In einer Sache sind sich die vier Frauen alle einig: Die Arbeit mit Demenzerkrankten birgt einige Herausforderungen, erfordert eine besondere Menschenkenntnis. Aber, und das ist ihnen noch viel wichtiger, das Ehrenamt bereichert auch ihr Leben. Davon erzählen sie jedoch am besten selbst...

Anita Kasparek (89): „Es macht mir Freude, unter Leuten zu sein“

Wieso engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Als mein Mann verstarb, kam bei mir Langeweile auf. Durch eine Kollegin bin ich auf die Tagespflege der Caritas gestoßen, bei der ich nun schon seit 17 Jahren bin. Mein Mann hatte auch Demenz, aber das war bei ihm noch ganz am Anfang. Natürlich erinnert man sich dann auch immer an bestimmte Situationen von früher mit ihm...

Wie sieht Ihre Arbeit aus?

Ich komme zwei Mal die Woche, immer gegen 11 Uhr. Dann setzen sich erstmal alle Gäste und Angestellten zusammen. Wir spielen Spiele, lesen die Zeitung vor, machen zusammen Bewegungen oder führen Gespräche – damit man immer auch was zu lachen hat. Um 13 Uhr gibt es Mittagessen. Ich helfe bei der Ausgabe und räume später die Tische ab. Danach gehen sich die Gäste ausruhen und wir machen auch ein Päuschen, um Kaffee zu trinken. Um 15 Uhr gibt es Spiele und Kaffee und Gebäck oder Kuchen. Sobald die Spülmaschine ausgeräumt ist, gehe ich dann um 16 Uhr nach Hause.

Das klingt schon nach einem anstrengenden Tag, oder?

Ja, aber es macht mir Freude, unter Leuten zu sein. Wir führen Gespräche über den Alltag oder über das, was früher war. Achso, ich begleite übrigens auch noch die Fahrten mit der Demenzgruppe. Das ist auch immer toll! Ich frage mich morgens oft: „Was würdest du tun, wenn du nicht die Caritas hättest? Du kannst ja nicht den ganzen Tag herumputzen (lacht)!“

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Was machen Sie ehrenamtlich?

Ich leite gemeinsam mit Sonja van de Loo das Demenzcafé Vergissmeinnicht, das zwei Mal im Monat – immer am ersten und dritten Mittwoch von 14.30 bis 17.30 Uhr – geöffnet hat. Wir können dort neun Gäste betreuen, die sich über die Diakonie anmelden. Die Kosten übernimmt die Pflegeversicherung oder, falls nicht, kann man sie auch privat bezahlen. Es gibt im Café immer Kaffee und Kuchen. Manchmal wird auch gegrillt oder wenn sich das jemand zum Geburtstag wünscht, backen wir Pizza. Außerdem planen wir immer ein jahreszeitlich passendes Programm.

Wieso haben Sie sich ausgerechnet für die Arbeit mit Demenzerkrankten entschieden?

Mein Vater war auch dement und ich betreue gern Menschen, die Bedarf haben. Außerdem ist der Austausch mit anderen Menschen total wichtig. Es gibt im Alter ja viele einsame Menschen, weil sie sich zeitlebens kein soziales Netzwerk aufgebaut haben... Aber wer im Café helfen möchte, sollte auch eine Ausbildung zur Senioren- und Demenzbegleitung gemacht haben. Das ist schon wichtig, damit man auch weiß, worum es geht.

Inwiefern?

Man sollte keine Fragen stellen wie: „Wie alt sind Sie geworden?“ Oder: „Welchen Wochentag haben wir?“ Außerdem müssen wir erste Hilfe leisten können und natürlich wurden wir wegen der Küche auch in Hygiene geschult.

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Sonja van de Loo (61): „Man bekommt unheimlich viel zurück“

Sie haben schon 14 Jahre im Altenheim gearbeitet und trotzdem haben Sie sich für ein solches Ehrenamt entschieden?

