versichert sie im Gespräch mit der Redaktion. Und das habe auch einen besonderen Grund.
Rudel ziehen sich zurück: Welpen kommen zur Welt
„Ende April bis Anfang Mai. Das ist genau die Zeit, in denen die Wolfswelpen zur Welt kommen.“ Und dafür ziehen sich die Rudel erst mal zurück. Nach etwa neun Wochen bringen die Wolfsmütter in dieser Zeit bis zu zehn Welpen in ihrer Wurfhöhle zur Welt. Die Wolfsbabys werden blind geboren, wiegen zwischen 300 und 500 Gramm und verbringen ihre ersten zwei Wochen vor allem mit Schlafen und Trinken.
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Die Mutter muss also bei ihren Welpen bleiben. „Dafür wird sie vom Vater und vom Rudel in dieser Zeit versorgt. Auch die älteren Geschwister helfen bei der Aufzucht der Jungen“, erklärt die Wolfsexpertin. Und dann geht alles ganz schnell: Die Wolfsmutter säugt ihre Welpen nur etwa acht bis neun Wochen. Nach etwa zwei Wochen öffnen die kleinen Vierbeiner ihre Augen. Bis sie scharf sehen können, dauert es ungefähr noch weitere zwei Wochen. Bis dahin bilden sich auch schon die ersten Zähne.
Nach einem halben Jahr ausgewachsen
Dann verlassen die jungen Wölfe auch zum ersten Mal den Bau für kurze Ausflüge. Nach spätestens acht Wochen zieht die Wolfsfamilie wieder aus dem Gebiet um die Wurfhöhle aus. „Und nach einem halben Jahr sind die jungen Wölfe schon so groß wie ihre Eltern. Sie verhalten sich nur anders und sind etwas schlanker. Zum Herbst hin werden die Rudel dann also wieder deutlich aktiver.“
Nach einem halben Jahr sind die jungen Wölfe schon so groß wie ihre Eltern. Sie verhalten sich nur anders und sind etwas schlanker
Katharina Stenglein, Wolfsexpertin des BUND NRW
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Gerade seien die Rudel aber vor allem mit der Aufzucht der Welpen beschäftigt. Eine Erklärung dafür, warum die Jagdtiere zuletzt nur noch selten gesehen werden. Ein Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum zeigt aber auch: Dieses Jahr gibt es generell deutlich weniger bestätigte Wolfsnachweise.
Weniger Wolfsnachweise als im Vorjahr
Wird in NRW ein Tier gerissen, ein Wolf von Fußgängern gesehen oder von Wildkameras erfasst, ist das Lanuk für die Untersuchung zuständig. Kann das Landesamt bestätigen, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, wird der Fall in die Liste der Wolfsnachweise aufgenommen. Von einem Wolf kann es also auch mehrere Nachweise geben. Genauso wie ein Nachweis auch mehrere Wölfe abbilden kann, zum Beispiel bei einer Fotofalle. Im ersten Quartal 2024 verzeichnete die Behörde insgesamt 75 Nachweise, darunter auch einige im Kreis Wesel.
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In diesem Jahr fallen diese Zahlen jedoch deutlich geringer aus. Zwischen Januar und März 2025 hat das Lanuk lediglich 22 Fälle in die Liste der Wolfsnachweise in NRW aufgenommen. Als sich im März wieder die Sichtungen häuften, war diese Zahl also trotzdem deutlich unter der des Vorjahres.
„Das könnte unter anderem daran liegen, dass im vergangenen Jahr auch viel aktives Monitoring betrieben wurde. Es wurde also mit Videokameras und Fotofallen aktiv nach Wölfen gesucht. Vor allem in Schermbeck wurden dadurch ja viele Spuren gefunden. Das hat sich inzwischen etwas geändert“, erläutert Wolfsexpertin Stenglein. Ob es künftig weiterhin so ruhig bleibt um den Wolf in NRW, könne man nicht sagen. „Zumindest nicht langfristig“, ergänzt Stenglein. In den kommenden Wochen brauchen die Wolfsrudel aber erst mal Ruhe.





