Der Weg führt an weiten Feldern, einsamen Höfen und grasenden Kühen vorbei. Idyllisch! Doch spätestens, wenn der Asphalt zu Schotter wird, stellt sich die Frage: Ist das wirklich noch richtig? Aber alles gut, denn schon taucht eine Tafel an einer Einfahrt auf: „Herzlich Willkommen“, heißt es da, und zwar im Bauernhofcafé Binnenheide! Ja, bestätigt Berthold Janke kurze Zeit später, „das Navi führt im Moment alle falsch wegen der gesperrten Hauptstraße in Kevelaer.“ Dabei gibt‘s einen viel einfacheren und schnelleren Weg zu ihnen, den glücklicherweise auch schon am 1. Mai, dem Tag der Eröffnung, zahlreiche Gäste gefunden haben. „Wir wurden überrannt“, erzählt Kerstin Schiefer. Mit einem solchen Ansturm haben sie selbst nicht gerechnet, als sie vor einigen Monaten die Entscheidung trafen, ihr komplettes Leben umzukrempeln.

Denn eigentlich, das muss Berthold Janke zugeben, sind sie „vollkommene Quereinsteiger“. Mit Gastronomie hatten die beiden nie etwas zu tun, wobei, das fällt ihm dann ein: „Als junger Mann habe ich schon immer davon geträumt, ein kleines Gasthaus mit vier Zimmerchen zu haben, wo ich dann Frühstück und Abendessen angeboten hätte.“ Doch wie das Leben eben so ist, geraten manche Träume in Vergessenheit. Stattdessen wurde er Glasmaler, „und das ist auch ein wunderschöner Beruf“, betont er, „aber nach 35 Jahren dachte ich, dass auch mal was Neues passieren könnte.“ Und dann kam tatsächlich dieser eine Moment! Auf einer Geburtstagsfeier erfuhr das Paar, dass Maria und Josef Pellander neue Pächter für ihr Bauernhofcafé Binnenheide suchten. „Abends haben wir uns angeguckt und gefragt: ‚Denkst du das Gleiche wie ich?‘“, erzählt der 63-Jährige.

Alte Rezepte: Kirschstreusel oder Käsekuchen

Die beiden haben hin- und herüberlegt, haben sich gefragt: „Sind wir wirklich so mutig?“ Nach drei Wochen stand die Antwort dann fest: „Ja, das sind wir!“ Immerhin haben sie es schon immer geliebt, für ihre Gäste zuhause zu kochen oder zu backen. Nunja, eine Familienfeier ist doch etwas anderes als ein Bauernhofcafé, oder? Bethold Janke lacht und nickt. „Das ist eine Nummer größer“, sagt er. Wie gehen ein Glasmaler und eine Buchhalterin also ein solches Projekt an? „Viele haben gesagt, dass wir mutig seien“, erzählt Kerstin Schiefer. „Aber das finde ich nicht, weil wir so viel Rückenwind bekommen haben.“ Besonders Familie Pellander hat sie von Anfang an unterstützt, beispielsweise, indem sie ihnen gleich mehrere Angestellte vermittelt hat – darunter das ehemalige „Back-Team“ mit einer gelernten Konditorin. Und das ist, müssen sie so sagen, ein echter Segen!

Das Bauernhofcafé Binnenheide in Kevelaer war schon früher bekannt für seine hausgemachten Torten, die es nun wieder gibt und auch die Schwarzwälderkirschtorte darf dabei nicht fehlen.
Das Bauernhofcafé Binnenheide in Kevelaer war schon früher bekannt für seine hausgemachten Torten, die es nun wieder gibt und auch die Schwarzwälderkirschtorte darf dabei nicht fehlen.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Das hat einen einfachen Grund, wie die 50-Jährige gleich erklärt: „Die beiden bringen die Rezepte von früher mit und das merken die Leute auch.“ Denn das neue Konzept ist eigentlich ein altes. Ganz nach dem Motto: „Back to the roots!“ Also zurück zu den Anfängen, zurück zum Ursprungsgedanken, den Familie Pellander vor über 25 Jahren hatte: Hier, mitten auf dem platten Land, führen sie ein uriges Bauernhofcafé, in dem es leckeres Frühstück, kleine Mittagsgerichte und – am allerwichtigsten – selbstgebackenen Kuchen gibt. „Wie viele Torten hatten wir allein gestern?“, fragt Kerstin Schiefer ihren Mann. 12? Nee, eher 14 oder 15! Darunter die Klassiker wie Kirschstreusel und Käsekuchen, aber auch Stachelbeerkrokant, Himbeerreis, Erdbeerboden... Mmmh, darüber kommen sie gleich selbst ins Schwärmen.

