Ein Snack? Geht immer. Nun ist ein leckerer Schokoriegel jedoch nicht unbedingt gesund - und ein gesunder Müsliriegel nicht immer lecker. Das Problem kennt auch Kerstin Herzmann. „Mit dem Angebot im Supermarkt war ich unzufrieden“, erzählt die Moerserin, die damals noch in Duisburg wohnte. Also experimentierte sie in ihrer heimischen Küche herum, probierte erst Süßkartoffelpudding und später Energyballs aus. Das Ergebnis? Konnte sich sehen und schmecken lassen! Und Letztere, süße Kügelchen voller Ballast- und Nährstoffe, waren es auch, die sie und ihren Mann David Herzmann zu ihrer Idee inspirierten: Wir gründen ein Start-up! Doch jetzt, fünf Jahre später, schlagen sie mit ihrem Unternehmen noch einmal ganz neue Wege ein. Statt weiter eigene Snacks zu produzieren, verkaufen sie ab sofort die innovativen Produkte anderer Unternehmen... Aber von vorn.

Beide hatten, und haben noch immer, eigentlich andere Jobs. Er ist selbstständig und hat eine E-Commerce-Plattform gegründet, sie ist angestellt und arbeitet in einer Werbeagentur. „Aber während Corona hatten wir plötzlich mehr Zeit“, erzählt Kerstin Herzmann. Und die nutzten sie, um sich selbst eine Frage zu stellen: „Ist es das, was wir unser ganzes Leben machen wollen?“ Ihre Antwort darauf: „Nein, eigentlich nicht.“ Bei der Suche nach einer neuen Aufgabe kamen sie schnell auf ihre große Leidenschaft für gesunde Snacks – und das ihrer Meinung nach bislang fehlende Angebot im herkömmlichen Supermarkt.

Snackballs, die lecker sind und satt machen

Das Paar startete mit großer Motivation. „Wir hatten richtig Spaß“, erinnert sich Kerstin Herzmann. Wie sollte das Logo aussehen? Und wie sollte ihre Firma überhaupt heißen? Mit „Snackhelden“ gingen sie schließlich an den Start. Sie entwickelten einen Businessplan, erstellten eine Internetseite, suchten eine Produktionsstätte. „Die Herausforderung dabei war“, wirft sie ein, „jemanden zu finden, der so kleine Margen herstellt.“ Aber sie wurden fündig! Bei Kaja Food in Kempen konnten sie 500 Kilogramm pro Sorte herstellen „und wir hatten ein Jahr Zeit, die zu verkaufen.“

Firma Snackhelden
Die Caramel-Cacao-Cashews kommen aus Togo direkt nach Deutschland und sind damit klimafreundlicher als viele andere Cashews.© FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Das Konzept überzeugte auch die Wirtschaftsförderung in Duisburg, die dem Paar ein Gründerstipendium bewilligte. Damit konnten sie nun tatsächlich in die Produktion ihrer „Snackballs“ gehen, deren Rezeptur sie selbst entwickelt hatten: kleine Kugeln aus Datteln und Hafer, die für eine gute Verdauung und eine lange Sättigung sorgen. Und das Wichtigste: „Choc & Seeds“, „Hazelnut & Berry“ oder auch „Kokos & Cashew“ sind auch noch richtig lecker! Ja, Kerstin Herzmann ist noch immer überzeugt von ihrem Produkt, auch wenn sie 2025 die Produktion einstellen mussten...

Online-Shop für gesunde Snacks

„Viele Start-ups im Food-Bereich haben ähnliche Probleme“, weiß die 33-Jährige mittlerweile. Sie hätten größere Mengen verkaufen müssen, trotz diverser Krisen, und mussten am Ende eine Entscheidung treffen. Wie soll es weitergehen? Aufgeben kam für das Paar nicht infrage. „Dazu sind wir zu verbissen“, sagt Kerstin Herzmann und lacht. „Wir probieren es einfach so lange, bis es klappt.“ Deshalb würde sie den Schritt auch nicht als Scheitern bezeichnen. Immerhin sei das doch die Definition eines Start-ups, wie sie erklärt: „Man arbeitet daran, bis es ein erfolgreiches Geschäftsmodell ist, und so lange ist es bislang nicht fertig.“

