Mit einem lauten Knarzen setzt sich eine Gestalt in ihrem Sarg auf. „Etwas Mut wäre gut“, ruft sie mit ihrer schaurigen Stimme rüber, bevor sie sich wieder hinlegt. Und damit hat sie recht! Denn wer im Oktober zum „Tortuga Adventure Golf“ kommt, braucht nicht nur eine ruhige Hand, sondern auch starke Nerven. Dann erst kann der Ball ins Loch rollen... „Happy Halloween!“ So steht es in blutroter Schrift auf einem weißen Laken geschrieben, um die Gäste auf den Besuch an diesem besonderen Ort vorzubereiten. Wobei, geht das überhaupt? Hier passieren schließlich unvorhersehbare Dinge...
Aber keine Sorge, „wir sind immer noch eine Familienanlage“, erklärt Anke Smikalla. Zu gruselig wird es also nicht! Bei „Tortuga Adventure Golf“ sollen alle, Klein und Groß, Spaß haben. Das war ihr wichtig, als die anfängliche Idee von einer eigenen Minigolfanlage immer konkreter wurde. Denn eigentlich kommt sie aus einer ganz anderen Branche. „Ich war immer, und bin es immer noch, Schaustellerin“, erzählt sie. „Meine Urgroßmutter hat mal recherchiert und herausgefunden, dass es wahrscheinlich bis zu den Minnesängern zurückgeht“, erzählt sie. Die ältesten Fotos von ihrer Familie stammen aus dem Jahr 1902.
Ein Ort „wie im Dornröschenschlaf“
Anke Smikalla selbst fährt seit 35 Jahren mit ihrem Wagen von Kirmes zu Kirmes, um Mandeln, Popcorn oder Zuckerwatte zu verkaufen. Im Winter gibt‘s auf den Weihnachtsmärkten auch Glühwein. Es lief Jahrzehnte, oder besser, Jahrhunderte lang gut für die Familie. Und dann kam Corona. „Da fing das Elend an“, sagt sie. Die ersten Monate konnten sie finanziell verkraften, „aber dann wurden wir langsam nervös.“ Also suchte ihr Mann einen Platz für ihren Wagen, damit sie wenigstens in ihrer Heimat gebrannte Mandeln und frisches Popcorn verkaufen konnten.

Stattdessen aber fand er diesen Ort... Nur wenige hundert Meter vom De Wittsee entfernt war alles „wie im Dornröschenschlaf“, erzählt Anke Smikalla. Früher befand sich hier ein Minigolfplatz, der jedoch längst zugewuchert war. „Wir wollten doch immer mal Adventure Golf machen!“, das sagte ihr Mann am Telefon und erinnerte sie damit an die vielen Urlaube in Florida, in denen sie bei schlechtem Wetter themenspezifischen Minigolfplätze besucht hatten. „Es gab Vulkane, Felsen, Piraten und sogar echte Krokodile“, erklärt sie. Wäre das nicht auch etwas für Deutschland?
Die Sage von den Schildkröten
„Das ist eine Marktlücke!“ Davon ist Anke Smikalla überzeugt. Zwar gibt es auch in der Region ähnliche Anlagen, „die sogar ganz schön sind“, sagt sie. „Aber wir sind von der Kirmes, da reicht schön nicht!“ Deshalb stehen bei ihnen nicht einfach nur ein paar Figuren herum, „wir füllen das Ganze mit Leben!“ Wie das aussieht, kann sie am besten bei einem Gang von Bahn zu Bahn zeigen. Am Eingang begrüßt ein Papagei die Gäste, die sich auf die Insel der Schildkröten wagen. Aber wieso überhaupt die Referenz zur karibischen Insel „Tortuga“?

Lesen Sie auch: Neue Indoor-Golfanlage „Ruff“: Was Profis und Hobby-Golfer erwartet
„Es gibt die Sage, dass am De Wittsee mal Schnappschildkröten ausgesetzt wurden“, antwortet Anke Smikalla. „Ich habe noch nie welche gesehen, aber man sagt, dass jetzt 200 bis 300 dort leben.“ Und dort drüben, sie zeigt neben die erste Bahn, sitzen noch weitere – wenn auch aus Plastik. „Wir haben dann mit meinen beiden Söhnen herumgesponnen, was noch alles möglich ist“, erzählt sie. So spielen nun an einem Tisch mehrere Piraten, während wenige Meter weiter ein riesiger Gorilla auf einer Bank sitzt... „Wir wollten, dass Urlaubsstimmung aufkommt“, sagt sie. Deshalb plätschert hier ein Wasserfall, dort fließt ein Flüsschen.
Mit dem Floß zur nächsten Bahn
Aber natürlich geht‘s nicht nur ums Staunen, sondern auch ums Spielen! „Jede Bahn hat zwei Schwierigkeitsgrade“, erklärt Anke Smikalla. Beispielsweise können Profis auf dieser Bahn den Ball durch die Schatzkiste schießen, „und Kinder können drumherum spielen.“ Während sie spricht, ertönt plötzlich ein gespenstisches Geräusch. Huch, wo kommt das denn her? Sie lacht und deutet auf einen Grabstein, der sich gerade öffnet. „Hey, darf ich mal mitspielen?“ Schnell weiter, durch einen Tunnel, von dessen Decke Spinnen, Füße... und ein Kopf hängen.

„Ich liebe es zu dekorieren“, erklärt Anke Smikalla. Deshalb arbeitet sie gerade auch schon an einem Konzept für Weihnachten... Doch ein Zombie mit Messer holt einen schnell zurück in den Oktober! „Wir haben einiges von einem Schaustellerkollegen, der eine Gruselbahn hat“, sagt sie. Übrigens, die Stimmen haben sie einsprechen lassen „und die aus dem Sarg ist von meinem Sohn.“ Sie läuft weiter zum Wasser, über das der Ball fliegen muss, und ja, „da landen viele drin.“ Deshalb gibt es extra einen Kescher. Wer den Ball endlich im Schlund eines Hais versenkt hat, kann sich mit einem Floß zur nächsten Bahn ziehen.
Halloween auf Tortuga
An Halloween, 31. Oktober, können Gäste mit Jack Sparrow – oder zumindest mit einem Imitator – Fotos machen. Außerdem spazieren von 11 bis 22 Uhr verkleidete Geister über die geschmückte Anlage.
Adventure Tortuga Golf, Am Witt See 22 in Nettetal, hat nur bis zum 2. November geöffnet. Danach öffnet die Minigolfanlage wieder für jedes Adventswochenende, jeweils freitags bis sonntags. Ab Mitte März beginnt die neue Saison.
Übrigens, sobald es dunkel ist, bekommen Gäste leuchtende Bälle, mit denen das Spielen noch mehr Spaß macht. Danach können sich alle im Biergarten bei Snacks und Getränken stärken.
Die genauen Öffnungszeiten sind online auf der Homepage zu finden: tortuga-adventure-golf.de
Zur Musik von „This is Halloween“ geht‘s vorbei an einem Piraten auf einem Boot, das im Nebel versinkt, bis zu einer Bahn, die Anke Smikalla besonders viel Freude bereitet... „Die meisten erschrecken sich richtig“, erzählt sie. „Und wir lachen uns schlapp!“ Wieso? Am besten einfach mal ausprobieren! Also gut. Der Ball rollt in den „Donnerbalken“, aber kommt danach nicht wieder raus. Und jetzt? Nun, die Gestalt aus dem Sarg hat es ja schon prophezeit: Etwas Mut wäre gut! Deshalb vorsichtig die Tür zum Klo öffnen und auf alles, wirklich alles, gefasst sein!