Gerade deshalb. Im Ehrenamt habe ich Zeit, die Sachen zu machen, die ich in der normalen Pflege nicht machen konnte. Wir haben im Café Vergissmeinnicht schließlich eine 1:1-Betreuung, plus Küche.

Welche Momente bleiben Ihnen besonders im Gedächtnis?

Wenn die Leute abends nach Hause gehen und sagen: „Das war ein wunderschöner Nachmittag!“ Oder: „Ich komme gern wieder.“ Oder, wenn sich die Menschen trotz ihrer Demenz noch an uns erinnern können und sagen: „Hier war ich schon mal.“ Ja, man bekommt unheimlich viel zurück.

Esther Franke steht vor der Caritas Dinslaken.
Esther Franke ist die Ansprechpartnerin der Freiwilligenzentrale Dinslaken.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Die Suche nach dem richtigen Ehrenamt

Die Woche der Demenz läuft noch bis Donnerstag, 28. September. Das Motto lautet „Demenz – Mensch sein und bleiben“.

Die Projektgruppe Demenz Dinslaken ist ein Zusammenschluss verschiedener Akteurinnen und Akteure aus den Bereichen Senioren-, Pflege- und Demenzberatung. Dazu gehören das Schlosscafé Awo Kreisverband Wesel, die Demenzberatung des Caritasverbandes für die Dekanate und Wesel, die Demenzberatung der Diakonie im evangelischen Kirchenkreis Dinslaken, die Gerontopsychiatrische Beratungsstelle des St. Vinzenz Hospital Dinslaken, das Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz Niederrhein sowie das Seniorenbüro der Stadt Dinslaken. Ihr Ziel: Demenz in die Mitte der
Gesellschaft rücken und damit Hemmnisse und Enttabuisierung abbauen.

Auch über die Woche der Demenz hinaus ist ehrenamtliches Engagement für Menschen mit Demenz unverzichtbar und ein wertvoller Beitrag für unsere Gesellschaft. Wer sich für ein Ehrenamt interessiert, kann sich an die Freiwilligenzentrale Dinslaken wenden, die unverbindlich, neutral und kostenfrei berät. Ansprechpartnerin ist Esther Franke: 02064/4776990 oder per E-Mail freiwilligenzentrale@caritas-dinslaken.de

Annette Franz (81): „Mich bedrückt, dass nur wenige Senioren zu uns kommen“

Sie engagieren sich in einem etwas anderen Bereich...

Genau, ich bin seit acht Jahren ehrenamtlich in der Seniorenvertretung der Stadt Dinslaken. Wir kümmern uns um Angebote für Senioren ab 55 und versuchen dort Hilfe zu leisten, wo sie nötig ist. Beispielsweise bieten wir ein Mal in der Woche eine Sprechstunde an. Aber mich bedrückt, dass nur wenige Senioren zu uns ins Büro kommen.

Wie erklären Sie sich das?

Es gibt sehr viele Senioren, die nur auf dem Sofa sitzen. Ich betreue nebenbei noch eine ältere Dame und merke auch da, dass man sie nicht rauskriegt. Das heißt aber nicht, dass wir nichts tun! Beispielsweise haben wir als nächstes, am 10. November um 14.30 Uhr im Dachstudio, ein Figurentheater für demenziell Erkrankte organisiert. Ich habe ein Video davon gesehen und war so begeistert! Demenziell Erkrankte, die nicht mehr sprechen, haben im Figurentheater ihre Freude geäußert... Wir sind aber auch beim Rollatortag dabei, vermitteln zur Pflegeberatung oder bieten Handykurse an. Und wir veröffentlichen auch ein Mal im Quartal eine Zeitung. Aber wenn ich dann mal so rumfrage, ob die Senioren sie gelesen haben, höre ich oft: „Nee.“ Da bin ich sprachlos.

Frustriert Sie das?

Schon. Aber solange noch einige da sind, denen ich helfen kann, mache ich weiter.