Den indischen Snack Makhana, gepuffte Samen, gibt‘s nun auch als „Water Lily Pops“ in Deutschland.
Den indischen Snack Makhana, gepuffte Samen, gibt‘s nun auch als „Water Lily Pops“ in Deutschland. © Just Nosh

Zugegeben, das ist anstrengend, hart... „und erfordert, diszipliniert zu sein“, fügt Kerstin Herzmann hinzu. Gerade mit einem kleinen Kind, den anderen Jobs. „Aber es geht auch um unsere Selbstverwirklichung!“, betont sie. Sie und ihre Mann glauben weiterhin daran, dass es mehr gesunde und leckere Snacks braucht. Deshalb haben sie nun „SnackNest“ gegründet – einen Online-Shop, über die sie die Produkte ausgewählter Start-ups verkaufen. Ihre Kriterien dabei: Die Snacks sollen gesünder, leckerer, nachhaltiger und sozialer als die Konkurrenz sein.

Mehrere Start-ups aus „Höhle der Löwen“

Als Beispiel hat Kerstin Herzmann eine rosafarbene Packung mitgebracht. „Caju verschifft die Cashewnüsse von Togo direkt nach Deutschland“, erklärt sie. „Sonst kommen sie oft erst nach China, wo sie verpackt werden.“ Auf diesen Extra-Weg verzichtet das Unternehmen und spart dabei „15.750kg CO2 pro Container“ gegenüber der Asiaroute ein, wie auf der Rückseite der Verpackung steht. Außerdem ist dort zu lesen: „Faire Bezahlung für Landwirte & Beschäftigte“. Und ganz nebenbei sind die „Salted Caramel Cacao“ Cashews auch noch köstlich, weiß sie aus eigener Erfahrung.

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Denn klar, das Paar muss nicht nur die Projekte und Visionen der Unternehmen prüfen, sondern auch die Produkte testen. Kerstin Herzmann, die mittlerweile zertifizierte Ernährungsberaterin ist, schaut dabei natürlich besonders auf die Inhaltsstoffe. Aber jeder Snack muss auch schmecken! Einer ihrer Favoriten: „Bae Bites“. Manche dürften die „Tropfen“ aus einem weichen Teig mit cremigem Kern, überzogen mit feiner Schokolade, aus dem Fernsehen kennen kennen.. „Wir haben viele Start-ups aus ‚Höhle der Löwen‘“, erklärt sie. Dazu gehört auch „Just Nosh“, das „Water Lily Pops“ herstellt.

Gesunde Alternative zu Popcorn und Chips

Die gepufften Samen der Stachelseerose sollen wie Popcorn oder Chips schmecken, „nur besser“, so das Versprechen. Mal kommen sie süß daher, mit dem Geschmack von Kokosnuss und Kakao, mal herzhaft, als Sorte „Pink Salt“ oder „Smoked Chili“. „Und dazu haben sie weniger Kalorien, aber mehr Nährstoffe“, erklärt Kerstin Herzmann. Und auch beim Vorstellen der anderen Snacks kommt sie schnell ins Schwärmen. Hach, diese Kochbananenchips. Produkte von rund 20 Start-ups vertreibt das Paar bereits über die Plattform, in Zukunft dürften es aber gern mehr werden. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen, innovativen Unternehmen.“

Snacken ohne schlechtes Gewissen

Produkte auf der Internetseite „SnackNest.de“ decken mindestens eines der „Future Snacking Kriterien“ ab, die Kerstin und David Herzmann erstellt haben: Sie müssen nachhaltig produziert sein, eine gesunde Alternative darstellen oder soziale Bedingungen verbessern.

Eines aber muss Kerstin Herzmann nun doch noch verraten: Isst sie wirklich nie auch mal ungesunde Leckereien? Sie lacht. „Doch“, antwortet sie, „wenn die Omi einen tollen Kuchen gebacken hat, essen wir den natürlich auch.“ Aber, das fügt sie dann hinzu: „Die Menge macht das Gift.“ Und genau deshalb möchten sie und ihr Mann ein „Nest der Zukunft“ bauen, wie sie es selbst nennen – mit leckeren, aber eben auch gesunden Snacks.