Während die Temperaturen wieder sommerlicher werden und die nächsten Feiertage vor der Tür stehen, bereiten sich die ersten Schützenvereine am Niederrhein auf die neue Saison vor: Die ersten Schützenfeste stehen an und für die Schützenkönige aus dem vergangenen Jahr ist es an der Zeit, das Zepter wieder abzugeben. Für den privaten Terminkalender dürfte das auch eine gute Nachricht sein. Doch wie schwer ist es tatsächlich, die Krone niederzulegen? Darüber haben wir mit drei Schützenkönigen aus der Region gesprochen.

Auf eine spannende aber auch anstrengende Amtszeit blickt Bastian Küppers aus Goch zurück. Eigentlich hatte er beim Schützenfest seiner St.-Willibrord-Schützenbruderschaft in Hassum im vergangenen Sommer gar nicht vor, um den Königstitel zu schießen. Doch als sich auf dem gut besuchten Dorfplatz zunächst niemand bereiterklärte und der Abend beinahe ohne Königsschießen geendet wäre, erlösten er und drei Kollegen des Tambourcorps die wartende Menge. Und nach 121 stand der neue Schützenkönig fest: der 26-jährige Bastian Küppers.

Und plötzlich ein voller Terminkalender

„Und dann fing es auch sofort an, dass man an jedem Wochenende Termine hatte“, erzählt der Mechatroniker, der sich wenige Monate nach dem Schützenfest mit seiner Königin Mia Kersten bei der Wahl des NRZ-Königspaares 2024 gleich die nächste Krone sicherte. „Man steht plötzlich total im Mittelpunkt und besucht fast jede Woche andere Schützenfeste von befreundeten Vereinen. Daran musste ich mich erst mal gewöhnen.“

Mia Kersten und Bastian Küppers (vorne) wurden 2024 zum NRZ-Königspaar vom Niederrhein gekrönt. Der Preis für die Region Düsseldorf ging an Manuela und Alexander Elsen (hinten), Michaela und Uwe Kessel wurden das Paar des Ruhrgebiets.
Mia Kersten und Bastian Küppers (vorne) wurden 2024 zum NRZ-Königspaar vom Niederrhein gekrönt. Der Preis für die Region Düsseldorf ging an Manuela und Alexander Elsen (hinten), Michaela und Uwe Kessel wurden das Paar des Ruhrgebiets.© FUNKE Foto Services | Uwe Ernst

Dabei habe er jedoch stets auf die Unterstützung seiner Königin und seines Schützenvereins zählen können. „Wenn man damit warm geworden ist, macht es viel Spaß, ich würde es jedem empfehlen. Man lernt viele neue Menschen kennen und es wird nie langweilig.“ Sein größtes Highlight war aber immer noch die Kirmes, die sein Verein jedes Jahr im Sommer ausrichtet.

Dieses Jahr findet sie im August statt, bis Ruhe einkehrt müssen Bastian Küppers und Mia Kersten also noch einige Schützenfeste besuchen. Oder wird er dann direkt wieder am Königsschießen teilnehmen, um seinen Titel zu verteidigen? „Das geht bei uns gar nicht, man muss mindestens fünf Jahre warten, aber Ruhe tut auch mal gut. Ich komme damit klar, nicht jedes Wochenende unterwegs zu sein“, scherzt der Schützenkönig.

Zwei Jahre Schützenkönig

Ähnlich sieht es Martin Blühm vom BSV Essen-Frohnhausen. Seine Amtszeit läuft bereits seit September 2023, denn das große Schützenfest findet in Frohnhausen nur alle zwei Jahre statt – daher regiert der Schützenkönig also nicht nur ein Jahr, sondern gleich zwei. „Nachdem im Winter und Frühling typischerweise etwas ruhiger zuging, fanden um Ostern herum wieder erste Veranstaltungen statt. Doch die eigentliche Schützenfestsaison nimmt vor allem ab dem Pfingstwochenende richtig Fahrt auf“, erzählt der gebürtige Essener, der heute in Bottrop wohnt.

Er und seine Königin Denise Kaufmann haben also noch einige Termin bis zum Ende der Amtszeit. Das Königsschießen ist zwar schon im August, das Schützenfest und die Krönung findet aber aus organisatorischen Gründen erst Mitte September statt, bis dahin bleibt Blöhm also noch König. Und dann? „Ich denke, ich werde anderen erstmal den Vortritt lassen. So viel Spaß es auch macht, nach zwei Jahren und dutzenden Veranstaltungen darf es danach auch gerne wieder etwas ruhiger werden“, sagt er und lacht.

So viel Spaß es auch macht, nach zwei Jahren und dutzenden Veranstaltungen darf es danach auch gerne wieder etwas ruhiger werden.

Martin Blöhm, Schützenkönig des BSV Essen-Frohnhausen
Für Martin Blöhm geht bald eine zweijährige Amtszeit zu Ende.
Für Martin Blöhm geht bald eine zweijährige Amtszeit zu Ende.© Privat

Außerdem ist er nicht nur der aktuelle König, sondern auch Vorstandsvorsitzender des Bürgerschützenverein. Auch seine Frau ist im Vorstand. Das werde auch so bleiben, man wolle schließlich weiterhin die Tradition mitgestalten, kündigt Blöhm an. Dass er die Krone im September weitergeben müsse, sei also höchstens „ein halber Abschied“.

Startschuss nach neun Monaten?

Für Alexander Elsen von der St. Sebastianus Schützenbruderschaft aus Düsseldorf hingegen fängt die Zeit als Schützenkönig gerade erst so richtig an. „Ich bin im vergangenen September Schützenkönig geworden“, erzählt er im Gespräch mit der Redaktion. „Und in Düsseldorf haben wir das letzte Schützenfest des Jahres ausgerichtet.“ Die repräsentativen Besuche bei den Schützenfesten der befreundeten Vereine ließen also lange auf sich warten.

Langweilig wurde es in der Zeit trotzdem nicht, schließlich hätten auch Weihnachtsfeiern und Krönungsbälle auf dem Programm gestanden. „Doch die große Schützenfestsaison geht jetzt erst los“, freut sich der Düsseldorfer, der bis September vor lauter Terminen nur ein freies Wochenende haben wird. Seine zweite Amtszeit als Schützenkönig werde wahrscheinlich auch seine letzte sein, ist er sich sicher, „doch das Ende ist ja auch noch weit entfernt.“