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Kleiner Mittagstisch: Strammer Max oder Toast Hawaii

Im Garten des Bauernhofcafés Binnenheide in Kevelaer lässt es sich entspannen – am besten natürlich bei einem Stück Käsekuchen oder einem Teller Gulaschsuppe.
Im Garten des Bauernhofcafés Binnenheide in Kevelaer lässt es sich entspannen – am besten natürlich bei einem Stück Käsekuchen oder einem Teller Gulaschsuppe.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

„Die Beerensahnetorte wird gerade im Frühling gern genommen“, weiß Berthold Janke. „Weil sich die Sahnetorten, obwohl sie eben mit Sahne sind, auch nicht so schwer anfühlen“, fügt Kerstin Schiefer an. Sie selbst backt auch ebenfalls leidenschaftlich gern, vielleicht unterstützt sie deshalb bald die beiden Profis, aktuell aber steht sie noch hinter der Theke. Ihr Mann dagegen sorgt in der Küche für die deftigeren Leckereien: Gulaschsuppe, Strammer Max oder auch Toast Hawaii, „so, wie man es kennt, nur nicht mit der blöden Plastikkirsche, sondern mit Preiselbeeren“, erzählt er. Alles, damit die Leute sagen: „Dat hat Mutti auch so gemacht!“ Ihre Gäste sollen sich wohlfühlen, das steht bei ihnen an oberster Stelle, betont sie: „Die Leute sollen hier eine kurze Auszeit von ihrem Alltag haben.“ Das fängt schon auf dem idyllischen Weg zur Binnenheide an und hört bei der urigen Einrichtung des Bauernhofcafés auf.

Bauernhofcafé Binnenheide

Maria und Josef Pellander gründeten 1998 das Bauernhofcafé Binnenheide auf dem Kellendonkshof, Binnenheide 19 in Kevelaer. Nach rund 20 Jahren gingen sie in den Ruhestand und übergaben das Bauernhofcafé erst an einen Pächter, dann an eine Pächterin – und nun an das Pächterpaar Kerstin Schiefer und Berthold Janke.

Das Bauernhofcafé Binnenheide mit insgesamt 130 Plätzen drinnen und draußen hat aktuell mittwochs bis sonntags von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet, ab Juni dienstags bis sonntags von 9.30 bis 18 Uhr. Für eine bessere Planung sollten sich Gäste zum Frühstück anmelden: 02832/2279.

Klar, das Paar möchte auch mit der Zeit gehen, deshalb gibt‘s nicht nur Kuh-, sondern auch Hafermilch für den Cappuccino und bald vielleicht sogar einen veganen Kuchen. „Aber so etwas ist weniger gefragt als gedacht“, das haben sie seit der Eröffnung schon gemerkt. Und noch etwas haben sie in den drei Wochen bereits festgestellt, erzählt Kerstin Schiefer: „Die Leute freuen sich, dass es endlich wieder die Torten gibt.“ Dafür kommen sie alle gern zu ihnen, entweder mit dem Rad oder mit dem Auto! Wer mit Letzterem unterwegs ist, für den hat Berthold Janke noch einen Tipp: „Gleich einfach rechts, und nicht links, fahren, dann kommt man schnell auf die Straße, die zur Autobahn führt.“ Aber ganz ehrlich, eigentlich ist doch jeder Weg schön, der zum Café führt... besonders, wenn am Ende ein Stück Erdbeersahne, Apfelstreusel oder Schwarzwälderkirsch wartet!